Serie: Kultur im öffentlichen Raum - Heute: Das Mädchen mit der Taube - Gastbeitrag von Gregor Spohr
Körner vor der Kirche

Die Hertener lieben ihr Mädchen mit der Taube - so sehr, dass ab und an schon einmal ein Schal gespendet wird, wenn es kalt ist.
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  • Die Hertener lieben ihr Mädchen mit der Taube - so sehr, dass ab und an schon einmal ein Schal gespendet wird, wenn es kalt ist.
  • Foto: Seiffert
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Im Sommer fällt es unter dem dunklen Blätterdach der großen Platanen auf dem Vorplatz der St. Antonius-Kirche kaum auf: Das „Mädchen mit Taube“. Ganz fest und ruhig steht es da auf der kleinen, runden Bronzeplatte und betrachtet die Taube, die auf ihrem rechten Handgelenk Platz genommen hat. Das Tier schaut aufmerksam auf die linke Hand des Mädchens. Werden dort noch ein paar Körner angeboten?

von Gregor Spohr

Es soll schon vorgekommen sein, dass Vogelfreunde dem Mädchen ein paar Maiskörner in die Hand gelegt haben und sich weitere Tauben dazu gesellten. Echte Tauben. Denn das Mädchen dort vor der Kirche ist ebenso wie ihre Taube aus Bronze, gestaltet von der Bildhauerin Annette Wittkamp-Fröhling. Die Künstlerin hat die Bronzeplastik 1986 entworfen. 1990 wurde die Arbeit auf dem kleinen Platz aufgestellt.
Eine Taube findet man auf vielen Kunstwerken in Herten. Kein Wunder, denn der Vogel steht nicht nur für Frieden sondern auch für ein ganz besonderes Hobby der Bergleute: die Zucht von Brieftauben. Als um 1900 die Bergbau-Siedlungen in Herten und im gesamten Ruhrgebiet entstanden, hatten praktisch alle Häuser einen Garten für den Anbau von Gemüse, einen Stall für Ziegen oder Kaninchen und einen „Schlag“ – einen Taubenschlag. An jedem Wochenende wurden die „Rennpferde des kleinen Mannes“ auf die Reise geschickt. Ihre Züchter organisierten sich in Vereinen und gründeten 1927 in der Gaststätte Ennemann auf der Ewaldstraße die Reisevereinigung Herten. Mit dem Sterben des Bergbaus ging auch das Interesse am Taubensport zurück. Aktuell listet die Reisevereinigung auf ihrer Homepage noch fünf Vereine auf.
Das Bronzemädchen mit seiner Taube sollte ursprünglich einen Platz in der Mitte eines kleinen Brunnens finden. Darauf wurde mit Blick auf die hohen Betriebskosten verzichtet. Zum Glück. So steht die im figürlichen Realismus gestaltete kleine Plastik wie selbstverständlich da auf dem Pflaster vor der Kirche. Seit über 30 Jahren gehört sie einfach dazu, fällt beim Vorübergehen kaum noch auf.
Ihre Schöpferin Annette Wittkamp-Fröhling stammt aus Olfen. Schon mit 15 Jahren erhielt sie bei Karl Odenbreit in Datteln und Norbert Ahlmann in Lüdinghausen Unterricht, ehe sie mit 16 Jahren an der Essener Folkwangschule bei Adolf Wamper ein Studium der Bildhauerei begann und 1967 erfolgreich abschloss. An zwei Gymnasien in Lüdinghausen unterrichtete sie Kunst, arbeitete als freie Bildhauerin und gründete 1976 ihre erste Galerie in Lüdinghausen, die heute noch besteht. Dort an der Seppenrader Straße stellt sie ihre eigenen Arbeiten aus und die Bilder ihres Mannes, des Malers und Dichters Frantz Wittkamp.
In Lüdinghausen und Umgebung findet man mehr als 20 Bronzeplastiken von Annette Wittkamp-Fröhling – vom Kiepenkerl vor der Burg Vischering bis zum Geldzähler vor der Volksbank.
Ihr Mädchen mit Taube könnte schon bald mehr als heute ins Auge fallen, wenn Platz und Straße vor der Kirche im Rahmen des Programms „Der Park kommt in die Stadt“ umgestaltet werden. Hoffentlich gelingt es, gleichzeitig die Stille zu erhalten, die man heute beim Verweilen dort genießen kann.

Die Hertener lieben ihr Mädchen mit der Taube - so sehr, dass ab und an schon einmal ein Schal gespendet wird, wenn es kalt ist.
Gregor Spohr
Autor:

Lokalkompass Herten aus Herten

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