Tagespflege ist die ursprünglichste Form der Kinderbetreuung
Wie in der Familie

Annegret Muchalla absolvierte die Qualifikation zur Tagesmutter, schaffte Bettchen, Hochstühle und Spielzeug an.Foto: Nina-Maria Haupt/Stadt Herne
  • Annegret Muchalla absolvierte die Qualifikation zur Tagesmutter, schaffte Bettchen, Hochstühle und Spielzeug an.Foto: Nina-Maria Haupt/Stadt Herne
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Die Zwillinge Merle und Marie sitzen im Wohnzimmer auf dem Boden und kuscheln sich an ihre Tagesmutter. Annegret Muchalla blättert mit ihnen und zwei weiteren Tageskindern in einem Bilderbuch. Nachher werden sie an den Esstisch wechseln und dort malen, bevor Muchalla mit ihnen in der Küche Mittagessen zubereitet und alle gemeinsam essen.
Seit elf Jahren betreut die studierte Heilpädagogin Kinder im Alter von bis zu drei Jahren bei sich zuhause. „Tagespflege in einer Familie ist die ursprünglichste Form der Kinderbetreuung. Für die Kinder ist es überschaubar und familiär. Auch für die Eltern ist es oft einfacher, ihr Kind stundenweise loszulassen, wenn es eine so kleine Gruppe ist und keine große Institution“, erklärt Britta Möller vom Verein Herner Tageseltern. Oft suchen Eltern gezielt nach Tageseltern, wenn ihre Kinder noch sehr klein sind. „Die Kinder finden sich schnell zurecht, wenn es nicht so viele Räume sind“, hat Muchalla beobachtet. In Wohnzimmer und Esszimmer wird gespielt, in einem Schlafraum stehen Betten für die Kinder bereit und auch in der Küche gibt es gemeinsame Aktionen. Die Zimmer von Muchallas beiden eigenen Töchtern sind für die Tageskinder allerdings tabu.
„Alle Familienmitglieder nehmen am Geschehen in der Tagespflege teil und müssen damit einverstanden sein“, weiß Möller. So können Familienmitglieder sich zurückziehen oder auch mit den Tageskindern spielen. „Die Tageskinder finden es gut, wenn ein großes Kind da ist und zum Beispiel ein Buch vorliest“, hat Muchalla erlebt.
Seit ihre erste Tochter zwei Jahre alt war, ist sie auch Tagesmutter. „Ich wollte zuhause arbeiten und hatte das Glück, dass eine Freundin gefragt hat, ob ich auf ihre Tochter aufpassen könnte. Da konnte ich Tagespflege in vertrautem Rahmen ausprobieren.“ Sie absolvierte die Qualifikation zur Tagesmutter, schaffte Bettchen, Hochstühle und Spielzeug an.
Für solche Investitionen bekommen Tageseltern einmalig einen Zuschuss, schließlich braucht jedes Kind ein eigenes Bett und einen eigenen Platz am Esstisch. Außerdem muss genug Platz zum Spielen bleiben. Je nach Größe der Wohnung können Tageseltern ein bis fünf Kinder betreuen.
Merle und Naima sitzen inzwischen am Basteltisch und möchten auf dasselbe Blatt Papier malen. Ein wenig geht es hin und her, dann holt Merle sich ein anderes Blatt. „Es ist schön, dass sie in der kleinen Gruppe üben können, zu kooperieren, Konflikte zu lösen und sich miteinander zu beschäftigen“, findet Möller. „Man sieht auch: Eine Tagespflegeperson, die alleine betreut, ist immer Ansprechpartner und kann nicht delegieren. Dafür haben die Kinder eine enge Bindung an eine verlässliche Bezugsperson.“
Auch zu den Familien der Tageskinder ist der Kontakt eng und intensiv. Die Betreuungszeiten können individuell vereinbart werden. Beim Bringen und Abholen unterhalten sich Eltern und Tageseltern darüber, wie der Tag gelaufen ist und was das Kind erlebt hat. Dieser Austausch ist oft enger und detaillierter als in einer Kita. Gerade weil ein gutes Vertrauensverhältnis nötig ist, führen die Herner Tageseltern ausführliche Gespräche mit Eltern und Tagespflegepersonen. „Wir versuchen, einzuschätzen, ob die Vorstellungen und die Erziehungshaltung der Beteiligten zueinander passen“, so Möller.
Damit keiner Einzelkämpfer sein muss, vernetzen sich Tageseltern, verabreden sich auf dem Spielplatz und können sich fachlich austauschen. Oft können sie einander helfen oder sie fragen die Fachberaterinnen der Herner Tageseltern

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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