Innerhalb von zehn Jahren schloss jeder sechste Gastronomiebetrieb
Die Kneipe stirbt

Das letzte Bier: Immer mehr Kneipen, Restaurants und Gaststätten sind von der Schließung bedroht. Die Gewerkschaft NGG warnt vor dem Verlust von einem Stück Alltagskultur.Foto: NGG
  • Das letzte Bier: Immer mehr Kneipen, Restaurants und Gaststätten sind von der Schließung bedroht. Die Gewerkschaft NGG warnt vor dem Verlust von einem Stück Alltagskultur.Foto: NGG
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Innerhalb von zehn Jahren hat Herne jede sechste Eisdiele, Gaststätte oder Kneipe verloren. 40 Betriebe schlossen im Zeitraum von 2007 bis 2017.
Zuletzt zählte die Stadt 194 gastronomische Betriebe, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Sie beruft sich hierbei auf Zahlen des Statistischen Landesamts – und warnt vor einem weiteren Kneipensterben. „Vom Fußball-Abend in der Bar bis zum Grünkohl-Essen mit dem Sportverein – die Gastronomie steht für ein Stück Lebensqualität“, sagt Gewerkschaftssekretär Adnan Kandemir. Mit den Betriebsschließungen stehe nicht nur ein wichtiger Teil der Alltagskultur auf dem Spiel. Es seien auch etliche Arbeitsplätze in der Region in Gefahr.
Kandemir macht für den Trend unter anderem die harten Arbeitsbedingungen in der Branche verantwortlich. „Nachts und am Wochenende hinterm Tresen zu stehen, das wollen viele nicht mehr. Deshalb hat die Branche schon heute mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen“, so der Gewerkschafter. Ein entscheidendes Mittel gegen den negativen Trend sei deshalb, die Branche bei Löhnen und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Mit einem Tarifvertrag, der landesweit für alle Restaurants und Gaststätten gilt, habe man hier einen wichtigen Schritt gemacht. Allerdings müssten sich noch viel mehr Gastronomen daran halten.
Aber auch den Wirten selbst fehle oft ein Nachfolger, um den Betrieb weiterzuführen, so Kandemir. „Außerdem müssen sich die Gastronomen gegen Pleiten absichern. Dazu gehört das nötige betriebswirtschaftliche Wissen. Genauso aber originelle Ideen, wie man eine Gaststätte zum Treffpunkt für junge Leute macht.“ Die Gewerkschaft sieht dabei auch die Verbraucher in der Verantwortung. „Statt das Feierabendbier zuhause zu trinken, kann man einfach mal wieder in die Kneipe gehen. Das macht Spaß und ist geselliger“, so Kandemir weiter.
In ganz Nordrhein-Westfalen ging die Zahl der Gastronomiebetriebe nach Angaben des Statistischen Landesamtes seit 2007 um gut elf Prozent zurück. Von damals rund 28000 Restaurants, Kneipen und Gaststätten waren im vorletzten Jahr nur noch weniger als 25000 geöffnet.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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