Annegret Müller beendet Tätigkeit auf der Palliativstation des Evangelischen Krankenhauses
Begleitung ohne Tabus

Abschied auf Abstand: Annegret Müller (rechts), Koordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst Herne, übergibt nach 23 Jahren den Staffelstab an ihre Nachfolgerin Anja Schröder.
  • Abschied auf Abstand: Annegret Müller (rechts), Koordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst Herne, übergibt nach 23 Jahren den Staffelstab an ihre Nachfolgerin Anja Schröder.
  • Foto: Hospizdienst
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Nach 23 Jahren auf der Palliativstation des Evangelischen Krankenhauses und beim Ambulanten Hospizdienst tritt Annegret Müller den wohlverdienten Ruhestand an. Die 63-Jährige wurde nun von Weggefährten verabschiedet.

In einer Feierstunde würdigten Pfarrer Frank Obenlüneschloß und Rolf Lücke, die Vorstände der Fördervereine Palliativstation und Hospizdienst sowie des Lukas-Hospizes, den Einsatz Annegret Müllers für gerontopsychiatrische Pflege und Betreuung für die Verbesserung der ambulanten Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen in Herne. Zum 1. März übernimmt Anja Schröder, Fachaltenpflegerin für gerontopsychiatrische Pflege und Palliative Care aus Marl, ihre Aufgaben.

Ein Grundmotiv der Arbeit von Müller ist lebenslanges Lernen. Unablässig hatte sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten erweitert. Nicht nur, um ihr Können auf Stand zu halten, sondern um neue und oft mutige Impulse zur Verbesserung der Situation schwerstkranker oder sterbender Menschen zu geben. „In der hospizlichen Begleitung gibt es keine Tabus“, sagt sie.

Wie konsequent Müller eigene Wege geht, zeigt ihr Werdegang. 1995 gab die ausgebildete Hauswirtschaftsmeisterin die Leitung eines Altenheims auf, um mit einer dreijährigen Ausbildung zur Altenpflegefachkraft ganz von vorn zu beginnen: „Ich hatte damals das Gefühl, dass die Pflegenden mich nicht verstehen – und ich sie auch nicht. Das wollte ich ändern.“

Als nach der Ausbildung ihr Schwiegervater auf der internistischen Station eines Krankenhauses starb, entschloss sie sich, auf der Palliativstation des Evangelischen Krankenhauses zu arbeiten. Dort lernte Müller die Sozialarbeiterin Karin Leutbecher kennen, die sie für den Hospizdienst und die ambulante Sterbebegleitung gewann.

Das eigene Schicksal – eine Krebserkrankung im Jahre 2001 – vertiefte Müllers Verständnis für die Notlagen am Ende des Lebens und bestärkte sie, den Weg weiterzugehen. Seitdem hat sie als Koordinatorin in Herne viele Meilensteine gesetzt. Besondere Bedeutung kommt dabei der Demenz am Lebensende zu. Ein Hilfsangebot zu dieser Problematik wird vom Förderverein Lukas-Hospiz finanziell unterstützt.

Parallel dazu initiierte Müller die landesweite Arbeitsgemeinschaft "Demenz am Lebensende". Sie beteiligte sich in der "Arbeitsgemeinschaft Heime" des örtlichen Palliativ-Netzwerkes. Als Kursleiterin bildete sie außerdem beruflich Pflegende und begleitende Berufsgruppen aus.

Auch wenn am 1. März der offizielle Ruhestand beginnt, wird Annegret Müller der Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen in Herne als Vorstandsmitglied der Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit Ruhrgebiet erhalten bleiben. Ihre Begeisterung fürs Nähen, Basteln, Dekorieren und Organisieren will sie weiterhin ehrenamtlich in der Kreativgruppe des Fördervereins ausleben, wenn sie nicht gerade mit Ehemann und West-Highland-Terrier Fienchen im Wohnmobil die Welt erkundet.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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