Wehe, wenn du alt wirst in Deutschland!
Ein Senioren Schicksal!

Das ist die Geschichte meiner Schwiegermutter, Frau E. H. Aus Borken.
Bis zu ihrem 93. Lebensjahr war sie einigermaßen mobil. Sie besaß ein kleines Behinderten Auto mit dem sie ihre Einkäufe tätigte und war im übrigen beschäftigt mit ihrer imposanten Tomatenzucht und den Kochen aufwendiger Gerichte. Essen war ihre Leidenschaft. Danach vermehrten sich ihre körperlichen Beschwerden.

Die Knie (sie besaß seit langem zwei neue Gelenke) spielten nicht mehr so ganz mit. Das Gehör ließ rapide nach (sie trug zwei Hörgeräte) und auch das Sehen verschlechterte sich beständig. Netzhautablösung, irreparabel)

Nach einer Darm OP wurde es ganz schlimm. Mittlerweile war sie 95 Jahre alt. Im Krankenhaus räumte man ihr keine Chance auf Genesung ein. Dennoch kam sie wieder auf die Beine und das Thema Seniorenheim stand nun plötzlich im Raum. Sie wehrte sich und wollte auf keinen Fall ihre Eigenständigkeit aufgeben. So beschlossen mein Mann und ich ihr das Bleiben in ihren geliebten vier Wänden zu ermöglichen. Sie schlief sehr viel, daher beeinträchtigten sie das schlechte Hören und Sehen nicht allzu sehr.

Wir organisierten nun die Caritas, die fortan zweimal täglich kam, zum Stützstrümpfe anziehen, zweimal Wöchentlich duschen und die Medikamentengabe. Zudem bekam sie Essen auf Rädern und einen Notruf. Beim Einkaufsdienst stand sie auf der Warteliste.

Den Rest erledigten wir, indem wir einmal pro Woche nach Borken fuhren (jede Fahrt 50KM)Unsere Aufgabe war es Einzukaufen, Abgelaufene Lebensmittel zu entsorgen, jedes Quartal die Krankenkarte beim Doktor einzuscannen zu lassen, die Apotheken Rechnung monatlich zu bezahlen, Arzttermine mit ihr wahrzunehmen, den Hörgeräte Akustiker zu bestellen und uns um die Fußpflege zu kümmern. Das Putzen besorgte eine Zugehfrau.

Ein Jahr lang klappte das, dann hatte mein Mann diesen Unfall. Die obere Verdickung des Oberarmknochens war im Schulterbereich abgebrochen und zudem gab es einen Haarriss. Fünf Wochen wurde der rechte Arm nach der Gilchrist Methode am Körper fixiert. Auto fahren war nicht möglich. Einen Tag nach dem Unfall meines Mannes rief die Caritas an und informierte uns meine Schwiegermutter sei ebenfalls im Krankenhaus. (Noteinweisung nur mit dem, was sie auf dem Leibe trug.) Man befahl mir ihr Kleidung zu bringen, ich informierte mich und sah, eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauerte über 3 Stunden. (Schwiegermutter wohnt außerhalb in einem Industrie Gebiet). Da mein Mann mich permanent brauchte lehnte ich ab. Ob ich die Vormundschaft übernehmen wolle, wurde ich gefragt und musste auch dies wegen der nicht einzuschätzenden Länge seines Ausfalls ablehnen. Nun nahm das Schicksal seinen Lauf.

Nach dem Krankenhaus Aufenthalt war eine Verhinderungspflege angesetzt. Eine Bekannte informierte mich dann, meine Schwiegermutter habe einen amtlichen Vormund bekommen. Auf Nachfrage in der Klinik bekam ich Namen und Adresse. Frohen Mutes setzte ich mich mit Frau in Verbindung im Glauben, diese übernehme nun unsere Aufgaben für eine Weile. Die erste Frage, die sie stellte war die nach dem Kontostand meiner Schwiegermutter. Sie solle sich doch bitte zuerst einmal um unsere Mutter kümmern, bat ich sie und ihr Kleidung aus der Wohnung holen. Das sei nun nicht ihre Aufgabe, wies sie mich zurecht. Woraus bestehe die denn, wollte ich wissen. In erster Linie aus dem Aufenthaltsbestimmungsrecht bekam ich zur Antwort. Meine Schwiegermutter will aber nicht in ein Seniorenheim ließ ich sie wissen, was wenn sie sich sträubt? Das teile ich ihr mit und dann entziehe ich mich der Situation antwortete sie. Was wohl nichts anderes heißt, sie wirft sie ins Wasser und um die Schreie dürfen wir uns dann kümmern? Was ist mit Kleidung, hakte ich nach. Wenn sie etwas braucht, dann bestelle ich das, hörte ich von ihr. Halloooooooo? Meine Schwiegermutter besitzt 4 doppeltürige Kleiderschränke voller Klamotten. Ist das zu fassen?
Was ist denn mit dem Geld, das sie in der Wohnung gehortet hat und ihrem immensen Schmuck, hakte ich listig nach. Ja dann müssen wir uns in der Wohnung treffen. Aha, auf einmal, nein nun aber gerade nicht.

Man redet heute so viel von Selbstbestimmung, Empathie usw. Wofür steht das? Tierliebe? Kinderschutz? Armut und Migranten? Und was ist mit den Senioren?

Bitte stellt euch einmal vor, ihr seit alt, habt euer Leben lang gespart und dann ist plötzlich alles weg. Geld, Schmuck, Wohnung ect. Und euer Leben das ihr bislang in knapp 100QM führtet beschränkt sich nun auf ein Zweibettzimmer in Seniorenheim. Schrecklich oder?

Autor:

Gitte Hedderich aus Herten

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