Ökumenischer Pfarrkonvent zu Seelsorge und Physiotherapie
Was uns krank macht

Peter Nyhuis, gab den inhaltlichen Impuls auf dem ökumenischen Pfarrkonvent von Dekanat Emschertal und Kirchenkreis. Foto: Arnd Röbbelen
  • Peter Nyhuis, gab den inhaltlichen Impuls auf dem ökumenischen Pfarrkonvent von Dekanat Emschertal und Kirchenkreis. Foto: Arnd Röbbelen
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Was ist zu tun, wenn die Seele erkrankt? Hilfe bieten die Psychotherapie und die Seelsorge. Über Verbindendes dieser beiden Felder wurde im Rahmen eines ökumenischen Pfarrkonvents im Marienhospital gesprochen.

Es ist ökumenische Tradition, dass sich Pfarrer des evangelischen Kirchenkreises und Geistliche des katholischen Dekanats Emschertal am Beginn eines Jahres zum Gedankenaustausch treffen. In der vergangenen Woche war das Marienhospital Ort des Geschehens. Der Chefarzt des psychiatrischen Krankenhauses im Stadtteil Eickel, Peter Nyhuis, hielt einen Vortrag, der sich mit der Frage beschäftigte, ob die Psychotherapie zunehmend die Seelsorge ersetzt.
Den Eindruck, dass die Kliniken voller und die Beichtstühle leerer werden, äußerte Pfarrer Ludger Plümpe in seiner Begrüßung. Es sei tatsächlich so, dass die Patientenzahlen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien, bestätigte Nyhuis. „Insgesamt sind hier 2018 fast 3000 Patienten stationär behandelt worden.“ Hinzu kämen die Patienten in Rehaklinik, Tagesklinik und ambulanter Pflege.
Das Marienhospital ist bundesweit das einzige psychiatrische Krankenhaus, das keine geschlossene Abteilung hat. Die Sorge, dass diese Offenheit eine Gefährdung durch oder für die Patienten erhöhe, konnte der Chefarzt den Teilnehmern nehmen. „Wir hatten in den letzten zwölf Jahren fünf Suizidfälle“, sagte Nyhuis. „Jeder ist einer zu viel, aber die Durchschnittszahl in anderen Kliniken ist deutlich höher.“
Zu Beginn seines Vortrags stellte der Mediziner fest, dass die ersten psychiatrischen Stationen von Mönchsorden gegründet wurden. Zudem wirke sich Religiosität auf die psychische Gesundheit positiv aus. „Die Seelsorge hat auch in unserem Haus eine große Bedeutung, denn in Seelsorge- oder Beichtgesprächen sind Patienten oft eher bereit, eigene Wahrnehmungs- oder Verhaltensweisen zu hinterfragen.“
Auffallend sei aber auch in solchen Gesprächen, dass die Verantwortung für eigene Lebenskrisen oft bei anderen gesucht werde, berichtete ein Pfarrer. „Wie ein notwendiger Perspektiv-Wechsel hin zu eigenen Anteilen und Ressourcen erreicht werden kann, dafür gibt es leider kein Patentrezept“, antwortete Nyhuis. „Aber darum geht es in der Seelsorge ebenso wie in einer Psychotherapie.“ Wenn der Eindruck entsteht, dass seelsorgerliche Begleitung nicht ausreicht, könnten Menschen an das Marienhospital verwiesen werden.
„Die Klinik wird voller, die Beichtstühle leerer.“

Pfarrer Ludger Plümpe

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