Anstoß im Trikot von Lutz Gerresheim

Unvergessen: Lutz Gerresheim. (Westfalia)
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  • Foto: Westfalia Herne
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Fußball: Auch 30 Jahre nach seinem Tod ist er unvergessen – Lutz Gerresheim. Westfalia Herne gedenkt vor dem anstehenden Revierderby gegen RW Essen seines ehemaligen Jugendnationalspielers.

von Ralf Jelitto

Nostalgie wird in diesen Tagen wieder ganz groß geschrieben, wenn der SC Westfalia sich für das zuschauerträchtigste Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte seit dem DFB-Pokalspiel gegen Erzgebirge Aue vor vier Jahren rüstet. Auch wenn die Meisterschaftspartie gegen RW Essen am 14. November nur auf dem Spielplan der 5. Liga steht, so ist beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Reviervereine seit 31 Jahren erstklassige Stimmung und Gänsehaut-Atmosphäre garantiert. Schließlich darf am Schloss Strünkede mit einer Kulisse gerechnet werden, die selbst einige Vereine in der 2. Bundesliga nicht erreichen.
Manch einer erinnert sich seufzend an die packenden Duelle zwischen Blau-Weiß und Rot-Weiß Ende der 70er Jahre in der damaligen 2. Bundesliga Nord. Mit drei Siegen und einem Remis schnitt der SCW seinerzeit äußerst erfolgreich ab. Doch auch die in dieser Saison so erfolgreichen Bundesligisten Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Hannover 96 und der FC St. Pauli kassierten zu Zweitliga-Zeiten empfindliche Niederlagen in Herne. Der VfL Wolfsburg, Deutscher Meister 2009 und aktueller Verein von Superstars wie Diego, Dzeko und Grafite, wurde von der Westfalia im Februar 1977 gar mit 8:2 aus dem Stadion gefegt. Die Treffer zum 6:1 und 7:1 erzielte für die Schlossherren damals ein erst 18-jähriger Stürmer namens Lutz Gerresheim.
Geboren am 19. September 1958, hatte sich Lutz Gerresheim schon mit sechs Jahren dem SCW angeschlossen, durchlief alle Jugendmannschaften der Westfalia und feierte in der Saison 1976/1977 seine ersten Einsätze im Profiteam der Herner. Allen war klar, dass hier ein ganz besonderes Talent heranreifte.
So buhlte bereits 1975 unter anderem der große Nachbar FC Schalke 04 um die Dienste des jungen Mannes – vergeblich! Dass man auch in Herne zum Jugend-Nationalspieler werden konnte, bewiesen seine 20 Einsätze in der DFB-Auswahl eindrucksvoll. Weil er einerseits echten Pop-Appeal versprühte, in seinen insgesamt 86 Zweitliga-Spielen aber ebenso vollen Einsatz, Lust und Leidenschaft zeigte, wurde das Ausnahme-Talent zum absoluten Publikumsliebling.
Als im Sommer 1979 nach der Goldbach-Pleite in Herne kein Profi-Spielbetrieb mehr finanzierbar war, musste Lutz Gerresheim notgedrungen doch den Verein wechseln. Aber auch in dieser Situation zeigte sich der Musik-Liebhaber bodenständig, indem er der großen Herner Sturm-Legende Jochen Abel zum VfL Bochum in die 1. Bundesliga folgte. Im Fußball-Oberhaus tastete sich Lutz Gerresheim mit fünf Hinrunden-Einsätzen langsam an den anvisierten Stammplatz heran, den ihm alle Experten mühelos zutrauten. Einer langen und erfolgreichen Bundesliga-Karriere stand nichts mehr im Wege. Eigentlich.
Doch das Leben ist nicht fair, wie Bochums berühmtester Barde Herbert Grönemeyer einst sang. Im Winter 1980 verunglückte der 21-jährige Jung-Fußballstar auf der spiegelglatten Universitätsstraße in Bochum mit seinem Auto so schwer, dass er seinen Verletzungen am 11. März 1980 erlag.
Seit 30 Jahren weilt Lutz Gerresheim nun schon nicht mehr unter uns – aber in der Herner Sportwelt ist sein Name noch immer jedem geläufig. In Gedenken an eines der größten Fußballtalente unserer Stadt wird sein Neffe Marc Gerresheim daher am 14. November um 14.30 Uhr im Spiel gegen RW Essen symbolisch den Anstoß ausführen. Im Trikot von Lutz Gerresheim, dem es sicher gefallen hätte, den SCW dann vor großer Kulisse siegen zu sehen.

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