Gewerkschaft warnt vor Altersarmut

Immer weniger Geld in der Hand: Arbeitgeber dürfen keine prekären Jobs schaffen, fordert Yvonne Sachtje.

Immer mehr Rentner in Herne sind auf staatliche Unterstützung angewiesen: 2362 Menschen erhielten im vergangenen Jahr Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Das sind 80 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Diese Entwicklung geht aus neuen Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt (NGG). Der Regionalverband Ruhrgebiet warnt vor einer weiteren Zunahme der Altersarmut und fordert eine Stärkung des gesetzlichen Rentenniveaus. Zudem dürften tarifliche und betriebliche Zusatzrenten nicht länger auf die Grundsicherung angerechnet werden.

„Innerhalb von zehn Jahren sind in Herne rund 1100 Menschen hinzugekommen, die ihre Rente beim Staat aufbessern müssen“, sagt NGG-Geschäftsführerin Yvonne Sachtje. Es sei ein "sozialpolitisches Armutszeugnis", wenn selbst immer mehr Menschen, die ein Leben lang gearbeitet hätten, der Gang zum Sozialamt nicht erspart bleibe. "Wir brauchen daher dringend Korrekturen bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Ohne ein höheres Rentenniveau werden gerade die jungen Beschäftigten später in Altersarmut geschickt", warnt Sachtje. Für sie laufe die Rente derzeit auf 43 Prozente ihres Einkommens hinaus, aber alles unter 50 Prozent sei "extrem ungerecht", so die Gewerkschafterin.

Gleichzeitig müsse auch die betriebliche Vorsorge ausgebaut werden. Das sei gemeinsame Aufgabe von Gewerkschaften und Arbeitgebern. "So hat die NGG in Nordrhein-Westfalen für alle Branchen Zusatzrenten vereinbart", sagt Sachtje. Zum Beispiel in der Ernährungsindustrie. Dort zahle der Arbeitgeber im Schnitt 500 bis 600 Euro pro Jahr in die tarifliche Altersvorsorge ein.

"Aber das Ersparte landet nur dann im Portemonnaie der Menschen, wenn die Zusatzrente nicht länger auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wird", betont die Gewerkschafterin. Bislang werde Beschäftigten, die eine Tarifrente und Anspruch auf Grundsicherung haben, ein Großteil der Zusatzrente wieder abgezogen. Das sei ein Missstand, den der Gesetzgeber unbedingt beheben müsse. Hinzu komme: "Zu den wichtigsten Mitteln gegen Altersarmut gehören vor allem faire Löhne. Hier sind die Arbeitgeber in Herne gefordert. Sie sollen sich an Tarifverträge halten, statt Löhne durch prekäre Jobs zu drücken", so Sachtje. Zudem müsse der gesetzliche Mindestlohn kräftig angehoben werden. Erst dann könne man Altersarmut auch im Niedriglohnbereich verhindern.

Quelle: NGG Ruhrgebiet

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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