8500 Menschen in Herne haben einen Arbeitsvertrag auf Zeit
Kampf gegen Befristung

Im Lebensmittel- und Gastgewerbe haben viele Beschäftigte einen befristeten Arbeitsvertrag. Die NGG fordert, Jobs auf Zeit per Gesetz einzuschränken. Foto: NGG
  • Im Lebensmittel- und Gastgewerbe haben viele Beschäftigte einen befristeten Arbeitsvertrag. Die NGG fordert, Jobs auf Zeit per Gesetz einzuschränken. Foto: NGG
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Vollwertige Stellen statt Zitter-Verträge: Für Unternehmen in Herne soll es künftig schwieriger werden, ihre Mitarbeiter mit einem befristeten Arbeitsvertrag abzuspeisen. Das fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine deutliche Sprache. Danach haben in Herne rund 8500 Menschen eine befristete Stelle – das sind mehr als 13 Prozent aller Beschäftigten in der Stadt. Im Lebensmittel- und Gastgewerbe sind die Jobs mit Verfallsdatum nach Beobachtung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) besonders verbreitet.
„Durch Corona zeigt sich, wie prekär befristete Stellen sind. Wessen Arbeitsvertrag ohnehin ausläuft, der kann sich in der Krise keine großen Hoffnungen auf Verlängerung machen. Das trifft gerade Berufseinsteiger“, sagt Adnan Kandemir, NGG-Sekretär für das Ruhrgebiet. Die Bundesregierung müsse ihrem Versprechen endlich Taten folgen lassen und den Wildwuchs bei Befristungen beenden. In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und SPD vereinbart, Befristungen ohne konkreten Sachgrund – wie etwa eine Elternzeitvertretung – einzudämmen.
„Befristungen dürfen nicht als Probezeit auf Dauer missbraucht werden. Gerade junge Leute haben so kaum Chancen, eine Wohnung zu finden oder einen Kredit zu bekommen. Oft muss dann sogar der Wunsch nach eigenen Kindern verschoben werden“, kritisiert Kandemir. Nach einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren im vergangenen Jahr bundesweit 37 Prozent aller Neueinstellungen befristet. Im Lebensmittel- und Gastgewerbe hatte fast jeder zweite neue Arbeitsvertrag ein Ablaufdatum.
Sorge bereitet Kandemir die Zunahme bei den sogenannten sachgrundlosen Befristungen. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds hat sich ihre Zahl zwischen 2001 und 2018 verdreifacht. „Genau hier muss die Bundesregierung ansetzen. Es kann nicht sein, dass sich selbst Fachkräfte von Job zu Job hangeln müssen – während der Chef Gesetzeslücken ausnutzen und eine verdiente Dauer-Stelle verweigern kann“, so Kandemir. Laut IAB-Studie gaben Hoteliers und Gastronomen bei zwei Dritteln aller Befristungen keinen Sachgrund an.
Bislang ist die Befristung eines Arbeitsvertrages ohne sachlichen Grund bis zu zwei Jahre lang möglich. In diesem Zeitraum kann ein befristeter Arbeitsvertrag maximal dreimal verlängert werden. Nach den Plänen des Bundesarbeitsministeriums sollen Befristungen in Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten künftig auf maximal 2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden. Kandemir geht das nicht weit genug: „Die Betriebsgröße darf hier keine Rolle spielen. Denn sonst hätte ein Großteil der Betroffenen vom neuen Gesetz nichts. Nötig ist ein vollständiges Verbot der sachgrundlosen Befristung.“

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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