Frage der Woche: Wegschauen oder helfen? Sprechen wir über Zivilcourage!

Widerstand gegen das Nazi-Regime: Die weiße Rose steht für Zivilcourage und Opferbereitschaft.
  • Widerstand gegen das Nazi-Regime: Die weiße Rose steht für Zivilcourage und Opferbereitschaft.
  • hochgeladen von Jens Steinmann

An einem frühen Sonntagmorgen stehe ich nach einer Feier in der überfüllten S-Bahn nach Herne. Mit mir im Abteil: Vier junge, deutlich angeheiterte Männer, ein älterer Herr, bepackt mit Pfandflaschen, die er offenbar mühselig gesammelt hat. Alles ist in Ordnung, bis die vier Jungs den Flaschensammler anpöbeln, ihn mit Worten erniedrigen. Niemand der Umstehenden reagiert. Was tue ich jetzt? 

Jeder kennt solche Situationen aus seinem Alltag: Da ist vielleicht die Kollegin, die ständig den Altherrensprüchen des Chefs ausgesetzt ist, der Junge im Rollstuhl, der von seinen Mitschülern gehänselt wird oder der gute Freund, der gemeine Witze über Homosexuelle macht. Zivilcourage zu beweisen ist nicht leicht. Stehe ich vielleicht ganz allein da, wenn ich jetzt den Mund aufmache? Stoße ich jemanden vor den Kopf, der mir viel bedeutet? Bringe ich mich vielleicht selbst in Gefahr? Es zeigt sich, dass sich viele Menschen doch trauen, den Mund aufzumachen, wenn der erste Schritt einmal getan ist. 

Zivilcourage, aber richtig!

In der S-Bahn treffe ich schließlich die Entscheidung, das Gepöbel der Jungs nicht länger zu ertragen. "Zivilcourage!", sage ich mir. Ich mische mich ins Gespräch ein, habe aber überhaupt keinen Plan. So beleidige ich die Jungs schließlich als "eklige Schmierlappen" und fordere sie auf, das Maul zu halten. Welch Blödheit! Die Pöbler lassen zwar vom Flaschensammler ab, signalisieren aber jetzt die Bereitschaft, mir heftig ins Gesicht zu schlagen. Das Ende vom Lied: Der Flaschensammler schafft es mit großer sozialer Kompetenz, die Schmierlappen zu beruhigen, indem er sich wieder ihren Pöbeleien aussetzt und Juxe macht. Als ich mit ihm aussteige, sagt er mir "Junge, wenn du Zivilcourage machen willst – schön. Aber mach es auch richtig!"

Ganz ohne Zweifel brauchen wir in unserer Gesellschaft mehr Zivilcourage. In dieser Woche möchten wir mit euch über eure Erfahrungen sprechen. Wann habt ihr Zivilcourage bewiesen? Habt ihr euch schon einmal von euren Mitmenschen im Stich gelassen gefühlt? Oder habt ihr den Mund gehalten, als ihr eigentlich hättet widersprechen sollen? Kann man Zivilcourage üben? Wir sind gespannt auf eure Kommentare und Geschichten!

Achtung: Ihr möchtet eine Geschichte loswerden, aber traut euch nicht, sie unter eurem Namen zu veröffentlichen? Bitte schickt uns eine Mail an service@lokalkompass.de, die Redaktion prüft dann, ob sie die Geschichte anonym postet.

Autor:

Jens Steinmann aus Herne

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