Bündnis demonstriert in Düsseldorf
Altschuldenlösung muss dieses Jahr kommen

Der Künstler Jacques Tilly unterstützte die Demonstration mit satirischen Wagen.
  • Der Künstler Jacques Tilly unterstützte die Demonstration mit satirischen Wagen.
  • Foto: Andreas Endermann, Stadt Herne
  • hochgeladen von Stephanie Klinkenbuß

Ein viel zu schwer beladener Esel hat die Parteien in Nordrhein-Westfalen (NRW) daran erinnert, dass die benachteiligten Kommunen im Land dringend eine gerechte Finanzverteilung brauchen. Das Aktionsbündnis Für die Würde unserer Städte besuchte die Zentralen von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen mit einem Wagen, den der Künstler Jacques Tilly gebaut hat.

Er zeigt einen Esel, der zwei große Säcke auf dem Rücken trägt und dadurch in die Knie gezwungen wird. Auf den Säcken steht Altschulden und Coronakosten. Sie symbolisieren die Lasten, unter denen die Städte und Kreise leiden. Die damit verbundene Forderung der Kommunen: NRW muss dieses Jahr die Altschuldenfrage lösen.

Es ist das letzte Bundesland, das keine solche Lösung gefunden hat - ohne diese wäre die Altschuldenlösung, die die Bundesregierung angeboten hat, wirkungslos. Mindestens sechs Millionen Menschen in NRW leben in einer finanzschwachen Kommune, das ist jeder Dritte. Es handelt sich um Städte, die strukturell benachteiligt sind, weil sie hohe Sozialausgaben haben und geringe Steuereinnahmen. Erschwerend hinzu komme, beschreibt die Stadt Herne in einer Pressemitteilung, dass Bund und Länder bei den Aufgaben, die sie den Kommunen zugewiesen haben, nicht für einen angemessenen finanziellen Ausgleich sorgen.

Deshalb mussten die Städte Kredite aufnehmen, um diese Aufgaben erfüllen zu können. Nun zahlen sie für Tilgung und Zinsen, statt vor Ort in Kitas, Schulen, Straßen oder Zukunftsthemen wie Klimaschutz und Digitalisierung zu investieren. Die Lage, in die die Kommunen unverschuldet geraten sind, verschlechtere sich aktuell drastisch und mache die Erfolge zunichte, die die Städte und Kreise in den vergangenen Jahren mit großen Anstrengungen erreicht hätten.

Ungerechte Finanzverteilung

Steigende Bau- und Energiekosten, Zinserhöhungen, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und des Ukrainekriegs - all das steigert die Lasten für die Kommunen, führt zu neuen Schulden und bedroht die Handlungsfähigkeit. Eine Altschuldenlösung würde die Kommunen von einer Last befreien und sie für die anstehenden schwierigen Zeiten krisenfester machen. Parallel dazu müssen Bund und Land dafür sorgen, dass die ungerechte Finanzverteilung beseitigt werde, damit die Kommunen nicht erneut in eine solche Situation geraten.

Wie eine Lösung aussehen kann, haben andere Bundesländer vorgemacht. Hessen, das Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen entwickelten Modelle für die Altschuldenfrage, Rheinland-Pfalz brachte gerade eine Lösung auf den Weg. In Berlin haben Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesfinanzminister Christian Lindner erklärt, dass der Bund seinen Teil zur Lösung beitragen wird. Das könne aber nur gelingen, wenn das bevölkerungsreichste Bundesland, in dem sich zahlreiche betroffene Kommunen befinden, eine Lösung entwickle und umsetze.

Das Aktionsbündnis Für die Würde unserer Städte bietet dabei seine Hilfe an. Die Vertreter der Kommunen stellten den Parteien umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung. Sie sammelten Daten zur Lage kleiner, mittlerer und großer Städte, die zeigen, wie groß der Investitionsstau ist und welche Folgen eine Zinserhöhung haben wird.

Darüber hinaus brachte das Aktionsbündnis aus anderen Bundesländern Erfahrungsberichte zur Wirkung der dortigen Altschuldenlösungen mit. Diese zeigen, dass die Modelle funktionieren und dass die nächste NRW-Landesregierung nicht bei Null anfangen muss, wenn sie eine Lösung entwickelt. Sie müsse nur dringend damit anfangen, appelliert die Stadt.

Satirische Wagen von Jacques Tilly

Im Aktionsbündnis Für die Würde unserer Städte haben sich 65 Kommunen aus sieben Bundesländern zusammengeschlossen, 36 davon aus NRW. Die Kommunen waren besonders vom Strukturwandel betroffen, deshalb haben sie geringe Einnahmen aus Steuern und hohe Ausgaben, insbesondere im Sozialbereich. Infolgedessen sind sie ausgesprochen benachteiligt durch die beschriebene Finanzverteilung und waren in besonderem Maße gezwungen, Schulden zu machen, um die ihnen auferlegten Aufgaben erfüllen zu können.

Den satirischen Wagen, mit dem die Kommunen in Berlin für Aufsehen gesorgt haben, hat der Künstler Jacques Tilly geschaffen. Tilly und sein Team bauen die Wagen für den Rosenmontagszug in Düsseldorf. Sie sind bekannt dafür, dass ihre Skulpturen die aktuelle politische Lage, Missstände und Mächtige mehr als eindeutig ins Bild setzen und scharf kritisieren. Die Fotos von den Wagen aus Düsseldorf werden jedes Jahr in den Medien weltweit gezeigt.

Mehr zu Jacques Tilly und seinem Team gibt es unter www.grossplastiken.de.

Autor:

Lokalkompass Herne aus Herne

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