"Reise" ohne Wiederkehr

Ohne Worte
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Fröhlich winkt mein Kind mir aus dem Bus heraus, als er zusammen mit anderen Schülern seines Jahrgangs die Stufenfahrt nach Auschwitz antritt. Die Kinder sind ausgelassen und erfreuen sich an der modernen Musik, die aus dem Lautsprecher des Busses erklingt.
Nachdenklich trete ich den Heimweg an und frage mich, ob die Jungs und Mädels auch so fröhlich zurück kommen werden, oder ob das, was die Jugendlichen in den ehemaligen Konzentrationslagern erfahren, einige Schüler in Zukunft in ihrem Denken und Handeln beeinflusst.
Auch ich durfte im Alter von 15 Jahren diese Orte besuchen und muss gestehen, dass ich damals noch nicht reif genug war, um die Ernsthaftigkeit hinter diesem Thema vollständig zu erfassen.
Um mir meine eigene Reise noch einmal ins Bewusstsein zu rufen, habe ich meinem Kind die gute Spiegelreflexkamera, die ich sonst wie einen Schatz hüte und pflege, mitgegeben. Ich glaube, hier hat mein Kind begriffen, dass es sich um eine wichtige Reise, auch für seine Mutter, handeln muss.
Zugegeben, das Thema Judenverfolgung und Deportation wird in der Schule besprochen, zumindest in der Schule meines Kindes. Allerdings ist es ein großer Unterschied zur Theorie, die Orte der Grausamkeit tatsächlich zu besuchen.
Die Tage vergehen, in denen sich mein Kind nur sporadisch meldet.
Am Tag der Rückankunft bin ich pünktlich am Bus und nehme meinen Spross freudig in Empfang.
Viele neue Eindrücke habe er bekommen, unvorstellbare, grausame Dinge habe er erfahren, die man in Bildern nur schwer festhalten könne. Trotzdem hat er fotografiert, sich das unvorstellbare angehört und sich die dazugehörigen Orte angesehen.
Trotz allem könne er sich nur schwer vorstellen, dass Menschen, gerade die Deutschen, derartige Grausamkeiten begangen haben.
Gerade hier im Ruhrpott, in dem Menschen aus so vielen Nationen friedlich zusammen leben, wäre es für ihn unvorstellbar, dass es einem Menschen gelinge, seinen Hass auf eine ganze Nation zu übertragen, um "Minderheiten auszurotten".
"Deshalb, mein Kind", sage ich ihm, "deshalb ist es gut, dass dieses Thema niemals in Vergessenheit gerät. Es muss und als Warnung in Erinnerung bleiben."

Fazit

Zumindest mein Kind, dem eine andere Hautfarbe, eine andere Religion überhaupt nicht auffällt, der mit jedem Menschen zurecht kommt, der aus jeder Kultur das Positive für sich mitnimmt, hat begriffen, dass man im Leben diejenigen Willkommen heißen muss, denen Hunger, Krieg, Verfolgung und Armut droht, denn diese Menschen benötigen Hilfe, um ein neues Leben in Ruhe und Frieden beginnen zu können. Danke, dass dies für mein Kind selbstverständlich ist.
Siehe Fotostrecke...

Autor:

Nadine Kolp aus Herne

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