Wanne-Eickeler Student übersteht Corona-Infektion in Minden
"Die Nähe hat gefehlt"

Den 18. März 2020 wird Flemming Nischik seinen Lebtag lang wohl nicht vergessen. Es bedeutete für ihn den Startschuss für seine zweiwöchige Quarantäne. Mittlerweile wieder gesund, blickt er mit gemischten Gefühlen auf die Zeit zurück.

Dabei hatten er und sein Mitbewohner von Anfang an vieles richtig gemacht. Beide studieren eigentlich an der Ruhr-Universität Bochum Medizin, befanden sich aber zum Zeitpunkt ihrer Isolation in Minden. Dort hat die RUB eine Zweigstelle ihrer Unikliniken.

Bereits einige Tage vor dem 18. war Nischiks Mitbewohner aus dem österreichischen Skiurlaub zurückgekehrt. „Wir haben das am Anfang sehr entspannt gesehen, da er nicht aus einem der Risikogebiete kam und auch keinerlei Symptome gezeigt hat“, erinnert sich der 27-Jährige.
Doch das änderte sich schnell. Das Fieber und der Husten kamen dann doch.

Noch bevor der positive Befund vom Gesundheitsamt zurückkam, hatten sich beide bereits vorsorglich selbst in Quarantäne begeben. Die medizinische Vorbildung des Duos erwies sich dabei als nützlich.

„Ein grundsätzliches Verständnis von Viren ist bei uns vorhanden. Man weiß, wie sie sich verhalten und sieht die Situation vielleicht etwas realistischer“, erklärt Nischik. Ein wenig zum Lernen kam er durch die unfreiwillige Pause dann auch noch. „Ich habe mir viele Studien durchgelesen, auf denen die Aussagen des Robert-Koch-Instituts gründen. Ich hatte ja die Zeit“, lacht er.

Die hatte ihm vorher vielleicht etwas gefehlt. „Ich war viel unterwegs.“ Ob zur Hausarzt-Famulatur, zum Fußball spielen, Klettern oder Bouldern, Nischik war viel auf Achse. „Von jetzt auf gleich ist das alles weggefallen“, meint er. Ohne Balkon und mit Ausgeh-Verbot, blieb Bewegung erstmal auf der Strecke. „Wenn die Sonne auf meinem Fenster stand, habe ich mich mit einem Buch ins Bett gelegt, um wenigstens etwas Licht abzukommen.“

Ein weiterer Vorteil, den viele Erkrankte wohl nicht haben: Nischik und sein Mitbewohner waren immerhin zu zweit. „Da war ich sehr froh drum“, sagt der Wanne-Eickeler. Auch die Unterstützung von Kommilitonen kam nicht zu kurz. Sie stellten Lebensmittel und sonstige Einkäufe vor die Tür, oder blieben für einen kurzen Plausch von Fenster zu Gehweg.

Dennoch fehlte ihm die Nähe zu seiner Familie, Freunden und seiner Freundin, die auch Skype-Unterhaltungen nur notdürftig ersetzten. „Minden ist nun mal eine fremde Stadt, auch wenn man sich unter den Studenten kennt. Es bleibt ein anderes Gefühl, als wenn ich zu Hause gewesen wäre.“

Nach den überstandenen zwei Wochen, noch ein kurzer Schreckmoment. Die Symptome kamen nach der zwischenzeitlichen Besserung wieder. Nischik verblieb bei einem erneuten Test negativ, seinem Mitbewohner war dies nicht vergönnt. „Ich war sehr erleichtert. Meine Vermutung ist, dass sich meine Allergien dort schon bemerkbar gemacht haben und es nichts mit dem Virus zu tun hatte“, vermutet Nischik.

Seinen Mitbewohner musste er dahingehend verlassen und zog übergangsweise zu seiner Freundin nach Bochum. Die Bewegung und eine Art Alltag kehren langsam zurück, auch wenn er „nach jedem Spaziergang komplett platt“ ist.

Sobald er in einigen Wochen wieder in Minden ist, wird Nischik sich freiwillig melden, um in der örtlichen Klinik infizierten Menschen zu helfen. Vielleicht kommen ihm seine Erfahrungen da ja zu Gute.

Autor:

Stefan Stobbe aus Herne

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