Konzept für Hochbunker setzt auf ökologisch nachhaltige Form des Wohnens
Unter einem Dach

Auf neun Ebenen sollen in dem Hochbunker unter anderem Wohnungen, Gemeinschaftsräume ein Restaurant und ein Gewächshaus entstehen.Foto: Stephan Kuhn
  • Auf neun Ebenen sollen in dem Hochbunker unter anderem Wohnungen, Gemeinschaftsräume ein Restaurant und ein Gewächshaus entstehen.Foto: Stephan Kuhn
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Der Projektentwickler Archy Nova aus Baden-Württemberg möchte den Hochbunker in Sodingen umbauen. Hier soll ein Komplex mit Wohnungen, Gemeinschaftseinrichtungen, Restaurant und einem Gewächshaus auf dem Dach entstehen. Ziel ist eine zukunftsweisende Form des Bauens und Wohnens.

Frank Dudda stellte dem Projektentwickler eine Baugenehmigung für den Herbst in Aussicht. Das Konzept überzeugte den Oberbürgermeister: "Mit diesem Projekt bekommen wir mehr als ein Bauvorhaben, wir bekommen eine Vision." Gerd Hansen, Geschäftsführer von Archy Nova, sprach von einem weltweit einzigartigen Projekt, das Herne zu einem Vorreiter machen werde für ähnliche Vorhaben machen werde.
Kaum ein Thema werde derzeit so heftig diskutiert wie das Wohnen, führte er weiter aus. Der anhaltende Run auf Metropolen, explodierende Mieten, der demographische Wandel, aber auch der Einfluss des Immobiliensektors auf das Klima und natürliche Lebensgrundlagen würden die Begrenztheit konventioneller Baukonzepte aufzeigen, so seine Schlussfolgerung. Die Vereinsamung Einzelner in anonymen Wohnblocks steige ebenso an wie der Verbrauch von Ressourcen und der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid.
Ein Ausweg aus dieser Misere könne nur auf neuen Wegen gelingen. So zum Beispiel im neu genutzten Hochbunker in Sodingen: Das Konzept sieht vor, dass mittags und abends im Gemeinschaftsraum günstige Drei-Gänge-Menüs angeboten werden. Die Zutaten sollen zum Teil aus dem Gewächshaus auf dem Dach kommen. Das Konzept würde unter anderem Zeit für den Einkauf sparen und Müll vermeiden. Ein Wäsche-Service und Gäste-Apartments, in denen Besucher komfortabel untergebracht sind, würden ein entspanntes Leben mit mehr Zeit für eigene Aktivitäten ermöglichen.
Dazu trägt auch ein Wellness-Bereich mit Sauna auf der Dachterrasse bei. Car-Sharing mit Elektroautos und Lasten-Pedelecs sollen den Verzicht auf das eigene Auto erleichtern. Die bis zu zwei Meter dicken Wände werden bestens gedämmt und speichern hervorragend Wärme. Die Technik der Mobilfunkmasten auf dem Dach soll so viel Abwärme erzeugen, dass damit die rund 20000 Tonnen Masse des Bunkers vorgeheizt werden können. Die zusätzlich benötigte Heizleistung und den gesamten Stromverbrauch deckt eine Photovoltaik-Anlage. Deren intelligentes Lastmanagement sorgt dafür, dass der größte Teil des selbst erzeugten Stroms im Haus verbraucht wird. Überschüssiger Strom im Sommer lädt die Elektroautos und Pedelecs, im Winter wird der eingespeiste Strom aus einer Cloud zurückgeholt, sodass insgesamt eine autarke Versorgung erreicht wird. Fossile Brennstoffe kommen nicht zum Einsatz.
Auch beim Wasser wird auf Kreisläufe gesetzt: das Grauwasser aus Duschen und Waschbecken dient zur Bewässerung des Dachgewächshauses, Regenwasser wird in großen Speichern gesammelt und für WC-Spülung, Reinigungszwecke und Gartenbewässerung genutzt. Beim Ausbau werden natürliche Materialien verwendet. Bauteile lassen sich einfach reparieren und auch noch nach Jahrzehnten wiederverwerten.
Das Konzept passt sich wandelnden Anforderungen an zeitgemäßes Wohnen an. Das Bedürfnis nach einem Miteinander wird erfüllt, die Individualität jeden Bewohners dennoch gewahrt und gefördert. Entstehen werden Wohngemeinschaften für angehende Senioren, Apartments und Familienwohnungen; in den oberen Etagen des neungeschossigen Turms mit eindrucksvollen Ausblicken auf die Umgebung.
Die genossenschaftliche Organisationsform sorgt dafür, dass die Bewohner Miteigentümer des Gebäudes werden, sie haben lebenslanges Wohnrecht und können in allen Belangen gemeinsam entscheiden. Um den Umbau zu finanzieren, leisten sie eine Einlage und zahlen monatlich ein Nutzungsentgelt. Im Unterschied zu einer konventionellen Genossenschaft wird man tatsächlich zum Miteigentümer und partizipiert am Wertzuwachs des Gebäudes, auch wenn man in eine andere Stadt umziehen muss.

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