2800 Beschäftigte sind auf eine Zweitstelle angewiesen
Wenn ein Job nicht mehr reicht

Zapfen im Zweitjob. Immer mehr Menschen sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Viele von ihnen arbeiten nach Feierabend in der Gastronomie. Foto: NGG
  • Zapfen im Zweitjob. Immer mehr Menschen sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Viele von ihnen arbeiten nach Feierabend in der Gastronomie. Foto: NGG
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Rund 2800 Menschen in Herne haben neben ihrer regulären Stelle noch einen Mini-Job. Damit stieg ihre Zahl innerhalb von zehn Jahren um 20 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilte.

Die Gewerkschaft beruft sich auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur. Nebentätigkeiten in Restaurants, Gaststätten und Hotels seien dabei besonders verbreitet. Adnan Kandemir, Gewerkschaftssekretär der NGG Ruhrgebiet, spricht von einer Schieflage auf dem Arbeitsmarkt. „Im Schatten des Booms der vergangenen Jahre sind viele sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden, die oft kaum zum Leben reichen. Nebenjobs müssen dann die Haushaltskasse aufbessern", so Kandemir. Aber wer auf einen Zweitjob angewiesen sei, der arbeite meist am Limit. Das gehe auf Kosten von Familie, Freunden und Freizeit.

Dabei trifft der Boom bei den Nebenjobs langfristig auch die heimische Wirtschaft. „Gastronomen und Bäckermeister, die über den Fachkräftemangel klagen, aber gleichzeitig auf 450-Euro-Kräfte setzen, schneiden sich ins eigene Fleisch. Mini-Jobber können keine Hotelfachleute ersetzen“, betont Kandemir. Doch Fachkräfte gewinne man nur mit ordentlichen Löhnen, die so hoch sein müssen, dass die Beschäftigten keinen Zweitjob mehr brauchen. Über deutliche Lohnerhöhungen verhandelt die NGG aktuell mit Fast-Food-Ketten und Systemgastronomen. Anstelle eines Mindestlohns von 9,35 Euro sollen die Beschäftigten in der Branche künftig mindestens 12 Euro pro Stunde bekommen.

Schulabgänger schwer für Branche zu gewinnen

Entscheidend sei aber auch, dass sich Unternehmen stärker um den Nachwuchs kümmern. Eine Lehre im Lebensmittelhandwerk oder im Gastgewerbe käme für Schulabgänger nur infrage, wenn der Lohn und die Ausbildungsbedingungen stimmen.

Die NGG sieht die Politik in der Verantwortung. Die Zunahme der Zweitjobs sei unter anderem das Ergebnis einer verfehlten Arbeitsmarktpolitik der Nullerjahre. Mit einer Reform könne die Bundesregierung Mini-Jobs voll in die Sozialversicherung einbeziehen. Allerdings sollten die Arbeitgeber den größten Teil der Beiträge zahlen müssen. Das würde reguläre Stellen attraktiver machen und den Mini-Jobbern heute eine bessere Absicherung verschaffen.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen