Paris-Marrakesch: 3500 Kilometer mit 34 PS

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Dominic an der Zeche mit seinem Reisegefährt. Foto: J. Philipp
 
Der Kofferraum ist klein, aber Feuerlöscher und Ersatzreifen müssen trotzdem unbedingt hinein - genauso wie der Ersatzkanister.
3.500 Kilometer. 34 PS. Zehn Tage. 50 Kilogramm Schulmaterial. 10 Kilogramm Lebensmittel. Und ein Hertener. Dominic Glinka wird das Abenteuer wagen. Von Paris nach Marrakesch, und das alles für den guten Zweck.

Sein knallgrüner R4 GTL ist nicht zu übersehen. Rallye-tauglich ausgebaut, mit gerade mal 600 Kilogramm Leergewicht, zwei Sitzen, roter Hupe und den Rallye-Scheinwerfern auf dem Dach ist der Wagen bereits startklar für die Fahrt von Frankreich nach Marokko. Obwohl es erst im Februar losgeht. Seit zwei Monaten planen Glinka und seine Team-Kollegen die Tour. Acht junge Leute sind es insgesamt, allesamt Studenten der Fachhochschule Südwestfalen in Soest. Wie der 24-jährige Hertener, der dort im Studiengang Design- und Projektmanagement immatrikuliert ist.
Sie nehmen mit vier Autos an der 4L Trophy teil, eine Rallye von und für Studenten. In Frankreich wurde die Idee 1998 geboren, dort ist die Tour fast so bekannt wie das große Vorbild, die Rallye Paris-Dakar. Die Soester Studenten dagegen sind das einzige deutsche Team. Unter ihnen der Sport- und Reisebegeisterte Glinka. „Es ist ein Abenteuer und gleichzeitig dient es dem guten Zweck, weil wir den Kindern in Marokko damit die Schulbildung ermöglichen“, sagt er.
Denn zu den Bedingungen für die Teilnahme gehört auch, dass jedes Auto mindestens 50 Kilogramm Schul­material und zehn Kilogramm Lebensmittel für marokkanische Kinder mitnimmt. Das alles muss in den Kofferraum, dazu ein Ersatzreifen, ein Kanister, ein Feuerlöscher, Ersatzteile, und natürlich Zelte, Verpflegung und Kleidung für die beiden Fahrer. Denn sie sind zehn Tage unterwegs von Paris nach Marrakesch, und zurück geht es natürlich auch noch.
Die 4L Trophy wird zum 15. Mal ausgetragen, organisiert wie immer von französischen Studenten. Insgesamt nehmen 1250 Autos an der Rallye teil, erzählt Glinka. Alles R4, versteht sich. „Die Autos müssen im Originalzustand sein“, erklärt der Hertener. Was nicht der einzige Kostenfaktor für die jungen Leute ist. „Wir rechnen mit 9.000 Euro pro Auto, also 36.000 Euro allein für unser Team“, sagt Glinka.
Darin enthalten sind die Technik und Restaurierung der Wagen, aber auch das Material für die marokkanischen Schulen. Deshalb hofft der Hertener auf Unterstützung von Unternehmen und Privatleuten aus dem Vest.
Der Wagen, den er und ein Kommilitone fahren werden, hat die Strecke bereits einmal hinter sich gebracht. Unter der Motorhaube ist noch immer roter Sand aus der Sahara zu finden. Mindestens drei Etappen führen die jungen Leute aus ganz Europa durch die Sahara. Dort übernachten sie dann in großen Zeltlagern. Gut geschützt von Sicherheitsleuten, denn ungefährlich ist es für die Fahrer der auffälligen Autos nicht immer.
„Das Ganze ist aber professionell organisiert, wir werden auch immer von Mechaniker- und Medical-Teams und Hubschraubern begleitet“, berichtet Glinka. Aber Sorgen macht sich der Student wenig, auch vor Unfällen hat er wenig Angst. „Bisher sind immer alle Autos irgendwie angekommen“, erzählt er.
Am 16. Februar wird es so weit sein.
Dann geht es in einem Auto von 1986, ohne Servolenkung, Bremskraftverstärker oder Klimaanlage und mit nur 34 PS ganze 3.500 Kilometer nach Nordafrika. Warum nimmt er das auf sich?
„Wegen des interkulturellen Austauschs, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, weil‘s Spaß macht und weil es für einen wirklich guten Zweck ist“, sagt Glinka. Und drückt noch einmal auf die Hupe, die Besonderheit seines Autos. Jeder Wagen halte eine Überraschung bereit. Die Ansammlung mehrerer knallroter Hupen in seinem R4 spielt „La Cucaracha“.
Jeder, der die wohltätige Aktion unterstützen möchte, ob finanziell oder mit Schulmaterial oder Lebensmitteln, kann sich an den 24-Jährigen wenden. Kontakt: 01 52 / 58 11 52 58 oder d.glinka@lugmedia.de.
Mehr Infos zum Team und der Rallye gibt es unter www.r4teamwestfalen.de und auf facebook. JP
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