"Der vollständige Sieg": Björn Höcke und Rechtsextremismus in der AfD

AfD-Rechtsaußen Björn Höcke: "Ich möchte, dass ihr euch im Dienst [am Vaterland] verzehrt! Ich möchte euch als neue Preußen!"
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  • Foto: Pressestelle AfD Thüringen (afd-thl.de/presse)
  • hochgeladen von Jens Steinmann

Wer wie ein Nazi redet, sollte sich ab und an die Frage stellen: Bin ich wirklich kein Nazi? Björn Höcke von der AfD Thüringen ist so jemand. Als er am 17. Januar in Dresden am Rednerpult steht, macht er schnell klar: Rechtsextremisten sind in der Partei willkommen.

"Merkel muss weg! Merkel muss weg!" Im Saal ist die Stimmung prächtig. Wenn Höcke Angela Merkel mit Erich Honecker gleichsetzt, er von seinem "lieben Volk" schwärmt und Politiker als "erbärmliche Apparatschiks" tituliert, hält es manchen im Publikum nicht mehr auf dem Stuhl. Die Leute wollen wütend sein, trotzig, ängstlich und stolz – und Höcke gönnt ihnen alles. Er fühlt vor: "Wir müssen wieder wir selbst werden" – der Saal fühlt ihm nach. Er poltert vom "vollständigen Sieg" der AfD – die Menschen poltern mit. Angst und Stolz sind die Hebel, die Höcke beim Sprechen besonders oft bedient. Das ist gut durchdacht und perfide.

Themenblock Angst

Glaubt man Björn Höcke, steht Deutschland vor dem Ende – schlimmer noch: "Unser liebes Volk ist [...] erstmals in seiner Existenz tatsächlich elementar bedroht." Die angeblichen Gründe dafür sind schon aus dem NPD-Programm bekannt: "Geburtenrückgang und Masseneinwanderung". Schuld daran habe natürlich das Establishment und die vielbespuckten "Altparteien":

"Diese Regierung ist keine Regierung mehr, sie ist zu einem Regime verkommen."
"Unsere einst geachtete Armee ist [...] zu einer durchgegenderten, multikulturalisierten Eingreiftruppe im Dienste der USA verkommen."
"Verbrauchte politische Alteliten" missbrauchen den Staat, "um ihn abzuschaffen."
Der soziale Friede sei "durch den Import fremder Völkerschaften gefährdet".

Höckes Worte machen Angst. Angst vor der Zukunft, vor Muslimen, vor Angela Merkel, vor der EU, vor Einwanderern, Intellektuellen, den USA, den Gewerkschaften und Kirchen, kurz: Angst vor der endgültigen Auslöschung. Das muss so sein, ohne Angst kann Höcke sein Produkt nicht verkaufen.

Themenblock Stolz

Höcke drängt seinen Zuhörern auf, was in der Politik niemand anders so billig verkauft wie rechtsextreme Nationalisten: Identität. Die Zugehörigkeit zu seinem "lieben Volk" dient ihm als Auszeichnung für sein Publikum. Entsprechend bewertet er die Aufarbeitung der deutschen NS-Vergangenheit:

→ "Diese dämliche Bewältigungspolitik lähmt uns heute noch [...]. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180°."
→ "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." (Gemeint ist das Holocaust-Mahnmal)
→"Ich möchte, dass ihr euch im Dienst [am Vaterland] verzehrt! Ich möchte euch als neue Preußen!"

Ohne sich wenigstens rhetorisch von der NPD abzugrenzen, präsentiert Björn Höcke die Essenz seiner Rede: "Die AfD ist die letzte friedliche Chance für unser Vaterland." Und da ist sie wieder, die Angst vor der Katastrophe. Was, wenn diese letzte Chance verstreicht? Redet Höcke hier einen Bürgerkrieg herbei? Wer wie ein Nazi redet, muss sich fragen lassen: Was unterscheidet dich von einem Nazi? Björn Höcke dürften langsam die Antworten ausgehen, und noch haben er und die Seinen viel vor:

"Ich weise euch einen langen und entbehrungsreichen Weg. [...] Aber es ist der einzige Weg, der zu einem vollständigen Sieg führt und dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der AfD."

Der "vollständige Sieg" also. Auf den "totalen" verzichtet Höcke. Noch.

Hier ist die Rede in voller Länge zu hören.

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