In Nordrhein-Westfalen stehen Autofahrer am häufigsten im Stau
Einsame Spitze

Auch im vergangenem Jahr ärgerten sich Autofahrer über die vielen Staus auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen. Stark frequentiert ist die Autobahn 43 am Autobahnkreuz Herne. Foto: Archiv Wochenblatt
  • Auch im vergangenem Jahr ärgerten sich Autofahrer über die vielen Staus auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen. Stark frequentiert ist die Autobahn 43 am Autobahnkreuz Herne. Foto: Archiv Wochenblatt
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Nordrhein-Westfalen steht im Stau. Diese Erkenntnis bestätigt eine Bilanz des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC). Jeder dritte Kilometer Stau wurde auf Autobahnen in unserem Bundesland gezählt.

Laut ADAC-Verkehrsdatenbank kam es auf den mehr als 2200 Autobahnkilometern in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr zu fast 264000 Staus. Etwa 154000 Stunden steckten Autofahrer auf den Straßen fest. Zusammengerechnet ergaben alle Staus in NRW eine Länge von knapp 486000 Kilometern – ein Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders belastet waren auch im vergangenen Jahr wieder die Autobahnen 1, 3, 40 und 46. Der Abschnitt mit den meisten Staus war die A1 zwischen Köln und Dortmund. Bei einer Gesamtlänge von 36131 Kilometern steckten die Autofahrer dort 11734 Stunden im Stau fest. Werden die gemeldeten Staukilometer ins Verhältnis zur jeweiligen Autobahnlänge gesetzt, lag der Abschnitt zwischen Essen und Dortmund auf der A40 mit umgerechnet 841 Kilometern Stau pro Kilometer bundesweit vorne.
Insgesamt stieg die Zahl der Stau-Ereignisse auf deutschen Autobahnen auf rund 745000. Die gemeldeten Längen summierten sich auf etwa 1,53 Millionen Kilometer. Im Vergleich zu 2017 nahmen die erfassten Staus damit um rund drei, die Staukilometer um fünf Prozent zu. Die registrierte Zeit belief sich auf rund 459000 Stunden und lag somit nahezu auf Vorjahresniveau (plus 0,4 Prozent). Neben Nordrhein-Westfalen (35 Prozent) hatten wie im vergangenen Jahr Bayern (17 Prozent) und Baden-Württemberg (11 Prozent) die meisten Staumeldungen zu verzeichnen. Ursache für die Zunahme an Staus sind vor allem die zahlreichen Baustellen und Engpässe. Viele Autobahnstrecken und -brücken werden saniert oder erneuert.
Staureichster Monat war bundesweit der Juni (186534 Staus), in NRW war es der November (56652 Staus). Als Wochentag mit den meistens Staus bundesweit löste der Mittwoch (5920 Kilometer im Schnitt) den Donnerstag ab (5773 Kilometer). Die wenigsten Staus gab es sonntags (1441 Kilometer). Im Tagesverlauf traten vor allem zwischen 7 und 9 Uhr morgens sowie zwischen 15 und 18 Uhr nachmittags die meisten Staus auf. Nach wie vor besteht großer Handlungsbedarf, die zahlreichen Engpässe im Autobahnnetz zu beseitigen.
Für Baumaßnahmen auf den Autobahnen und Bundesstraßen in Nordrhein-Westfalen stellt der Bund bis 2030 insgesamt 20 Milliarden Euro zur Verfügung. „Fehlendes Geld ist nicht mehr das Problem. Der Knackpunkt liegt vielmehr in der Umsetzung. Das Geld muss schneller auf die Straße gebracht werden, aber es fehlen Planer. Die Landesregierung muss deshalb dringend dem Fachkräftemangel entgegenwirken“, erklärt Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC.
Potenzial zur Stauvermeidung bietet auch die Bauzeit, die durch konsequentere Ausnutzung der Tageshelligkeit, regelmäßige Samstags- sowie Sonntags- und Nachtarbeit spürbar verkürzt werden kann. „An zu vielen Baustellen ruht die Arbeit zu lange. Wir fordern deshalb mehr unabhängige und unangekündigte Kontrollen“, betont Suthold. Der Verkehrsexperte weiß: um die Verkehrsinfrastruktur in NRW fit für die Zukunft zu machen, seien Baustellen unvermeidbar. Es gehe darum, die negativen Auswirkungen für Autofahrer zu minimieren. Dazu sollte laut ADAC auch die Zahl der Fahrstreifen im Baustellenbereich aufrechterhalten werden.
Der ADAC nutzt zur Stauermittlung mehrere Quellen, zum Beispiel die Landesmeldestellen der Polizei, eigene Staumelder und Fahrzeugflotten mit ihren Geschwindigkeitsdaten. Eine wichtige Bedeutung haben hier die Fuhrparks von großen Speditionen. Insgesamt liefern circa 260000 Lastwagen ständig anonymisiert und automatisiert ihre Positions- und Geschwindigkeitsinformationen von deutschen Straßen. Weitere Daten senden Online-Navigationsgeräte und Smartphone-Apps mit der Funktion „Staudaten übertragen“. Diese Daten werden zur Berechnung von Stau-Ereignissen verwendet sowie zur Anzeige des Verkehrsflusses. Jeder Stau wird nur einmal gezählt. Die längste Ausdehnung, die das Ereignis im Verlauf aufweist, fließt in die ADAC-Statistik ein.
Die Abschnitte rund um das Autobahnkreuz Herne gehörten, das zeigt die Statistik, zu den stark frequentierten Abschnitten. Daran wird sich in diesem Jahr kaum etwas ändern. Der Ausbau der Autobahn 43 auf sechs Fahrbahnen wird vorangetrieben. Aufgrund der Baustelle ist hier vor allem im Berufsverkehr weiterhin mit Staus zu rechnen.
"Das Geld muss schneller auf die Straße gebracht werden, aber es fehlen Planer."

Roman Suthold

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