Altenhilfe für Migranten
Projekt „Guter Lebensabend NRW“ in Herne klärt über Angebote auf

Wer aus einer anderen Kultur kommt, für den ist das Altwerden in der neuen Heimat nicht immer ganz leicht. Informationen über Hilfsangebote fehlen. Hier setzt das Projekt „Guter Lebensabend NRW“ an, das auf kultursensible Altenpflege abzielt.
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  • Wer aus einer anderen Kultur kommt, für den ist das Altwerden in der neuen Heimat nicht immer ganz leicht. Informationen über Hilfsangebote fehlen. Hier setzt das Projekt „Guter Lebensabend NRW“ an, das auf kultursensible Altenpflege abzielt.
  • Foto: Unsplash / Eugeniya Belova
  • hochgeladen von Vera Demuth

Seniorenheim, ambulanter Pflegedienst, Tagespflege – wenn es um den Lebensabend geht, ist es nicht leicht, Angebote, Ansprüche und Formalitäten zu verstehen. Vor noch größeren Hindernissen hierbei stehen Migranten. An sie richtet sich das Projekt „Guter Lebensabend NRW“, das kultursensible Altenhilfe und Altenpflege für Senioren mit Einwanderungsgeschichte zum Ziel hat.

Von Vera Demuth

„Es bestehen Informations- und Beratungslücken. Diese Lücken wollen wir schließen“, erläutert Sozialpädagogin und Projektmitarbeiterin Zehra Sagdic von Plan B Ruhr. In Kooperation mit der Stadt Herne setzt der Verein das Modellprojekt um, das vom NRW-Integrationsministerium gefördert wird und in 21 Städten zeitgleich läuft. In Herne konzentriert sich das Projekt auf Über-60-Jährige aus der Türkei, weil die türkische Gemeinschaft unter den Migranten die größte Anzahl bildet.
Noch sind Zehra Sagdic und Ulrike Lange von der Stadt Herne dabei, eine Bestands- und Bedarfsanalyse zu machen. Durch die Befragung von Ärzten und in der Community soll festgestellt werden, was die türkischstämmigen Migranten dazu bewegt, die Angebote der Altenpflege nicht anzunehmen. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, aber da sie selbst Türkin ist, kann Sagdic Vermutungen anstellen. Als einen Grund betrachtet sie die Sprachbarriere. „Die Menschen sind als sogenannte Gastarbeiter gekommen und sollten wieder gehen, so dass es keine Sprach- und Integrationskurse gab. Aber sie sind hier heimisch geworden.“ Zudem verweist sie darauf, dass viele der Über-60-Jährigen Analphabeten seien. „Auch dadurch fehlt der Informationsfluss.“ Hinzu kämen Ängste, beispielsweise inwieweit es im Seniorenheim möglich sei zu beten und ob eine Ernährung ohne Schweinefleisch möglich sei.

Das Projekt wird vorgestellt

Hier knüpft das Projekt „Guter Lebensabend NRW“ an. Zehra Sagdic und Ulrike Lange wenden sich dabei an Einrichtungen der Altenhilfe und -pflege, pflegende Angehörige und an die Senioren selbst. Mit den Einrichtungen reden sie über Biografiearbeit, die den Lebenslauf einer betreuten Person berücksichtigt. Ebenfalls besuchen sie muslimische Gemeinden. „Wir stellen das Projekt vor und erklären, worauf es abzielt“, erläutert Sagdic. Zudem klären sie darüber auf, welche Beratungsstellen es gibt und was etwa Altenhilfe und ambulante Pflegedienste anbieten.
Da in der Türkei noch mehr als in Deutschland der Leitgedanke gelte, dass Angehörige in den Familien gepflegt werden, kümmern sich Sagdic und Lange auch darum, pflegende Angehörige zu informieren. „Was können sie in Anspruch nehmen? Was ist ein Pflegegrad? Wie kann man ihn erhöhen?“, verdeutlicht Sagdic einige Themen, bei denen Aufklärungsarbeit erforderlich ist. Denn die türkischstämmigen Senioren und ihre pflegenden Angehörigen sollen wissen, woran sie teilhaben können und sollten.
Seit August läuft das Projekt in Herne. Die ersten Treffen und Gespräche bei Trägern der Altenpflege sind erfolgt. „Wir sind immer herzlich willkommen. Die Kooperationsbereitschaft ist hoch“, zieht Sagdic ein erstes Fazit. Auch innerhalb der türkischstämmigen Community sei die Begeisterung groß. Trotzdem gebe es Skepsis – nicht zuletzt, weil die Betreuung in türkischen Seniorenheimen schlechter sei. „In Deutschland ist das Personal wesentlich professioneller“, so Zehra Sagdic.
Deshalb werde noch viel Vertrauensarbeit notwendig sein, um möglichst viele türkeistämmige Herner zu erreichen. Bis Ende 2022 fördert das Ministerium das Projekt. „Bis dahin ist die Lawine erstmal losgetreten“, erklärt Sagdic, aber das Projekt brauche mehr Zeit. Daher hofft sie bereits jetzt, dass es eine Verlängerung geben wird.

"Guter Lebensabend NRW"

– Plan B Ruhr ist ein gemeinnütziger, interkultureller Verein mit Sitz in Bochum, der das Ziel hat, Zukunftsperspektiven für Kinder, Jugendliche und Familien zu schaffen.
– Wer an einer Beratung interessiert ist, erreicht Ulrike Lange (Stadt Herne) unter Tel. 02323/92960-934 sowie per E-Mail an ulrike.lange@herne.de und Zehra Sagdic (Plan B Ruhr) unter Tel. 02325/56991-60 oder per E-Mail an z.sagdic@planb-ruhr.de.

Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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