Tage Alter Musik: Festival findet vom 14. bis zum 17. November statt
Verstehen und verwirren

Das Hathor Consort Ensemble widmet sich unter dem Motto "Poesie aus der Kürbishütte" der Musik des 17. Jahrhunderts. Foto: Stefan Schweiger
  • Das Hathor Consort Ensemble widmet sich unter dem Motto "Poesie aus der Kürbishütte" der Musik des 17. Jahrhunderts. Foto: Stefan Schweiger
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Bei dem renommierten Alte-Musik-Festival geht es vom 14. bis 17. November in Herne bereits zum 44. Mal um die Formen musikalischer Kommunikation vom Mittelalter bis hin zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Es hat sich längst weit über unsere Stadtgrenzen hinaus einen guten Namen gemacht.

Das seit 1976 jährlich stattfindende Ereignis steht unter dem Motto „Verstehen – Verwirren" und präsentiert im Rahmen von zehn Konzerten eine große musikalische Spannbreite – von einfacher Musik wie barocken Militär-Fanfaren bis zu komplexen Kompositionen wie Bachs "Kunst der Fuge". Veranstalter sind das Kulturradio WDR 3 und die Stadt.
Besonderer Höhepunkt der unter der künstlerischen Leitung von Richard Lorber stehenden Musiktage sind die Pelleas-Impressionen von Claude Debussy in einer Bearbeitung des Franzosen Marius Constant mit sechs Singstimmen und zwei Klavieren. Mit seiner Oper »Pelléas et Mélisande« hatte Debussy 1902 eine völlig neue Art von Musikdrama geschaffen. Mit den Pianisten Jan Michiels und Inge Spinette an den Tasten zweier Blüthner-Flügel der damaligen Zeit wird eine experimentelle Proben-Atmosphäre anno 1902 realisiert, bei der die Wortsprache Maeterlincks gleichberechtigt zu Debussys Musiksprache erlebbar ist und Interpreten wie Zuhörer zu Ursprung und Essenz von Debussys Meisterwerk geführt werden.
Poesie aus der Kürbishütte, eine romantische Umschreibung für Arien, Canzonetten und Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts von Heinrich Albert, Johann Theile, Johann Philipp Krieger, Franz Tunder, Nicolaus Bruhns, Johann Hermann Schein und Samuel Scheidt spielt das Hathor Consort Ensemble in der Kreuzkirche. Seit 1630 wirkte im preußischen Königsberg Heinrich Albert als Hof- und Domorganist. In seiner "Kürbishütte", einer von Kürbispflanzen überrankten Gartenlaube, trafen sich ab 1636 zehn bis zwölf Freunde, die als "Königsberger Dichterkreis" in die Literaturgeschichte eingehen sollten. Sie tauschten sich über Poesie und Musik aus, trugen eigene Kreationen vor und ritzten sie in die Kürbisse. Heinrich Albert hat so manche "Kürbishütten"-Lyrik vertont. Ein ideales Repertoire für die unvergleichlich klare Stimme von Dorothee Mields, der diese barocken Lieder schon lange eine Herzensangelegenheit sind und für das Hathor Consort der Gambistin Romina Lischka auf seiner Suche nach immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten.
Besonders an Kinder und Jugendliche wendet sich das Werkstattkonzert. Studenten der Hochschule für Musik und Tanz in Köln präsentieren ausgewählte Werke Henry Purcells in drei sehr unterschiedlichen Stilen neben jeweils passenden kompositorischen Vorbildern. Leitung und Moderation des Konzerts, in dem neben Purcell Stücke von Maurizio Cazzati, Giovanni Battista Vitali, William Cranford, Matthew Locke und Jean-Baptiste Lully zu hören sind, übernimmt Richard Gwilt.
Instrumentale Kontrapunkt-Kreationen aus gleich vier Jahrhunderten von William Byrd, Orlando Gibbons, Henry Purcell, Johann Sebastian Bach und Sebastian Gottschick präsentiert das Ensemble Vintage aus Köln unter der Leitung der Violinistin Ariadne Daskalakis. "Die Kunst der Fuge" heißt das Programm, in dem das experimentierfreudige Ensemble aus der Rhein-Metropole den Fugen- und Kanon-Kompositionen Bachs ähnlich durchdachte Consort-Werke aus dem England des 16. und 17. Jahrhunderts an die Seite stellt und um Eigenkompositionen seines Bratschers Sebastian Gottschick ergänzt.
Unter der Überschrift "Kriegssignale und virtuose Kaskaden" präsentiert das Schwanthaler Trompetenconsort Bläsermusik des 17. bis 19. Jahrhunderts zwischen Militärsignalen und Konzertkunst mit Werken unter anderem von Heinrich Ignaz, Franz Biber, Henry Purcell, Valentine Snow, Joseph Küffner, Johann Stanislaus Wenusch und Franz Xaver Schandl. Das mehrfach preisgekrönte österreichische Ensemble kann mit einem weitgehend vergessenen Repertoire aufwarten, das sich vom 17. bis ins 19. Jahrhundert zwischen Kaserne, Kirche und Konzertsaal bewegt. Dazu bringt das Ensemble neben acht Trompeten auch drei Posaunen, eine Orgel und diverse Bassinstrumente auf die Bühne.
"Les Voyages de l'Amour" intoniert das Purcell Choir Orfeo Orchestra unter der Leitung von György Vashegyi. Joseph Bodin de Boismortiers erstes Bühnenwerk hat nichts weniger als die Kraft der Liebe an sich zum Thema. In Herne erlebt dieses kurzweilige Musiktheater-Juwel nach 283 Jahren seine erste Wiederaufführung in Zusammenarbeit mit dem renommierten Centre de Musique Baroque de Versailles und dessen ungarischen Kooperationspartnern Purcell Choir und Orfeo Orchestra unter György Vashegyi.
Die Musikinstrumenten-Messe für Blas- und Saiteninstrumente läuft parallel an allen Festivaltagen im Foyer des Kulturzentrums. Aussteller aus dem In- und Ausland zeigen im oberen Foyer Holz- und Blechblasinstrumente sowie Zupf- und Streichinstrumente der Alten Musik sowie entsprechendes Zubehör. Weiterhin präsentieren Verlage und Musikalienhandlungen ihr Angebot wie zum Beispiel CDs, Bücher und Noten im unteren Foyer.
Die Tage Alter Musik finden nicht nur im Kulturzentrum statt, sondern auch in der Kreuzkirche und in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 sowie im Kulturradio WDR 3, wo das Festival mit vier Live-Übertagungen und weiteren Sendungen in den folgenden Wochen einen Programmschwerpunkt bilden.
Weitere Informationen:
www.tage-alter-musik.de

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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