Der Schweizer Werner Steiner sammelt Zeitungen - auch den Stadtspiegel

Werner Steiner sammelt Zeitungen aus aller Herren Länder. Seine Anfrage nach der Zusendung eines Hertener Stadtspiegels, um diesen seiner üppigen Kollektion hinzufügen, beantworteten wir natürlich gern mit einem druckfrischem Exemplar.
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Zeitungen sind die Sekundenzeiger der Geschichte - sagte Schopenhauer. Bei Werner Steiner aus der Schweiz muss es dementsprechend richtig ticken. Steiner ist ein Sammler. Und wie jeder Sammler ist er auch ein Jäger, ein Jäger der besonderen Schätze - Schätze, die Druckerschwärze an seinen Fingern hinterlassen.

Werner Steiner sammelt Zeitungen aus aller Herren Länder. Seine Anfrage nach der Zusendung eines Hertener Stadtspiegels, um diesen seiner üppigen Kollektion hinzufügen, beantworteten wir natürlich gern mit einem druckfrischem Exemplar. Die Jagd war also wieder einmal erfolgreich. "Seit vielen Jahren sammle ich aus allen Ländern gedruckte Zeitungen. So auch aus Deutschland", erzählt der Züricher im Gespräch. Doch, woher kommt die Affinität zum Blätterwald?
"Mein Vater war Buchdrucker und Grafiker, meine Mutter Buchbinderin", erinnert er sich. Als Kind durfte er sie oft in der Druckerei besuchen. Dazu kam, dass ein Freund seines Vaters Setzer bei der Neuen Züricher Zeitung war, ein traditionsreiches Medium, das 1780 zum ersten Mal gedruckt wurde. "Dazumal wurde die Zeitung vollständig am Hauptsitz am Zürich-Bellevue - mit Bleisatz - hergestellt. Zuschauen, wie die Zeitung entsteht, das war für mich immer aufregend, interessant und eindrücklich." Das habe sich bis heute auch nicht geändert. Das „fahrende“ Papier in den Druckmaschinen klinge für Steiner, der somit quasi mit der Druckerschwärze aufgewachsen ist, "wie Musik".
Zeitungen haben ihn auch deshalb fasziniert, weil sie „handlich, sachlich, bildlich“ informierten. "Sie tun das heute immer noch. Jedoch haben sich ihr Rahmen, das Umfeld, die Möglichkeiten stark verändert."

Über 1900 Exemplare angesammelt

Die Faszination zu den Printmedien haben - immer noch - viele Menschen, doch nicht jeder startet gleich eine Sammlung. "Durch meine Arbeit in der Fluggesellschaft Swissair von 1983 bis 2000 kam ich in Kontakt mit Zeitungen aus aller Welt. Damals bekamen die Passagiere noch Gratis-Zeitungen. So hatte ich die Möglichkeit, viele
verschiedenen Zeitungen aus der ganzen Welt zu betrachten, zu beurteilen und zu vergleichen."
Diese einmalige Vielfalt legte den Grundstein und war somit 1983 der Beginn seiner Zeitungssammlung. Erst sammelte Werner Steiner nur die Zeitungsköpfe. Doch, wie es in den Genen eines Jäger und Sammlers liegt, wollte er mehr. "Später und bis heute sammle ich, aus Platzgründen, die erste Doppelseite des ersten Bundes. Aus diesen zwei Seiten lassen sich alle wichtigen Informationen einer Zeitung herauslesen." Aufmachung, Erscheinen, Druckqualität. Der journalistische Inhalt ist für den Sammler also erst einmal zweitrangig.
Über 1900 Exemplare hat Werner Steiner mittlerweile angesammelt. "Das ist jedoch eine kleine Zahl. Weltweit erscheinen mehr als 10.000 Zeitungen." Und was sind seiner Meinung nach richtig gute Zeitungen? "Von all den vielen und guten Blättern gehören für mich die Helsingin Sanomat, Die Zeit, die SZ, die TNYZ, NZZ am Sonntag und die NZZ zu den wohl besten Zeitungen. Sei es vom Inhalt, sei es von der Aufmachung her."
Auf Seltenes ist Steiner übrigens gar nicht aus - eine rare Einstellung für einen Sammler. "Ich besitze nur wenige seltene Exemplare. Die, dann aber immer wenn möglich mit allen Seiten", berichtet er. "Die Ausgabe der Turun Sanomat aus Finnland vom 10. September 1941 zählt dazu." Erst- oder Letztausgaben seien natürlich etwas ganz Besonderes. Die erste „NZZ am Sonntag“ vom
17. März 2001, besitzt er, genauso wie die letzte täglich gedruckte Ausgabe von „The Guardian“ aus England.
Wenn Werner Steiner von Zeitungen schwärmt und erklärt, warum er sie einem Computer oder Tablet vorzieht, kommt das einer Liebeserklärung gleich. "Ich halte die Zeitung gefühlvoll in der Hand. Sogleich riecht es nach Druckerschwärze. Das Einsaugen dieses ganz bestimmten Duftes, aus dem die Nachrichten und Geschichten entspringen, ist ein unwahrscheinlicher Moment. Er lässt die Sinne jauchzen."
Und am Ende des Tages - und das ist die Moral von der Geschichte - wird beim Lesen einer Zeitung aus dem Jäger und Sammler aus Zürich ein echter Romantiker.

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