Tönnies
Frage der Woche: Was läuft falsch in der Fleischindustrie?

Tönnies und andere Fleischproduzenten stehen in der Kritik: Was muss sich ändern?
  • Tönnies und andere Fleischproduzenten stehen in der Kritik: Was muss sich ändern?
  • hochgeladen von Jens Steinmann

Im ostwestfälischen Rheda-Wiedebrück bei Gütersloh haben sich mehr als 650 Mitarbeiter eines Tönnies-Schlachthofes mit Covid-19 infiziert. Bis auf Weiteres sind Schulen und Kitas geschlossen. Der Fall wirft drängende Fragen zu Tierhaltung und Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie auf. Was muss sich ändern?

Schweinezucht ist für Unternehmer kein einfaches Geschäft. Ein Team vom WDR kommt in einer Recherche zu dem Schluss, dass pro Schwein bis zum Verkauf 167 Euro investiert werden müssen. Um nur die Kosten zu decken, müsste das Unternehmen pro Kilo etwa 1,70 Euro bekommen. Schon das wird im Großhandel mitunter nicht gezahlt. So sparen auch Marktriesen wie Tönnies bei Qualitätsstandards, nicht "nur" bei Tieren, sondern auch bei den eigenen Mitarbeitern.

Effizienz sticht Tierwohl

Das Tierwohl, hier ist die Sachlage bei Großbetrieben durchweg eindeutig, hat keine Priorität im Betrieb. Wo wie in Rheda-Wiedebrück täglich 30.000 Schweine getötet werden, kann von einer schonenden, einigermaßen einfühlsamen Tötung keine Rede mehr sein; hier wird industriell unter Hochdruck geschlachtet. Dass Tiere zum Teil weiterverarbeitet werden, während sie noch lebendig sind, sei hier nur als ein Aspekt dieser hocheffizienten Massenabfertigung genannt. Doch Tierschutz bedeutet Kosten. Genau wie Arbeitsschutz.

Illegale Ausbeutungspraktiken 

Der Großteil der rund 7000 Menschen, die jetzt in Rheda-Wiedebrück unter Quarantäne stehen, stammen aus Osteuropa. Als Werksmitarbeiter verdienen die Arbeiter ina der Fleischindustrie häufig das gesetzlich vorgeschriebene Minimum, die Arbeitsbedingungen sind für sie in der Regel mindestens hart; viele ernst zu nehmende Berichte bezeichnen die Beschäftigungsverhältnisse aber als "moderne Sklaverei" (nachzulesen zum Beispiel hier), bei der auch illegale Praktiken die Regel seien. Arbeiten ohne Pause, Nichteinhaltung von Arbeitsverträgen, illegale Kündigungen, Dumpinglöhne, unwürdige Unterbringung – seit Jahren ist bekannt, dass die deutsche Fleischindustrie Jobs anbietet, die die einheimische Bevölkerung nicht will. 

Bundesregierung reagiert

Im letzten Monat reagierte die Bundesregierung und brachte neue Regelungen für große Unternehmen auf den Weg. Demnach sollen ab 2021 keine Werksverträge in Großbetrieben mehr vergeben werden. Schlachten und verarbeiten sollen fortan keine Leiharbeiter mehr, sondern eigene Beschäftigte. Zudem soll der Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz auf 30.000 Euro erhöht werden. 

In Zeiten der Pandemie wirken sich die Arbeitsbedingungen beim Tönnies-Werk bei Gütersloh auch auf die benachbarten Kreise aus. In einem Video, das wahrscheinlich aus dem Beginn der Corona-Zeit stammt, sind solche Szenen zu sehen: Menschen  sitzen in der Kantine dicht gedrängt beieinander. Sie tragen keine Schutzmasken, Abstände werden nicht eingehalten. "Wir können uns nur entschuldigen", heißt es dazu vom Konzern.

Frage der Woche: Was muss sich bei den großen Fleischproduzenten ändern? Was kann die Politik, was können Kontrollbehörden erreichen? Welche Rolle spielen wir als Verbraucher? 

Autor:

Jens Steinmann aus Herne

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