Stramme Jungs on Tour

Selbstständiger geworden und ein tiefes Gemeinschaftsgefühl entwickelt: Die radelnden Jungs der Gesamtschule Wanne-Eickel und Betreuer Louis Maywald. Foto: Erler
  • Selbstständiger geworden und ein tiefes Gemeinschaftsgefühl entwickelt: Die radelnden Jungs der Gesamtschule Wanne-Eickel und Betreuer Louis Maywald. Foto: Erler
  • hochgeladen von Bernhard W. Pleuser

Schon nach 300 Metern drohte der 400-Kilometer-Radtour der 14- bis 15-jährigen Wanne-Eickeler Gesamtschüler fast das Aus. Aber dann entwickelte sich die Reise doch zu einem spannenden Gemeinschaftsabenteuer, auf das alle Beteiligten stolz sein können.

„Wir waren gerade losgefahren, als einem der Jungen die Kette absprang und er vor Schreck mit dem Rad gegen eine Laterne fuhr. Die stand zum Glück direkt vor einem Krankenhaus, so dass die medizinische Versorgung gesichert war“, berichtet der Betreuer der Gruppe, Louis Maywald.
Der 23-Jährige ist eigentlich Neuropsychologe, arbeitet aber als „Teach First Deutschland Fellow“ befristet an der Gesamtschule Wanne-Eickel. „Teach First Deutschland“, eine gemeinnützige Bildungsorganisation, schafft bessere Bildungschancen für benachteiligte Kinder und Jugendliche, indem sich zusätzliche kompetente Fachkräfte (Fellows) für zwei Jahre in Vollzeit an Schulen in sozialen Brennpunkten einsetzen. „Die Arbeit an der Schule“, erklärt Maywald, „ist besser, als jahrelang im Labor zu stehen.“
Die Radtour der strampelnden Jungs führte von Trier längs der Mosel nach Koblenz und von dort den Rhein entlang über Köln nach Duisburg und schließlich über Essen nach Wanne-Eickel. Um sich einzustimmen, unternahm die Radtour AG der Schule im Vorfeld mehrere kleinere Ausflüge, die unter anderem zur Zeche Zollverein und zur Kokerei Prosper führten.
Die „Trainings-Einheiten“ waren natürlich „Peanuts“ gegen die 400 Kilometer von der Mosel bis an die Ruhr. Maywalds Idee: „Die Schüler sollten die Möglichkeit bekommen, außerhalb der Schule Erfolge zu erzielen.“
Als Gepäck durften die elf Jugendlichen maximal eine Reisetasche und eine Fahrradtasche mitnehmen. Übernachtet wurde auf Zelt- und Campingplätzen. „Am freundlichsten wurden wir in Essen-Werden aufgenommen“, erinnert sich Maywald. Die Tagesetappen reichten von relativ unangestrengten 40 Kilometern bis zu schweißtreibenden 87 Kilometern.
Mit von der Partie war nicht nur der Lehrer Markus Kowalk, sondern auch ein Begleitfahrzeug, das der Kaiserslauterner Konni Schmidt steuerte, ebenfalls Lehrer von Beruf. Das Auto war voll gepackt mit Zelten, Ersatzteilen, Essen und natürlich allem, was man für die Erste Hilfe braucht.
„Nur am dritten Tag radelten die Jungs in eher gedrückter Stimmung“, gibt Maywald zu verstehen. „Es regnete in Strömen, sie waren sehr hungrig und mussten noch eine gehörige Strecke bis zum nächsten Zeltplatz zurücklegen.“
Vertragen haben sich die Jugendlichen sehr gut; es sei nur schwierig gewesen, sie „auf den Campingplätzen ruhig zu kriegen“, berichtet der aus Hamburg stammende Betreuer. „Die Gesamtschüler sind allesamt selbstständiger geworden“, fährt er fort, „sie wuchsen als Gruppe zusammen und machten die Erfahrung, dass sie etwas leisten können, wenn sie das nur wollen.“ Unter dem Strich, so Maywald, sei die Tour ein voller Erfolg gewesen.
Nach den Ferien ist auch für die „Teach First Deutschland“-Fachkraft erst einmal wieder das Klassenzimmer angesagt. Dann kümmert sich der 23-Jährige unter anderem in kleinen Lerngruppen um die Schüler – in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Bis er sich vielleicht wieder mit einer Gruppe von Schülern auf die Räder schwingt. Wir werden sehen!

Autor:

Bernhard W. Pleuser aus Essen-Kettwig

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