Eine Elfengeschichte
Eiskalt!

Eiskalt!
Sie war die dreizehnte Tochter der Herbstfee, deren Name war Dariawida. Wie ja nun jeder weiß, bedeutet die Zahl dreizehn Unheil. In keinem Krankenhaus, in keinem Hotel findet man ein Zimmer mit der Nummer dreizehn. Die Herbstfee ahnte es. Seufzend betrachtete sie nach der Geburt ihr entzückendes Töchterchen. Dann fasste sie einen Entschluss, sie würde kämpfen. Was in ihrer Macht stand und das war wahrlich nicht wenig, würde geschehen um diesem Kind ein schönes Leben zu bereiten.

So wie es die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt, so gibt es auch die entsprechenden Jahreszeiten Elfen. Die Frühjahrs Feen werden von den entsprechenden Blumen eingekleidet, Da gibt es weiße Kleidchen aus Schneeglöckchen Blättern, bunte aus Krokussen oder Tulpen. Im Sommer bekommen die Elfenkinder welche aus Moosröschen, während die Elfendamen Edelrosen tragen. Im Herbst geben die bunten Dahlien und Astern den Ton an. Im Winter trägt man als Elfe von Welt Christrose, oder Weinachtstern. Die ganz Vornehmen tragen zarte Gespinste aus Schneeflocken und Eiskristallen.

Jeder weiß nun, dass Elfen klein sind und weil es so viele gibt, halten sie keinen Winter- sondern Jahreszeiten Schlaf. So kommt es, dass man Herbstelfen eben nur im Herbst antrifft.

Das kleine neugeborene Elfchen bekam den Namen Ariana, was so viel bedeutet, sie hat ihren eigenen Kopf. Ihr Kleidchen bekam sie von ihrer Patentante, einer der seltenen Astern, die zweifarbig blühen, in Himbeerrot und Lila.

Entgegen aller Sorgen von Mama Dariawida und ihrer Patentante Zwieasteria wuchs Ariana unbeschwert und glücklich auf. Der Blütennektar ihrer Patentante ließ sie gedeihen und zu einem reizenden Elfenmädchen heran wachsen. So schnell verging die Zeit und bald rief Dariawida ihre Kinder zu sich und bereitete sie auf den kommenden Winterschlaf vor. Die Blätter hatten sich bunt gefärbt und vor allem am Morgen fröstelte man schon. Während nun alle zwölf Kinder Dariawida in die Höhle folgten......Moment mal, zwölf Kinder? Ja genau, Ariana dachte gar nicht daran sich in die dunklen, warmen Höhlen zurück zu ziehen und zu schlafen. Das Leben war viel zu aufregend.

Unterdessen war Dariawida mit ihren Kindern in der ihr zugeteilten Felsengrotte angekommen. Jedes Kind bekam sein Bettchen und sofort fielen ihnen die Äuglein zu. Doch was war das? Ein Bettchen war leer.
Verzweifelt eilte Dariawida durch die vielen Gänge wieder zum Eingang, doch die Höhle war schon versperrt und die Wache weigerte sich sie vor dem Frühjahr wieder zu öffnen. Ach, sie hatte es geahnt, arme Ariana.

Währen dessen tobte Ariana draußen herum. Sie unterhielt sich mit Igeln und Eichhörnchen. Niemand rief sie zur Ordnung, sie war frei. Einige Tage gefiel ihr dieses Leben, aber dann begannen die Tage kürzer und kälter zu werden und Ariana fror in ihren dünnen Astern Blätter Kleidchen. Ach je, hätte sie doch nur auf ihre Mutter gehört, dann läge sie nun warm und weich auf ihrer Moos Matratze unter ihrem Heu Bettchen schliefe und träumte von den nächsten warmen Herbsttagen. Sie schloss die Augen und Tränen liefen ihr über ihre eiskalten Wangen.

Etwas stupste sie an, erschrocken fuhr sie zusammen und sah neben sich eine weiße Taube. „Ruckuh, warum schläfst du nicht? Du müsstest längst in der Höhle sein.“ Ariana schluchzte. „Ich weiß doch, ich wollte doch nur noch ein wenig spielen.“ Schuldbewusst blickte sie auf ihre dünnen, geflochtenen Gras Schühchen. Die Taube, sie hieß übrigens Kassandra seufzte. „Na komm, klettere auf meinen Rücken, ich nehme dich mit in mein Nest, deine Flügel sind ja von der Kälte ganz steif.

Dankbar kletterte Ariana auf ihren Rücken und kuschelte sich in die weichen Federn. Kassandra wusste, es würde viel Arbeit auf sie zukommen, wenn sie das Herbstelfen Mädchen durch den Winter bekommen wollte. Kassandra flog mit dem sehr blassen frierenden Elfchen los und brachte sie in ihr Nest. Dort rupfte sie sich mit ihrem Schnabel Federn und Flaum aus und deckte Ariana damit zu. Die seufzte erleichtert und schlief fast auf der Stelle ein, denn es war ja Zeit für ihren Winterschlaf. Kassandra schüttelte den Kopf und dachte nach. Zuerst musste sie für wärmere Kleidung sorgen. Das war kein Problem. Bauer Klein hatte Kaninchen und da lag immer ein wenig von deren Wolle neben den Käfigen. Kassandra würde nur die schöne weiße nehmen und daraus ein Mäntelchen weben. Sie würde mit ihrer Freundin Elvira aus der Wolle einen Strang drehen, indem jede ein Ende im Schnabel hielte und mit dem Köpfchen drehte. Danach würden sie Annelie, eine weitere Freundin hinzuziehen. Jede bekam einen Strang und sie würden flechten. Später musste Klara, die Spinne ran, sie musste die Zöpfe zusammen weben. Zuerst aber rief sie alle Tiere zusammen und berichtete von Ariana. „Wenn sie erwacht, wird sie Hunger haben, bitte tragt zusammen was ihr entbehren könnt“, bat sie alle.

Hilfsbereit machten sich alle Tiere daran Kassandras Wunsch zu erfüllen. Da waren die Eichhörnchen, die mit Nüssen herbeieilten. Vögel brachten die begehrten Bucheckern,nahrhaft und lecker. Einige kamen mit Brombeeren und Sanddorn angeflogen. Kassandra war überwältigt von der Hilfsbereitschaft, stand doch der Winter vor der Türe und alle brauchten dringend Vorräte. Trotzdem sammelten sie für das kleine Elfenmädchen.

Nach einer Woche erwachte Ariana und staunte, sie aß und trank das frische Quellwasser, dass die Vögel in halben Nussschalen herbei gebracht hatten. Dann zog sie den wundervollen weißen, flauschigen Wintermantel an. Von einer Wäscheleine hatte Kassandra noch ein Mützchen und einen Schal gemopst. Im Frühjahr würde sie die Sachen zurück geben. Wohlig stöhnte Ariana und sank sofort wieder in einen tiefen Schlaf. So vergingen einige Wochen und dann, eines Morgens erwachte Ariana und alles war weiß. Traum schön sah die Welt aus, doch als sie etwas von dem weißen Flaum, der auch den Rand des Nestes bedeckte anfasste merkte sie die Kälte und schauderte. „Wie kann etwas so wunderschön und gleichzeitig so grausam kalt sein“, wollte sie wissen? „Schnee“, klärte Kassandra sie auf, man nennt das Schnee.

Die Wochen gingen dahin und der Schnee schmolz wieder. Die rauen Winde ließen nach und es streckten die Schneeglöckchen ihre Köpfchen aus der Erde. Zeit für die Frühlingselfen. Die ersten tollten schon über die Wiesen. Als man die Felsenhöhlen geöffnet hatte, stand Dariawida schon dort und als eine der Ersten lief sie hinaus. Obwohl sie nicht glaubte, dass Ariana diesen Winter überlebt hatte rief sie immer wieder ihren Namen. Plötzlich tauchte einen schneeweiße Taube auf. „Dein Kind ist bei mir“, rief sie der Elfenmutter zu. „Es geht ihr gut.“ Dariawida wusste sich vor Freude nicht zu fassen. Sie stieg auf Kassandras Rücken und flog mit ihr zu ihrem Nest. Dort erwartete sie ein gut eingemummeltes Elfenkind, mit roten Schlafwangen. Sie herzte und küsste ihr Mädchen und wusste sich vor Freude nicht zu lassen. „Herzlichen Dank, liebe Kassandra, nun nehme ich sie mit in die Höhle, wir sehen uns im Herbst wieder, dann gebe ich für alle so hilfsbereiten Tiere ein großes Fest. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.
By Gitte

Autor:

Gitte Hedderich aus Herten

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