Vietnam-Ausstellung: Ein Boot als Grab

Eine Porzellan-Kanne in Form eines Phönix aus dem Schiffswrack Cù lao Chàm.

Seit einigen Wochen zeigt das Museum für Archäologie in einer Sonderausstellung die Schätze der Archäologie Vietnams. Unter den Exponaten, die bereits 3000 Besucher in die Ausstellung gelockt haben, sind auch Funde aus zwei Schiffswracks.

Im Frühjahr 1990 machte ein Fischer einen ungewöhnlichen Fang: Die Strömung trieb ihm mehrere Keramikstücke ins Netz. Sie stammten von einer Hochseedschunke, die im 15. Jahrhundert im südchinesischen Meer gesunken war. Schließlich gelang es Tauchern, deren Ladung zu bergen - trotz einiger Hindernisse durch einen Taifun und Hai-Attacken.

Rund 240000 Porzellanobjekte hatte das 30 Meter lange und sieben Meter breite Kastenboot in seinem Stauraum geladen. Es handelte sich überwiegend um vietnamesische Keramik des späten 15. Jahrhunderts, die aus den Brennöfen der Provinz Mai Duong stammte. Chinesische und thailändische Stücke lieferten Hinweise auf weitreichende Handelsbeziehungen. Insgesamt erreichte die Fracht einen Wert in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe.

Einige dieser Fundobjekte aus dem Schiffswrack von Cu Lao Cham sind nun in Herne zu sehen. Dazu gehören ein Deckel mit Landschaftspanorama, Teller mit Drachendekor, Töpfe mit Tier- und Pflanzenornamenten sowie badenden Frauen oder eine Kanne in Form eines Phönix.

Weitere Funde stammen aus dem Bootsgrab von Viet Khe, das mit seinen Beigaben zu den reichsten Gräbern der Eisenzeit in Vietnam gehört und dort als Nationalschatz gilt. Entdeckt wurde es ebenfalls per Zufall bei Bauarbeiten. In dem vor mehr als 2000 Jahren angelegten Bootsgrab fand man über 100 Fundstücke der Dong Son-Kultur. Der Tote war in einer Matte aus Flechtwerk in dem zum Sarg umfunktionierten Holzboot bestattet worden. Als Beigaben legte man ihm mehr als 90 Objekte mit ins Grab. Sie stellten die Grundausstattung eines Mannes aus der Oberschicht dar: Waffen, Werkzeuge, Gefäße zum Waschen und Tafelgeschirr und Musikinstrumente. Auch einige organische Reste hatten die Zeit überdauert, darunter eine bemalte Holzkiste mit weiteren kleineren Bronzebeigaben, ein Paddel, Reste eines Lederpanzers und über zwei Meter lange Speere.

Einige der Grabbeigaben, wie das Holzpaddel und vier Bronzeobjekte, werden derzeit eigens für die Ausstellung in Deutschland restauriert und im Januar ergänzend in die Vitrinen eingebracht.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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