Gebäudereiniger wehren sich gegen Griff ins Portemonnaie
Dreckige Angelegenheit

Reinigungskräfte müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Wer nur einen Teilzeitjob hat, soll künftig keinen Zuschlag bei Überstunden bekommen. Foto: IG BAU
  • Reinigungskräfte müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Wer nur einen Teilzeitjob hat, soll künftig keinen Zuschlag bei Überstunden bekommen. Foto: IG BAU
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Von der Arbeitszeit bis zu den Urlaubstagen ist alles geregelt. Bislang jedenfalls. Jetzt aber werden die Arbeitsbedingungen für mehr als 900 Reinigungskräfte in Herne unsicher. Die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt.

Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt kritisiert diese Entscheidung scharf: „Die Reinigungskräfte hängen damit völlig in der Luft. 33 Firmen in Herne können ihnen quasi freihändig Urlaubstage streichen und zusätzliche Arbeitszeiten aufs Auge drücken“, sagt Gabriele Henter, Vorsitzende im Bezirk Bochum/Dortmund. Die Kündigung des Manteltarifvertrages sei „eine Provokation und ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung arbeiten“.
Die Gewerkschaft nennt die Hintergründe: „Die Arbeitgeber wollen bei den Überstunden Geld sparen, insbesondere bei Teilzeitkräften. Dahinter stecke purer Geiz, so Henter. Denn der bisherige Rahmentarifvertrag sehe bei Mehrarbeit für Vollzeit-Beschäftigte einen Zuschlag von 25 Prozent des Stundenlohns vor. Nachdem das Bundesarbeitsgericht nun entschieden habe, dass auch Teilzeit-Beschäftigte Anspruch auf diesen Zuschlag haben, sei die Absicht der Arbeitgeber klar: „Sie wollen bei den Zuschlägen knapsen. Genau genommen ist das der Griff ins Portemonnaie von Teilzeitkräften. Es trifft also die Menschen, die ohnehin schon wenig haben und extrem hart für ihr Geld arbeiten müssen“, so Henter.
Überstunden seien in der Gebäudereinigung an der Tagesordnung – und Teilzeitjobs gang und gäbe: In Herne arbeiten 800 Gebäudereiniger und Fensterputzer in Teilzeit, 360 davon lediglich mit einem Minijob.
Zwischen Gewerkschaft und Bundesinnungsverband rumort es seit langem. „Die Arbeitgeber weigern sich seit Monaten beharrlich, über bessere Arbeitsbedingungen in der Branche zu verhandeln. Und das sogar bei steigenden Jahresumsätzen von bundesweit zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro“, so Henter. Die Gewerkschaft pocht schon lange darauf, konstruktive Gespräche zu führen: „Die Beschäftigten verlangen mehr Anerkennung für ihre harte Arbeit. Dazu gehört auch, dass Fachkräfte richtig bezahlt, Berufserfahrung honoriert und die Aufstiegschancen verbessert werden – genauso wie die generelle Einführung von Weihnachtsgeld."
Außerdem müssten die belohnt werden, die der Gebäudereinigung über Jahre hinweg die Treue halten. Wer sich durch langjährige Arbeit in der Branche einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen erworben habe, der soll ihn auch dann behalten, wenn der Arbeitgeber einmal wechsele. Nur so lasse sich die hohe Fluktuation durch das Abwandern von Fachkräften stoppen. Henter: „Die Unternehmer riskieren viel. Sie sägen am eigenen Ast, indem sie faire Rahmenbedingungen für die Arbeit und damit das Vertrauen und den Teamgeist aufs Spiel setzen“, so die IG BAU-Bezirksvorsitzende.
Die Friedenspflicht zwischen Gewerkschaft und Innungsverband endete am 31. Juli. „Bis dahin wird die Wut der Beschäftigten weiter wachsen. Sie werden ihrem Ärger bei betrieblichen und öffentlichen Aktionen in den nächsten Wochen Luft machen – auch in Herne“, kündigt Henter an.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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