Transgender: Neue Selbsthilfegruppe trifft sich
Im falschen Körper

Aus Kelly Louise wurde Till Christian: Der 29-Jährige hat bis auf eine alle Operationen zur Geschlechtsumwandlung bereits überstanden.
  • Aus Kelly Louise wurde Till Christian: Der 29-Jährige hat bis auf eine alle Operationen zur Geschlechtsumwandlung bereits überstanden.
  • Foto: Michael Paternoga/Stadt Herne
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Es ist erst wenige Monate her, als sich Till Kaiser an die Stadt gewandt hat. Der 29-Jährige sucht Austausch mit Menschen, denen es ähnlich ergangen ist wie ihm: Der Herner wurde als Mädchen geboren.

Dirk Stahl vom Bürger-Selbsthilfe-Zentrum ruft nun gemeinsam mit Kaiser eine Selbsthilfegruppe ins Leben. Sie richtet sich an Transgender, also Männer und Frauen, die im "falschen" Körper leben und sich über ihre Probleme austauschen möchten.

Kaiser hat selbst eine lange Geschichte hinter sich und weiß, wie schwierig es ist, sich seinen Gedanken und Sorgen zu stellen und die operativen Eingriffe alleine durchzustehen. „Ich war sechs Jahre alt, als das Thema für mich interessant wurde. Da habe ich mich schon mit meinem Spiegelbild unwohl gefühlt“, so der Herner. Anziehsachen habe er gerne von seinen Brüdern oder von seinem Vater ausgeliehen. Puppen und Kleider waren uninteressant, Fußball dafür umso spannender. Als junge Frau in der Disko sei es seltsam gewesen, berichtet er: „Denn wenn mir eine Freundin mal besser gefallen hat, konnte ich es ihr nicht sagen.“ Generell habe die Außenwelt ihn anders wahrgenommen als er sich selbst. Alle haben in ihm Kelly Louise gesehen, aber er hat sich gefühlt wie Till Christian.

2015 begann seine Geschlechtsangleichung. Dafür musste er allerdings noch viel erledigen. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Gutachten, Gespräche mit Psychologen, Termine beim Endokrinologen. Schließlich änderte er seinen Namen. Aus Kelly Louise wurde Till Christian.

Mittlerweile hat Kaiser fast alle Operationen überstanden. Eine große Last sei von ihm gefallen. Diesen langen und schwierigen Prozess habe er ganz alleine bewältigt. Freunde oder Familie haben ihn nicht unterstützt. „Deswegen wünsche ich mir jetzt den Austausch mit anderen. Und ich will zeigen, dass es wichtig ist, dass Familie und Freunde für Transgendermenschen da sind.“ Er wisse, dass es für Angehörige schwer sein muss, die Entscheidung einer Geschlechtsangleichung zu verstehen, aber akzeptieren müsste es jeder. „Ich habe den Weg ganz alleine gemacht. Ich halte viel aus, aber es war trotzdem die Hölle.“

Er sei nun nach wie vor derselbe Mensch, sein Charakter habe sich nicht verändert – nur sein Geschlecht. „Transgender ist keine Krankheit“, appelliert der Herner, der sehr offen über sich und sein Leben spricht. Dass seine eigene Psyche unter dem Leidensdruck gelitten habe, gibt er zu. „Aber dass ich diesen Weg geschafft habe, zeigt mir auch, dass ich stärker geworden bin.“

Wer sich für die Selbsthilfegruppe interessiert, kann sich beim Bürger-Selbsthilfe-Zentrum unter der Telefonnummer 02323/163636 melden.

<i>Quelle: Presseamt Stadt Herne</i>

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