Gewerkschaft warnt vor Corona-Folgen in der Baubranche
Pandemie killt Ausbildung

Eine Nachwuchs-Krise kann sich unsere Volkswirtschaft nicht leisten. Auch wenn viele Firmen jetzt große Einbußen zu verkraften haben, wäre ein Sparen an Auszubildenden ein Sparen am falschen Ende. Foto: Archiv Wochenblatt
  • Eine Nachwuchs-Krise kann sich unsere Volkswirtschaft nicht leisten. Auch wenn viele Firmen jetzt große Einbußen zu verkraften haben, wäre ein Sparen an Auszubildenden ein Sparen am falschen Ende. Foto: Archiv Wochenblatt
  • hochgeladen von Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt)

Schulabgänger und Auszubildende könnten zu den größten Verlierern der Corona-Krise gehören. Davor warnt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Von der Entwicklung betroffen ist mittlerweile auch die Baubranche, die zunächst gut durch die Krise gekommen war.

Nach vorläufigen Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft sank die Zahl der jungen Menschen, die bis zum 30. September eine Ausbildung begonnen hatten, um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Hochbau lag der Rückgang sogar bei knapp elf Prozent. "Immer mehr Firmen fahren die Ausbildung wegen unsicherer wirtschaftlicher Perspektiven drastisch zurück. Die Pandemie dürfte deshalb den ohnehin eklatanten Fachkräftemangel insbesondere auch im Handwerk weiter verschärfen", befürchtet Robert Feiger, Chef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).
Die Bundesagentur für Arbeit hatte bereits im August vor deutlichen Corona-Folgen gewarnt. Die Zahl gemeldeter Plätze im zurückliegenden Ausbildungsjahr war demnach bereits um 7,7 Prozent zurückgegangen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung rechnete damals bei einem pandemiebedingten Einbruch der Wirtschaftsleistung um 7 Prozent mit dem Verlust von 40000 Ausbildungsplätzen. "Schon vor Corona haben viele Betriebe die Berufsausbildung schleifen lassen. Seit Jahren sinkt die Ausbildungsquote. In der jetzigen Krisensituation rächt sich das", so Feiger.
Die Bauwirtschaft stehe im Branchenvergleich noch relativ solide da. Allerdings herrsche schon seit langem ein großer Mangel an Fachkräften. Getrieben durch den Bau-Boom würden zum Beispiel Maurer und Zimmerleute vielerorts händeringend gesucht, ebenso Gleisbauer.
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft warnt davor, die Ausbildung weiter zurückzufahren: "Eine Nachwuchs-Krise kann sich unsere Volkswirtschaft nicht leisten." Auch wenn viele Firmen jetzt große Einbußen zu verkraften haben, wäre ein Sparen an Auszubildenden ein Sparen am falschen Ende. "Wir können uns keinen Corona-Verlierer-Jahrgang erlauben." An Bund, Länder und Kommunen appelliert Feiger, die Ausbildungstätigkeit durch Investitionen zu flankieren. Trotz klammer Kassen wäre die Rückkehr zur schwarzen Null ein großer Fehler. "Wichtige Zukunftsinvestitionen etwa ins Schienennetz, in Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Radwege dürfen Corona nicht zum Opfer fallen. Der Verschleiß der öffentlichen Infrastruktur kommt die nächste Generation teuer zu stehen", so Feiger weiter.
Der Vorsitzende verweist auf weitere Folgen der Krise für Berufsstarter: "Firmen bieten nicht nur weniger Ausbildungsplätze an. Auch Praktika für Schüler sind aktuell kaum zu bekommen. Und an den Schulen liegt die Berufsorientierung de facto brach." Darunter leide die gesamte duale Ausbildung, die zusätzlich vom Trend zum Studium betroffen sei. Und angesichts steigender Infektionszahlen könnte es erneut zu Schließungen der Berufsschulen kommen, warnt Feiger. Bereits im Frühjahr und Sommer waren im Zuge der Pandemie zahlreiche Kurse und Prüfungen ausgefallen.

Autor:

Elmar Koenig (Redaktion Wochenblatt) aus Herne

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