Schmucklos

Als meine Frau am vergangenen Montag unseren Christbaum entschmückte , ahnte sie nicht, dass ihr wenige Stunden später Ähnliches widerfahren würde. Nachdem wir sämtliche Räume von Rauschgoldengeln, Räuchermännchen und sonstigem Festtagskitsch befreit hatten, wollten wir un­bedingt an die frische Luft, um uns ein wenig die Beine zu vertreten. Bei unserer Rückkehr machten wir die bittere Erfahrung, dass auch außerhalb der Weihnachtszeit mit Überraschungen und Be­scherungen zu rechnen ist. Man hatte uns während der zweistündigen Abwesenheit ausgeraubt und hierbei ein Chaos hinterlassen, das selbst die permanent herrschende Unordnung in meiner damaligen „Junggesellen-Bude" deutlich übertraf.

Sämtliche Schranktüren und Schubladen waren weit geöffnet und die Fußböden erinnerten an die Wühltische im Schlussverkauf. Ein Wirrwarr an Wäsche- und Kleidungsstücken – garniert mit zahlreichen Büchern und leeren Schmuckkästchen – ein Anblick, der sich für immer einprägen wird. Sozusagen als Leistungsprämie konnten sich die Eindringlinge eines hohen, haushaltsunüblichen Geldbetrags erfreuen, wohlverpackt in einem Umschlag, den meine Frau „sicherheitshalber“ in ihrer Nachtkonsole deponiert hatte. Und dann erfuhren wir von den schnell eintreffenden Polizisten, dass gerade das Schlafzimmer der mit Abstand unsicherste Aufbewahrungsort für Wertgegenstände sei.. Diesen Raum könne man nahezu geräuschlos durchsuchen, wohingegen Küchen bei diesen Blitzeinbrüchen eher selten heimgesucht würden, weil klapperndes Geschirr und scheppernde Bratpfannen der Wirkung einer Alarmanlage gleichkämen.

Und als dann kurz darauf die Spurensicherung eintraf und wir sie live bei ihrer Arbeit beobachten konnten, vergaßen wir für einige Momente, dass wir die betroffenen Opfer waren und wähnten uns als Zuschauer eines Krimis, in dem ständig Gegenstände nach irgendwelchen Fingerabdrücken abgepinselt werden. Doch gab es hier keinerlei Werbeeinblendungen – was wir sahen, war bittere Realität. Mittlerweile deutet bei uns nichts mehr auf den Einbruch hin. Die Versicherung wird einen Teil des Schadens regulieren und wir werden die zum Garten führende Tür sicherheitstechnisch hochrüsten. Bleiben werden jedoch die Schrammen und Kratzer an der Seele – hervorgerufen durch den Verlust von Erinnerungsgegenständen der verstorbenen Eltern – unwiederbringlich, höchstwahrscheinlich bereits eingeschmolzen.

Meine Frau muss schmuckmäßig wieder bei Null beginnen. Dennoch lässt sie sich ihre Verbitterung nicht anmerken und konzentriert sich auf das Wesentliche, indem sie die „geklauten“ Gegenstände akribisch auflistet und nach eventuell noch vorhandenen Quittungen sucht. „Brava, Angelika!!“ Ich hoffe nur, dass die Einbrecherbanden Buch über ihre Untaten führen und unter Ahlfänger den Vermerk gemacht haben: nichts mehr zu holen, bereits ausgeplündert.

Autor:

Klaus Ahlfänger aus Herten

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