ADFC kritisiert die Bedingungen für Fahrradfahrer in Herne und fordert Maßnahmen bis zum Jahr 2025
Nicht nur Schlaglöcher stopfen

Wohin führt der Weg? Der ADFC hofft, dass der Austausch mit Politik und Verwaltung in den kommenden Jahren intensiver wird. Ziel sind erhebliche Investitionen in die Infrastruktur für den Radverkehr. Andere Städte sind in dieser Frage schon weiter. So wurden die Zahl der Radverkehrsplaner in Dortmund bereits erhöht. Bessere Lösungen für den Radverkehr finden sich aber auch in unseren Nachbarländern wie zum Beispiel den Niederlanden (Foto). Foto: Elmar Koenig
  • Wohin führt der Weg? Der ADFC hofft, dass der Austausch mit Politik und Verwaltung in den kommenden Jahren intensiver wird. Ziel sind erhebliche Investitionen in die Infrastruktur für den Radverkehr. Andere Städte sind in dieser Frage schon weiter. So wurden die Zahl der Radverkehrsplaner in Dortmund bereits erhöht. Bessere Lösungen für den Radverkehr finden sich aber auch in unseren Nachbarländern wie zum Beispiel den Niederlanden (Foto). Foto: Elmar Koenig
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club möchte die Bedingungen fürs Radfahren in Herne verbessern. Vor diesem Hintergrund fand bereits ein Gespräch mit Stadtrat Karlheinz Friedrichs statt.

Der Herner Ortsverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) schickte seine Vorstandsmitglieder Michael Thomasen und Günter Sondermann in das Gespräch mit dem Stadtrat und stellte seine „Offensive für den Radverkehr in Herne“ vor. Der Verband möchte bis zur nächsten Kommunalwahl im Jahr 2025 eine intensivere Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung erreicht haben. Ziel sind "erhebliche Investitionen zugunsten einer besseren Radinfrastruktur".

Ungeachtet der sich abzeichnenden Klimakrise steige die Zahl der Herne zugelassenen Kraftfahrzeuge weiter, kritisiert der ADFC. Gerade in unsere Stadt produziere der Verkehr einen erheblichen Teil der Kohlendioxid-Emissionen. Steigender Autoverkehr gefährde die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, schade dem Klima und damit der Gesundheit der Menschen, betonte der ADFC in einer Pressemitteilung. Eine Verkehrswende würde gelingen, sollte in den Öffentlichen Personennahverkehrs sowie den Rad- und Fußgängerverkehr investiert werden.

Herne ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der fußgänger- und fahrradfreundlichen Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen. Deren Zielsetzung ist unter anderem ein Radverkehrsanteil von 25 Prozent bis zum Jahr 2030 – aktuell liegt er in Herne deutlich unter 10 Prozent. Tatsächlich setzt sich der ADFC dafür ein, dass der Anteil langfristig über die 25-Prozent-Marke hinaus weiterwächst. Die Vision ist ein enges Netz von Radwegen auf allen größeren Straßen mit fahrradfreundlichen Kreuzungen und Radstraßen, so dass Menschen jeden Alters jeden Stadtteil direkt und sicher mit dem Rad erreichen können. Dafür erarbeitete der ADFC einen Katalog mit 13 Maßnahmen.

Ein komplettes in sich geschlossenes Netz von Radverkehrsanlagen sei bislang auf Herner Stadtgebiet nicht entstanden, kritisiert der ADFC. Dieses sollte bis 2025 vorhanden und an die regionalen und überregionalen Radwege angeschlossen werden, so die Forderung. Planung und Finanzierung müsse der Rat der Stadt in den kommenden Jahren auf den Weg bringen.

Ein komplettes in sich geschlossenes Netz von Radverkehrsanlagen sei bislang auf Herner Stadtgebiet nicht entstanden, kritisiert der ADFC. Dieses sollte bis 2025 vorhanden und an die regionalen und überregionalen Radwege angeschlossen werden, so die Forderung. Planung und Finanzierung müsse der Rat der Stadt in den kommenden Jahren auf den Weg bringen.

Ein Problem: Die großen Verbindungsstraßen sind oftmals der kürzeste und schnellste Weg zum Einkauf oder zur Arbeit. Wer mehr Radverkehr möchte, wird nicht umhinkommen, diese mit Radwegen auszustatten und dafür Autospuren zu reduzieren. Wichtig sei es, dass der Umbau solcher Wege ohne großen Aufwand geschehe und so wenig Natur wie möglich dafür weichen müsse.

Aber nicht nur in diesem Punkt sei viel zu tun, betont der ADFC. An vielen Stellen seien bereits vorhandene Radwege in einem zum Teil desolaten Zustand. Damit verbunden sei eine höhere Gefährdungslage für Radfahrer zum Beispiel durch Schlaglöcher, Hindernissen unzureichende Bordsteinabsenkungen und schlechter Baustellenführung.

Gerade an Kreuzungen steigt das Unfallrisiko, da Radfahrer von Autofahrern häufig übersehen werden. Lösungen wären Tempo-30-Beschränkungen, getrennte Grünphasen und Abbiegeverbote für Lastwagen. Weitere Maßnahmen wären Tempo 30 im Umfeld von Schulen, Seniorenheimen und Krankenhäusern. Der Anteil an Fahrradstraßen könnte erhöht werden. Einbahnstraßen könnten unter Umständen für den Radverkehr geöffnet werden.

Häufig unterschätzt werden die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Radfahrern und Fußgängern. Darum sei es ratsam, beide Gruppen stärker zu separieren. Dies könne unter anderem mithilfe von sogenannten taktilen Streifen mit einer Breite von mindestens 30 Zentimetern geschehen.

Das Fahrradfahren in Herne wird häufig durch bauliche Schäden an den Radwegen erschwert. Im Rahmen einer regelmäßigen Wartung ließen sich viele dieser Schäden sicherlich schnell beheben. Zur Wartung gehört auch die Reinigung der Radwege. In Herne wird auf vielen Strecken weder Laub noch Schnee geräumt, so dass die Fahrbahn extrem rutschig wird. Auch deshalb fahren im Herbst und Winter deutlich weniger Menschen mit dem Rad.

Die Möglichkeit, Fahrräder sicher im öffentlichen Raum zu parken, muss in Herne stark verbessert werden. Auch E-Bikes und Lastenräder brauchen Platz. In den dicht bebauten Stadtbezirken gelingt dies nur auf Kosten von Parkplätzen von Autos. Ihre Zahl sollte vor allem im Umfeld von Krankenhäusern, Verwaltungen, Kultureinrichtungen sowie der beiden großen Herner Bahnhöfe geschehen.

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko sind Falschparker auf Radwegen. Sie zwingen Radfahrer in den fließenden Verkehr oder sogar in die Nähe von Straßenbahnschienen. Unfälle, die auf solche Umstände zurückzuführen sind, meldet die Polizei regelmäßig. Nur durch schärfere Kontrollen könnte diesem Missstand begegnet werden, betont der ADFC. Falschparker sollten konsequent abgeschleppt werden.

Laut Bundesverkehrsministerium sollten die Ausgaben bei Städten, die den Radverkehr adäquat fördern wollen, pro Jahr 13 bis 18 Euro pro Einwohner in die dafür notwendige Infrastruktur investieren. Haushaltsmittel sollten für eine stufenweise Umsetzung erforderlicher Maßnahmen eingeplant werden zum Beispiel in Form eines 5-Jahres-Plans. Leider fehle es an Personal, kritisiert der ADFC.

Die Stelle eines Radverkehrsbeauftragten ist in Herne seit geraumer Zeit unbesetzt, die Aufgaben werden derzeit von der Mobilitätsbeauftragten zusätzlich zu deren originären Aufgaben übernommen. Für einen Ausbau des Radwegenetzes müsse die Stadt mehr Planer beschäftigen, die über das nötige Wissen verfügen. Andere Städte hätten die Notwendigkeit zusätzlicher Radverkehrsplaner bereits erkannt, zum Beispiel bewilligte der Rat der Stadt Dortmund eine Aufstockung von 4,5 auf 14,5 Stellen. Herne solle mindestens zwei weitere Planer einstellen, so die Forderung des ADFC.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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