Bonpflicht
Frage der Woche: Frankreich schafft Bonpflicht ab – Vorbild für Deutschland?

Er hat's getestet: Bäckermeister Thomas Potthast vor dem Kassenbon-Haufen, der an einem einzigen Tag zustande kommt. Ab dem 1. Januar 2020 muss laut Finanzministerium für jeden, auch noch so kleinen Kauf ein Bon ausgedruckt und dem Kunden in die Hand gedrückt werden.
  • Er hat's getestet: Bäckermeister Thomas Potthast vor dem Kassenbon-Haufen, der an einem einzigen Tag zustande kommt. Ab dem 1. Januar 2020 muss laut Finanzministerium für jeden, auch noch so kleinen Kauf ein Bon ausgedruckt und dem Kunden in die Hand gedrückt werden.
  • Foto: Frank Preuß
  • hochgeladen von Lokalkompass Duisburg

Seit einem Monat gibt es in Deutschland die Bonpflicht. Jeder mit einer Registrierkasse verkaufte Artikel muss demnach mit einem gedruckten Bon quittiert werden. In Frankreich geht der Gesetzgeber die entgegen gesetzte Richtung.

Mittelständische Betriebe wie Metzgereien, Bäcker und Cafés ärgern sich in den letzten Wochen besonders über Mehrkosten, Aufwand und Müll. Für jedes Brötchen, jeden Espresso, der mit einer Registrierkasse abgerechnet wird, fällt seit Neujahr 2020 ein gedruckter Kassenzettel an. Damit soll verhindert werden, dass Betriebe Teile ihrer Einnahmen am Finanzamt vorbeischleusen. Die Deutsche Steuergewerkschaft geht davon aus, dass dem Fiskus durch das Hinterziehen von kleineren Beträgen jährlich mehrere Milliarden Euro entgehen. Die Bonpflicht schiebe beträchtlichen Teilen dieser Betrugsmöglichkeiten einen Riegel vor.

Händlerverbände und Umweltschützer hingegen gehen auf die Barrikaden und protestieren: Zu viel Müll, zu viel Aufwand, zu viel Bürokratie. Selbst bei Centbeträgen müssen Bons ausgehändigt werden, selbst wenn der Kunde das gar nicht will. Dazu kommt: Bonpapier muss im Restmüll entsorgt werden, weil Chemikalien ein Recycling unmöglich machen.

Frankreich schafft Bonpflicht ab

Frankreich geht unterdessen einen ganz anderen Weg. Ein Gesetz gegen Verschwendung sieht vor, dass Kassenbons bis zu einem Warenwert von 10 Euro (in den kommenden zwei Jahren auf 20 bzw. 30 Euro ansteigend) nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden ausgedruckt werden sollen. Weitere Punkte des Gesetzes sehen vor, dass nicht verkäufliche Textilien und auch Hygieneartikel ab 2023 nicht mehr vernichtet werden dürfen. Stattdessen sollen sie gespendet bzw. recycled werden. Die französische Regierung setzt so ein Zeichen für ressourcensparende Politik – ein Vorbild auch für Deutschland?

Für jeden Artikel ein Bon – das müsste auch in Deutschland eigentlich nicht sein. Bei elektronischen Registrierkassen kommt es letztlich darauf an, dass darin verbuchte Umsätze sich nachträglich nicht mehr löschen bzw. umdeklarieren lassen. Die ZEIT berichtet etwa, dass im Einzelhandel tatsächlich solche Kassenmodelle besonders beliebt sind, die sich nachträglich manipulieren lassen. Solche Kassen müssen jetzt laut Gesetz umgerüstet werden. Über die genauen technischen Anforderungen aber waren die Hersteller erst gegen Ende letzten Jahres informiert, so dass jetzt verständlicherweise nicht alle Kassensysteme den Anforderungen entsprechen. Grundsätzlich erlaubt auch das in Kraft getretene "Bonpflicht"-Gesetz digitale Kassenbons. Erste Vorreiter-Unternehmen zeigen sich mit der digitalen Lösung zufrieden. Ist also alles eine Frage der Organisation?

Was haltet ihr von der Bonpflicht? Ist das französische Modell eine gute Alternative für Deutschland oder sind digitale Kassenbons in Bäckereien das Zukunftsmodell? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

Autor:

Jens Steinmann aus Herne

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