34 Prozent weniger Gäste in Herne im ersten Halbjahr
Tourismus bricht ein

Flaute in der Gaststätte: Corona hat zu einem Einbruch in der Beherbergungs- und Gastrobranche geführt. Foto: NGG

Corona sorgt für Tourismus-Einbruch: Im ersten Halbjahr haben rund 14000 Gäste Herne besucht – das sind 34 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Übernachtungen sank um 24 Prozent auf etwa 28200.

Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Sie beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. Die Corona-Pandemie hat zu einer beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe geführt. Erst mussten Hotels, Pensionen, Kneipen und Restaurants über viele Wochen ganz schließen. "Und nach dem Lockdown läuft der Betrieb unter Auflagen nur langsam wieder an“, sagt Gewerkschaftssekretär Adnan Kandemir.
Unter der Situation litten aber nicht nur die Unternehmen. „Die Folgen sind auch für Köche, Kellner und Hotelangestellte dramatisch. Als Kurzarbeiter mussten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen – in einer Branche, die ohnehin nur geringe Löhne zahlt“, betont Kandemir. Nach dieser Durststrecke blickten viele Beschäftigte nun mit Sorge auf die Herbst- und Wintersaison. Nach Angaben der Arbeitsagentur beschäftigt das Hotel- und Gaststättengewerbe in Herne rund 1500 Menschen.
Allerdings habe die Kurzarbeit bislang einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern können. Dank staatlicher Hilfen sei eine Pleitewelle im Gastgewerbe ausgeblieben. Die Gewerkschaften haben sich in Berlin seit Beginn der Pandemie für das Kurzarbeitergeld stark gemacht und auch durchgesetzt, dass es bis Ende nächsten Jahres verlängert wird. Entscheidend sei zudem, dass die Leistung nach sieben Monaten auf 80 Prozent des Nettoverdienstes (für Eltern 87 Prozent) ansteige.
Die Gewerkschaft appelliert nun an die Unternehmen, die Kurzarbeit für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu nutzen. Wer wegen Corona nicht arbeiten kann, sollte die Möglichkeit einer beruflichen Weiterbildung bekommen. Das ist ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel, der in Hotels und Restaurants unabhängig von der Pandemie eklatant ist. Und Beschäftigte können einen Schritt auf der Karriereleiter machen – etwa von der Küchenhilfe zur Köchin, vom Restaurantfachmann zum Hotelfachmann. Zudem müssten Beschäftigte auch im Gastgewerbe für die Digitalisierung fit gemacht werden. Hier berge die Krise eine große Chance.
Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts waren im August bundesweit 377000 Beschäftigte des Hotel- und Gaststättengewerbes in Kurzarbeit – das ist gut jeder dritte Arbeitnehmer. Dabei sind die vielen Mini-Jobber der Branche nicht mitgerechnet. In der gesamten Wirtschaft lag der Anteil der Kurzarbeiter zuletzt bei 14 Prozent. Zwischen Anfang März und Ende April wurde laut Arbeitsagentur für neun von zehn sozialversicherungspflichtige Beschäftige im Gastgewerbe Kurzarbeit beantragt.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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