Gedenkstunde anlässlich der Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren
Die Erinnerung bleibt

Hanna Schmitz fand deutliche Worte: Das erstmalige Schänden des Mahnmals im Jahr 2014 sei der Gipfel der Respektlosigkeit gegenüber den Opfern des nationalsozialistischen Regimes gewesen. Foto: Frank Dieper/Stadt Herne
  • Hanna Schmitz fand deutliche Worte: Das erstmalige Schänden des Mahnmals im Jahr 2014 sei der Gipfel der Respektlosigkeit gegenüber den Opfern des nationalsozialistischen Regimes gewesen. Foto: Frank Dieper/Stadt Herne
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Zur Gedenkfeier für die Shoah-Opfer kamen am vergangenen Montag Bürger, Mitglieder der jüdischen Gemeinde und Vertreter der Politik in das Kulturzentrum.

Zu Beginn der Gedenkfeier spielte die Band der Gesamtschule Wanne-Eickel die Titelmusik des Films „Schindlers Liste“. Oberbürgermeister Frank Dudda unterstrich, wie wichtig es sei, die nationalsozialistischen Verbrechen aufzuarbeiten und das Gedenken an die Opfer aufrecht zu erhalten: "Wir müssen aktiver denn je daran arbeiten, dass fundamentale menschliche Werte nicht mit Füßen getreten werden. In dieser Stadt ist kein Platz für Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Antisemitismus."
Schüler der Gymnasien Wanne und Eickel und der Gesamtschule Wanne-Eickel erinnerten mit ihrer Präsentation unter dem Titel „Ein Ort namens Auschwitz“ an die unvorstellbaren Gräuel im Vernichtungslager. An der Gedenkfeier nahmen neben vielen Schülern Stephan Holthoff-Pförtner, der Landesminister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales und der Regierungspräsident von Arnsberg, Hans-Josef Vogel, teil. Holthoff-Pförtner rief die Anwesenden dazu auf, in Erinnerung zu behalten, „dass wir eine wehrhafte Demokratie bleiben müssen um die Rechte unserer Nächsten schützen zu können.“ Regierungspräsident Vogel würdigte das Engagement der Schüler. „Dadurch, dass heute die Namen der Holocaust-Opfer genannt wurden, sind die Nazis mit ihrem Vorhaben, nicht nur die Menschen, sondern auch ihre Namen und somit die Erinnerung an sie auszulöschen, gescheitert.“
Nach der Gedenkfeier im Kulturzentrum begaben sich die Teilnehmer zum Shoah-Mahnmal auf dem Willi-Pohlmann-Platz. Es war am Montag zum ersten Mal wieder ohne seine Schutzhülle für die Öffentlichkeit zu sehen. Hier beteten die Vertreter der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften mit den Anwesenden: Aaron Naor, der Vorbeter der jüdischen Gemeinde Bochum/Herne/Hattingen, Superintendent Rainer Rimkus und Norbert-Johannes Walter, Dechant des Dekanats Emschertal. Holthoff-Pförtner und Vogel hielten kurze Reden. Der Leiter der Musikschule, Christian Ribbe, begleitete die Wiedereröffnung des Mahnmals auf der Posaune.
Hanna Schmitz sprach außerdem am Mahnmal. Sie wurde 1942 in Amsterdam geboren. Ihre Eltern waren Fritz und Gerda Günzburger, die 1933 vor dem NS-Regime in die Niederlande geflohen waren. 1942 begann auch dort die Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Lager des Ostens. Aus Angst davor entschlossen sich Fritz und Gerda Günzburger, in den Untergrund zu gehen. Permanent drohten Entdeckung und Deportation. So wurde Hanneke Schmitz von ihren Eltern mit falschen Personenangaben in einem Kinderheim versteckt. Die Familie überlebte und kam 1946 zurück nach Herne. Schmitz erinnerte daran, dass das Denkmal vor zehn eröffnet und bereits 2014 erstmals beschädigt wurde: "Für uns waren diese Übergriffe der Gipfel der Respektlosigkeit. Die Opfer des radikalsten Völkermords der Menschheitsgeschichte wurden so ein zweites Mal symbolisch ausgelöscht."
Am Ende der Gedenkfeier bat Oberbürgermeister Frank Dudda alle Teilnehmer um eine Schweigeminute, nach der viele Anwesende sich das Mahnmal samt der Erweiterung ansahen und die Okulare mit den Namen der Opfer betrachteten.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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