Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

Experten diskutierten im Kaminzimmer darüber, auf welchen Wegen Menschen, die ihre Angehörigen pflegen müssen, entlastet werden können.
  • Experten diskutierten im Kaminzimmer darüber, auf welchen Wegen Menschen, die ihre Angehörigen pflegen müssen, entlastet werden können.
  • Foto: Arbeiter-Samariter-Bund
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Kinder von pflegebedürftigen Senioren brauchen ähnlich umfangreiche und unkomplizierte Unterstützung wie junge Eltern. Darin waren sich die drei Teilnehmer des vom Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) ausgerichteten Kamingesprächs im Schloss Strünkede einig.

Gerhard Stein vom Vorstand der Betriebskrankenkasse Deutsche BKK, Silke Niewohner von der Initiative „Wir pflegen“ und Michael Scheffler, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, diskutierten im Schloss bestehende und notwendige Hilfen für Familien, die einen pflegebedürftigen Angehörigen versorgen.

Der ASB setze sich intensiv mit diesem Thema auseinander, sagte Geschäftsführer Albert Okoniewski in seiner Eröffnung: Pflegende Angehörige benötigten immer wieder schnelle und unkomplizierte Hilfen. Der Verband wollte mit der Gesprächsrunde die Parallelen zu den Unterstützungssystemen für junge Familien aufzeigen. So verwiesen die Experten beim Kamingespräch auf Hilfen wie das Elterngeld oder eine Notfallbetreuung für Kinder, wenn die Eltern schnell auf Unterstützung angewiesen sind. Ähnliches müsse auch für Pflegebedürftige diskutiert werden.

Es gebe in Nordrhein-Westfalen bereits eine breite Beratungsstruktur, die durch viele Partner gemeinsam organisiert werde, die Politik wolle diese Angebote aber noch weiterentwickeln, sagte der Landtagsabgeordnete Scheffler. Silke Niewohner bestätigte, dass das Problem hauptsächlich in der Information liege. Viele Anlaufstellen seien zu weit weg von den Menschen. Diese fragten, wenn sie plötzlich betroffen sind, dann doch eher im Bekanntenkreis herum, wer Rat wisse. Für eine bessere Verzahnung der Anlaufstellen sprach sich BKK-Vorstand Stein aus.

Nebeneinander von Arbeit und Pflege verbessern

Der Fachkräftemangel in vielen Branchen mache solche Weiterentwicklungen noch notwendiger, so die Runde. Künftig gehe es noch stärker darum, das Nebeneinander von familiärer Pflege und Berufsausübung zu ermöglichen. Erst kürzlich hatte eine Studie gezeigt, dass rund ein Drittel der pflegenden Angehörigen auch berufstätig ist. Die Unternehmen hätten das Thema aber vielfach noch nicht in seiner Ernsthaftigkeit erkannt, berichtete Gerhard Stein. Mit Blick auf die Diskussionen im Landtag sagte Michael Scheffler, es sei sicher sinnvoll, stärker auch die wirtschaftspolitische Komponente des Themas in den Blick zu nehmen.

Hilfestellungen, finanzielle Entlastungen und Beratungsangebote müssten vor allem schnell und unkompliziert sein, betonte Niewohner, deren Initiative sich bundesweit für die Belange pflegender Angehöriger einsetzt. Es helfe nicht, wenn die Angehörigen eines Pflegebedürftigen ein Jahr lang mit der Kasse um die Bewilligung der Pflegezeit streiten müssten. Diese hätten in diesem Moment schließlich bereits genug zu organisieren.

Mit dem Kamingespräch will der ASB diese Entwicklung hin zu einer wirksamen Unterstützung pflegender Angehöriger begleiten und bereichern. Dabei sind Politik, Verbände und Unternehmen gleichermaßen gefragt, wenn die pflegenden Angehörigen auch als Fachkräfte in ihrem Beruf gehalten werden sollen.

Quelle: Arbeiter-Samariter-Bund

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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