Mein persönlicher Nachruf für meine Tante Edith Borninghoff
Auf Wiedersehen Edith

In der Salzgrotte
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Jeder Mensch hat viele Facetten und ist oft im Leben Tochter, Enkelin, Schwester, Mutter, Oma, Tante, Cousine, Nichte, Freundin und Bekannte. Wenn nun jemand stirbt, finde ich es schön sich zu erinnern, welche Rolle er im Leben des Hinterbliebenen spielte. 

Am Montag war die Urnenbeisetzung meiner Tante Edith.

Da auf das anschließende Kaffee trinken verzichtet wurde, finde ich sie hat einen Nachruf mit einigen Erinnerungen verdient.

Edith war die jüngste Schwester meiner Mutter, nur 14 Jahre älter als ich. Für mich war sie früher die Mittlerin zwischen den Generationen. 
Meine ersten Erinnerungen an sie beginnen damit, dass ich sie in den Turnverein begleitete. Als kleiner Anstandswauwau sozusagen. Sie leitete eine Gruppe und ich war unsagbar stolz auf meine, wie ich fand wunderschöne Tante wie sie das Tamburin schlug. So ergab es sich (ich erzählte nie von ihrem Verehrern und bekam daher eine kleine Süßigkeiten spende) dass ich sie fortan öfter begleitete.
Dann heiratete Edith und bekam ihren ersten Sohn. Den durfte ich schon mit elf Jahren baden, füttern und wickeln, war ich stolz.
Bei meiner nächsten Erinnerung war ich zwölf Jahre alt und hatte Mumps. Allein lag ich daheim auf dem Sofa und bedauerte mich. Da schellte der Postbote und brachte eine große Schachtel Pralinen von meiner Tante, ich habe das nie vergessen.
Edith brachte ihren zweiten Sohn zur Welt.
Zu meinem sechzehnten Geburtstag schenkte sie mir einen Karo Rock. Leider wie von meiner Mutter gewünscht knielang, ich war enttäuscht. Meine Tante grinste und flüsterte mir ins Ohr: "Den kannst du umschlagen in der Taille." So ging ich züchtig knie bedeckt aus dem Haus und im angesagten Mini zur Arbeit. Tantchen sei Dank.
Als Edith zum dritten Male schwanger wurde tat ich es ihr nach. Ihr dritter Sohn wurde im März geboren und ich bekam mein erstes Kind im April. 
Nun hatten wir wenig Zeit für einander, erst als vor zwölf Jahren mein Onkel starb, verbrachten wie wieder viel Zeit miteinander. Wir telefonierten stundenlang, sie besuchte uns jeden Monat und auch einige Tage im Urlaub. 
Warum ich sie nicht Tante nenne? Das wollte sie nicht, sie fühlte sich dann zu alt.
Ach Edith, du wirst mir fehlen, besonders jeden Samstag Morgen an dem wir als Frühaufsteher schon um sieben Uhr telefonierten.

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