Kunst
Frage der Woche: Kann man Künstler und Werk voneinander trennen?

Kann man Kunst vom Künstler trennen? Auch nach schweren Vorwürfen gegen Michael Jackson ist sein Stern im Hollywood Walk of Fame unangetastet.
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  • hochgeladen von Jens Steinmann

Richard Wagner: Großer Komponist seiner Zeit und fanatischer Antisemit zugleich. Das Werk ist in Deutschland bis heute hoch geschätzt, auch nach der Vereinnahmung durch die Nazis. Kann man Werk und Künstler so einfach voneinander trennen?

Im Fall Wagner scheint uns Deutschen das problemlos zu gelingen. In Bayreuth finden auch 140 Jahre nach Wagners Tod jährlich Festspiele zu Ehren seiner letzten zehn Opern statt. Und dass, obwohl er gerade wegen seines offenen Antisemitismus' im Nationalsozialistischen Deutschland zur Kultfigur gemacht wurde. Zählt also nach dem Tod nur noch die künstlerische Leistung?

Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Stephan Berg, Direktor des Kunstmuseums Bonn, wird in einem Welt-Artikel so zitiert:

«Wenn man sich aus der Kunst all die Menschen wegdenkt, die unmoralisch, sexistisch, menschenverachtend oder auch ganz einfach kriminell gehandelt haben, dabei aber großartige, bis heute berührende oder aufwühlende Werke hinterlassen haben, wäre die Welt zwar ein kleines bisschen besser, aber die Kunst ein ganzes Stück ärmer.»

Das ist ganz ohne Zweifel richtig. Große Kunst und große Tugend – das gehört nicht immer zusammen.

Beispiel: King of Pop

So hatte Michael Jackson schon zu Lebzeiten nur mit Mühe Strafverfahren gegen sich abwehren können. Als nach seinem Tod die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihn umso schwerer wogen, entstand dabei auch eine Debatte um den Umgang mit seinen Songs, obwohl nie ein Gericht Jackson für schuldig befunden hatte. "Billy Jean" und "Thriller" liefen nicht nur in den USA täglich in den Radios, sondern überall auf der Welt. Konnte man seine Songs jetzt noch einfach spielen? Dazu tanzen? Ein kanadisches Radiounternehmen reagierte mit einem umfassenden Boykott, keiner seiner Sender spielt mehr Jacksons Lieder. Damit zeige das Unternehmen Haltung und Respekt gegenüber den mutmaßlichen Opfern des Sängers. Andere Sender spielen Jackson-Songs bis heute mit der Haltung: Kunst und Künstler sind getrennt zu betrachten.

Was ist mit den Lebenden?

Ein weiterer Aspekt der zugrunde liegenden Frage: Was, wenn der Künstler noch lebt? In Zeiten von Streaming-Diensten wie Spotify kann jede einzelne Wiedergabe dem Künstler finanziell helfen, von verkauften Platten und Konzertkarten ganz zu schweigen. Im Zweifel unterstützen wir also mittelbar einen dubiosen Künstler mit unserem Geld und mit unserer Aufmerksamkeit. Und: Was, wenn es (wie im Fall Jackson) kein gerichtliches Urteil über Schuld oder Unschuld gibt? Der Oscarpreisträger und Hollywood-Schauspieler Kevin Spacey wurde innerhalb kurzer Zeit eine geächtete Person, nachdem mehrere ehemalige Arbeitskollegen schwere Vorwürfe gegen ihn glaubhaft machen konnten. Spaceys Agentur trennte sich mit sofortiger Wirkung, aus einer laufenden Filmproduktion entfernte man ihn sogar nachträglich komplett. Ein Strafverfahren gegen Spacey wurde im Sommer letzten Jahres eingestellt.

Frage der Woche: Kann man Kunst und Künstler trennen? Welche Fehltritte sind für euch akzeptabel, wo macht ihr einen Unterschied? Gibt es Kunstwerke, die für euch tabu sind, seit ihr die dunklen Seiten des Autors kennt?

Autor:

Jens Steinmann aus Herne

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