Circus Schnick-Schnack seit 20 Jahren ohne gesicherten Standort
Kultur-Initiative vermisst Unterstützung der Stadt

Der Circus Schnick-Schnack fühlt sich von der Stadt bei seinen Standortbemühungen allein gelassen.  Foto: Circus Schnick-Schnack
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Seit zwei Jahrzehnten kämpft der Circus Schnick-Schnack erfolglos um einen gesicherten Standort. Aus Sicht der Privatinitiative ist die Freie Kulturszene und auch das Bürgerschaftliche Engagement für Kommunen, in denen diese gesellschaftlichen Standbeine gefördert werden, ein ganz wesentlicher Standortvorteil. Deshalb finden es die Initiatoren umso erstaunlicher, dass in einer struktur- und finanzschwachen Stadt wie Herne entsprechende Initiativen nicht oder nur sehr unzureichend unterstützt werden.

„Wir machen seit rund 20 Jahren die gleichen Erfahrungen wie das Kulturell-Alternative Zentrum Herne (KAZ)“, so Circus-Direktor Rainer Deutsch. „In öffentlichen Verlautbarungen werden wir immer über den Klee gelobt, aber sobald es konkret werden soll, lässt uns die Stadt im Stich“.

Der Circus Schnick-Schnack, der sich 1996 aus einer Privatinitiative gegründet hat, gestaltet neben seinen eigenen Zeltwochen für rund 100 Kinder in Zusammenarbeit mit zahlreichen Schulen und Freien Trägern jährlich für rund 750 Kinder aus Herne weitere zirkuspädagogische Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung – auch und ganz besonders als Ergänzung zum klassischen Schulunterricht, so Rainer Deutsch. „Es ist ja nicht nur so, dass wir diese Angebote hochprofessionell und pädagogisch wertvoll gestalten, sondern das wir auch die dafür erforderlichen Mittel - alleine seit 2013 etwa 1,5 Millionen Euro- nach Herne holen und Herner Kinder und Familien davon profitieren,“ so Deutsch weiter.

Neue Mittel im Umfang von weiteren 1,5 Millionen Euro können bis mindestens 2027 fließen.

Der Stadt ist schon seit dem Jahr 2001 bekannt, dass der Circus einen gesicherten Standort für seine Zeltstadt und die weitere Entwicklung seiner Angebote benötigt – zum Erfolg hat das noch nicht geführt. „Wir waren immer wieder die 'Förder-Speerspitze' bei großen Projekten wie dem Sport- und Kulturzentrum Unser Fritz (2003-2006) oder der Emscherinsel (2008-2016) – aber letztlich sind diese und noch einige andere Ideen dann doch immer wieder gescheitert.“

Seit 2006 ist der Circus auf dem Gelände des Internationalen Bundes an der Roonstraße mit einer halbjährigen Kündigungsfrist beheimatet und seit Februar diesen Jahres ist bekannt geworden, dass das Gelände veräußert werden soll.

Davon wurde die Stadt in Kenntnis gesetzt.

„In der vorletzten Woche ist uns zum 31.12.2022 offiziell vom Internationalen Bund gekündigt worden, erläutert Rainer Deutsch die brisante Lage weiter. „Auch davon hat die Stadt Kenntnis.“ Da diese Entwicklung ein Stück weit erwartet wurde, hat sich der Verein vorbereitet. Der Circus hat ein attraktives Konzept für eine „Kulturinsel“ am aktuellen Standort entwickelt, mit dem nicht nur ihm, sondern auch vielen anderen Kultur-Initiativen aus Herne eine Heimat geboten werden soll.

Diese Idee hat auch bei möglichen Unterstützern großen Anklang gefunden. Auch dieses Konzept und die Idee, das Gelände eventuell selber zu erwerben, ist der Stadt bekannt.

„Eine echte Dynamik -die auch angesichts der zeitlichen Dringlichkeit geboten ist- erkennen wir aber nicht,“ zeigt sich Deutsch ernüchtert. „Hier geht es ja nicht darum, dass die Stadt selber dieses Gelände für uns erwerben soll, sondern unsere Erwartung ist, dass die Stadt als Unterstützer bei den Gesprächen mit dem Grundstückseigentümer vermittelnd auftritt und uns zur Seite steht. Aus städtebaulicher Sicht und zur Quartiersentwicklung wäre dieser Standort ideal – und daran sollte auch die Stadt ein Interesse haben."

Dem Circus wurden aus verschiedenen Fördertöpfen Förderzusagen zur Modernisierung der Zeltstadt zugesagt – allein wegen der Standortunsicherheit können diese Mittel nicht abgerufen werden. „Das ist schon verrückt,“ so das Fazit von Rainer Deutsch. „Wir sind auch wegen der Unterstützung unserer Partner und unserer Circus-Familie einigermaßen glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen, stehen wirtschaftlich stabil da und haben die Aussicht, den Circus durch eine grundlegende Modernisierung der Zeltstadt und einem neuen Leitungsteam in die Zukunft zu führen – und dennoch könnte alles an der ungelösten Standortfrage scheitern."

Das Circus-Team hat den Eindruck, dass alle Gespräche der letzten 20 Jahre nicht weitergeführt haben und dass es jetzt darum gehe, diese Strategie zu verändern "und mit frischen Ideen, sehr kreativ und öffentlichkeitswirksam für einen Standort zu kämpfen – gerne mit anderen Initiativen und Unterstützern zusammen", so Deutsch.

Autor:

Stephanie Klinkenbuß aus Recklinghausen

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