Ruhrpott Battle 2017 - Flottmannhallen "Treffen der Generationen"

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Zugegeben, konnte ich mir als Mutter im "besten Alter" nicht vorstellen, was es beim diesährigen Ruhrpott Battle zu sehen gab. 
In meiner Jugendzeit, die locker zwei Jahrzehnte zurück liegt, standen die Breakdancer noch vor Karstadt oder Hertie in der Innenstadt und führten ihre Kunst vor vom Einkaufsstress gebeutelten Publikum auf. Stets ging anschließend jemand mit dem Hut durch die Menge und sammelte kleine Geldspenden, die unter den Beteiligten gerecht geteilt wurden.
Heute bittet mein Kind mich, mit ihm dem Ruhrpott Battle beizuwohnen. Ich fühle mich geehrt, dass es mich wie selbstverständlich zu diesem eindeutig dem jungen Publikum vorbehaltenen Event einläd. 
Als wir um 17:30 Uhr vor dem Eingang stehen, hat sich davor bereits eine Schlange gebildet. Vorfreude beschleicht mich und lässt mich entspannt mit den Füßen auf- und abwippen.
Doch dann höre ich aus Reihen hinter mir, dass es in den Flottmannhallen nur begrenzt Sitzmöglichkeiten gibt, damit habe ich nun nicht gerechnet. Ich war der festen Überzeugung, an einem Tisch mit einem kühlen Getränk in der Hand sitzen zu können und dem Ereignis entspannt beizuwohnen. Meine Knochen sind nicht mehr die Jüngsten, mein Geist glücklicherweise schon, und somit schiebe ich mein Vorurteil, hier fehl am Platz zu sein, einfach von mir.
Nach einer "Leibesvisite" durch das Security-Team dürfen wir den Saal endlich betreten. Vorfreude packt mich. Die Musik dröhnt in meinen Ohren, versucht, meinen Herzschlag aus dem eigenen Takt zu bringen und dem der Musik anzupassen. Dunkel und warm ist es, zahlreiche Menschen haben bereits Einlass gefunden und bevölkern das magere Sitzplatzangebot. Ich sehe mich um und entdecke die Treppe zur zweiten Ebene, klettere hinauf, stelle mich trotz Höhenangst dicht an das Geländer und spüre diese aufgrund der Aufregung überhaupt nicht. Plötzlich ist es nicht mehr wichtig, sitzen zu müssen, der Körper beginnt im Takt des Beats, der aus den Lautsprechern dröhnt, zu wippen. Mein Kind neben mir, ganz cool, verfällt dem Rhythmus und wippt mit. 
Mein Blick scheift durch die Menge, ich entdecke unter all dem jungen Volk ältere Menschen auf der Battlefläche, die vor Beginn als Tanzfläche genutzt wird. Jemand, der eindeutig mein Vater sein könnte, vollführt Moves, dass es mir warm ums Herz wird. All diese Menschen tanzen, freuen sich, unterhalten sich mit jüngeren Tänzern und ernten Anerkennung für ihre Kreativität. Meinen Eindruck, dieses Event sei nur etwas für Jüngere, revidiere ich sofort und fühle mich einfach nur wohl, kann den Alltag vergessen und in meine Jugend eintauchen. Zusammen mit meinem Kind feiere ich den Abend, johle, klatsche, kreische den talentierten Tänzern zu, die über die Tanzfläche zu schweben scheinen und Kunststücke vorführen, bei denen ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass so etwas überhaupt möglich ist. 
Nun bereue ich es, meine Kamera nicht mitgenommen zu haben und begnüge mich mit dem Smartphone. Da ich aber jetzt bereits weiß, dass ich beim nächsten mal wieder dabei bin, macht es mir nicht so viel aus, die mangelnde Smartphonequalität zu nutzen. 
Ganz ehrlich weiß ich nicht einmal, wer nun in welcher Kategorie gewonnen hat oder wo der Unterschied der ganzen Kategorien liegt. Ich bin halt kein Kenner, nur eine dem damaligen Breakdance verfallene Mitvierzigerin, die dem heutigen Ruhrpott Battle ebenso angetan ist.
Aber zugegeben, wer findet es nicht toll, einer solchen Akrobatik beizuwohnen, in der Tänzer die Beine durch die Luft wirbeln, auf den Köpfen zu schweben scheinen, sich drehen, Mädels wie Jungs, dass es mir beim Anblick bereits schwindelt.

Fazit:
Das Ruhrpott Battle - laut, frech, spannend, mitreißend. Wer sich in seiner Jungend für Breakdance oder Hip Hop oder was weiß ich, was es noch so alles für Tanzarten gibt, interessert hat oder selbst getanzt hat oder immer noch tanzt, ist hier, auch, wenn er die Zwanziger um Welten überschritten hat, sehr gut aufgehoben. Die Musik dröhnt im ganzen Körper, die Battles sind Kunst pur. Auch wenn hier Amateurtänzer antreten, hat das Ruhrpott Battle überhaupt keinen Amateurcharakter. 
Mein Kind jedenfalls hat diesen Abend mit mir genossen, danke für die Einladung.

Abschließend einen Dank an die vielen tollen Tänzer, die mich an diesem Abend in meine Jugendzeit entführt haben und nun einen neuen Fan gewonnen haben. Aus allen Ecken der Welt sind sie angereist, von Marokko bis Russland und weiß Gott woher noch.
Auch möchte ich das DJ-Team nicht unerwähnt lassen, das in der Szene bereits eine Größe ist. Danke für den satten Sound und den enormen Bass, der auch anwesenden Taubstummen das Tanzen ermöglicht hat, einfach großartig.
Ein großes Lob geht an die Veranstalter und den tollen Moderator, die sich alle zusammen große Mühe gegeben haben, einen unvergessenen und entspannten Abend für die Zuschauer zu zaubern. 

Die mangelnde Qualität meiner Bilder bitte ich zu entschuldigen. Niemals habe ich damit gerechnet, aus diesem Event eine Reportage machen zu wollen.

Autor:

Nadine Kolp aus Herne

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