Immer mehr Senioren – aber auch genug altersgerechter Wohnraum?
Die falschen Steine

Barrierefreie Dusche: Mit Blick auf den demografischen Wandel fordert die Gewerkschaft mehr Anstrengungen beim altersgerechten Bauen und Sanieren. Foto: IG BAU
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  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

In Herne könnte die Zahl der Menschen, die älter als 65 sind, bis zum Jahr 2035 auf fast 40000 Personen anwachsen. Gegenüber dem Jahr 2017 würde das einen Anstieg um 15 Prozent bedeuten.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sieht die Folgen des demografischen Wandels kritisch. Ihrer Einschätzung nach wird es in Herne dann an seniorengerechten Wohnungen fehlen, sollte auf die Entwicklung nicht reagiert werden. 26 Prozent der Herner könnten Mitte kommenden Jahrzehntes 65 Jahre oder älter sein. Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine Prognose eines Kölner Instituts für Regionalwirtschaft – und fordert mehr Anstrengungen bei der Schaffung seniorengerechter Wohnungen: Lift statt Treppe, breitere Türen für Rollator und Rollstuhl, barrierefreie Duschen.

Gabriele Henter, Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft für die Region Bochum/Dortmund, spricht von einer demografischen Notwendigkeit. Es müssten nicht nur zusätzliche Seniorenwohnungen neu gebaut werden. Auch bei der altersgerechten Sanierung bestehender Wohnungen sei der Nachholbedarf groß. „Wenn die Rentner-Generation nicht stärker berücksichtigt wird, droht vielerorts schon in einigen Jahren eine graue Wohnungsnot“, betont Henter. Dieses Problem werde bereits jetzt durch die Corona-Pandemie verschärft, weil gerade ältere Menschen einen Großteil des Tages zuhause verbringen müssten.

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau biete mit ihrem Programm „Altersgerecht Umbauen“ zwar Zuschüsse und Kredite. Das Fördervolumen von 150 Millionen Euro im vergangenen Jahr reiche aber nicht aus, kritisiert die Gewerkschaft. Der Bund müsse die Förderung mindestens verdoppeln, um das Senioren-Wohnen voranzubringen. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus: Laut Haushaltsplan stehen für altersgerechte Sanierungen in diesem Jahr nur noch 130 Millionen Euro zur Verfügung.

Am Ende stehe die Lebensqualität Tausender Menschen in Herne auf dem Spiel. Henter: „Es kann nicht sein, dass ein Rentner nur deshalb ins teure Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert."

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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