25 Jahre nach dem Mauerfall. Die Geschichten, die man beim Grenzübertritt in die ehemalige DDR sammeln konnte, glaub man Heute nicht mehr.

Mein Vater stammte aus Thüringen, Schmölln in der Nähe von Altenburg und Gera. Als Halbthüringer war ich mit meinen Eltern öfter zu Besuch bei den verbliebenen Verwandten

.
Im Jahre 1976 bin ich dann mit meinem gerade volljährigen Bruder zu Besuch gefahren. Als Brauer hat mein Vater uns reichlich gutes Bier und Werbeartikel seiner Brauerei, z.B. Kartenspiele mitgegeben. Der Grenzer am Grenzübergang Herleshausen hat uns den VW Käfer halb zerlegen lasse. Die Sitze mußten komplett raus. Alle Gepäckstücke mußten wir öffnen und die Kleidung einzeln zeigen.
Die verschweißten Kartenspiele öffnen und Karte für Karte zeigen, inkl. Rückseite. Ich war in der Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. Dies mußte ich bei Beantragung des Visums auch angeben. Prompt kam die Frage nach Ersatzteilen, die geeignet wären, das West PAL Farbfernsehen auf SECAM OST Fernsehern in Farbe zu sehen. Nach 4 Stunden durften wir weiterfahren.
Ich habe eine unsägliche Angst erlebt. Die Situation, die Grenzsicherungsanlagen, der Umgangston und das Gefühl des totalen Ausgeliefertseins haben mich jahrelang beschäftigt.

Mit dem Zwangsumtausch von täglich 20 Westmark in 20 Ostmark konnte man nichts kaufen .In der HO Gaststätte zum Essen gehen mit reichlich Getränken hat dann Ausgaben wie 4,63 Mark oder so verursacht.

Meine Kinder haben mir diese Berichte nicht geglaubt.

So haben wir Anfang des Jahrtausends eine Reise nach Mödlareuth unternommen. Von den amerikanischen GI's " Little Berlin " getauft.

Beim Mauerbau ist das 50 Seelen Dorf in der Mitte geteilt worden. Eben genau wie Berlin. Wer zu Besuch auf der falschen Seite war durfte nicht zurück.
Die im weiteren Zeitverlauf immer perfekter ausgebauten Sicherungsanlagen sind noch vorhanden und als Museum zu besichtigen. Wachtürme,Selbstschussanlagen, Laufanlagen für scharfe Hunde etc. wirken selbst unbemannt und ohne Funktion extrem bedrohlich.
Seitdem glauben mir unsere Kinder alle Berichte aus dem Bereich.

Den Besuch dieses Museums im

Grenzmuseum in Mödlareuth, 07926 Gfell

kann ich nur empfehlen. Unsere jüngere Geschichte ist sonst für junge Menschen nicht nachvollziehbar.

Laßt uns dafür sorgen, dass solcher Schrecken überall auf der Welt verschwindet.

Nicht zu vergessen die furchtbaren 1000 Jahre ( von 1933 bis 1945 ), die zu dieser Situation geführt haben.

Autor:

Thomas Militzer aus Wanne-Eickel

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