Der Gottseibeiuns hört alles

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Der Gott seibeiuns hört alles!
Es war vergangenen Dienstag. Wir hatten beschlossen mit unserer Freundin Ruth einen Ausflug zu machen. Es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch, die Sonne schien, aber brannte nicht. Wo es hingehen sollte hatten wir noch nicht so richtig geplant. „Kennt ihr eigentlich die Düwelsteene“, wollte Ruth plötzlich wissen? Ratlos schauten wir uns an, um gleich unisono die Köpfe zu schütteln. „Hört sich spannend an, dann führ uns mal hin Ruthchen“, bat ich sie. Wir fuhren an Schloss Lembeck vorbei Richtung Heiden. Wie immer hatten wir eine Menge zu Reden. Die Themen gehen uns nie aus und ich finde wir sind ein wirklich tolles Dreiergespann, Ruth, mein Mann Jürgen und ich die Gitte. Zuerst glaubte ich, es sei der gleiche Parkplatz den wir schon vergangene Woche aufgesucht hatten, als wir am Feuerwachturm gewesen waren, aber die aufgestellten Schilder zeigten das dem nicht so war, es war der Parkplatz Düwelsteene.

Gut gelaunt marschierten wir los. Wald und Maisfelder wechselten sich ab und dann fanden wir am Wegesrand unglaublich süße leckere Brombeeren. Die Waldbeeren Zeit war leider schon vorbei. So viel gab es zu sehen, lauschige Lichtungen, bunte Blumen am Wegesrand und Schmetterlinge. Nach einigen Kilometern durch die herrliche Natur kamen wir zu den Teufelssteinen, wie Düwelsteene auf Hochdeutsch heißt. Es war schon eine beeindruckende Stätte. In der Mitte eine knorrige uralte Eiche die schon mit den Steinen eine Symbiose eingegangen war. Es war ein längliches altes Grab und mittendrin hatte man einen Holzstoß für ein Lagerfeuer aufgeschichtet. Drumherum standen einige Tische und Bänke die wir gerne zu einer Rast nutzten. Nachdem wir uns gestärkt hatten lasen wir die Schilder und erfuhren, dass diese Grab und Kultstätte ca. 5000 Jahre alt sein sollte. Plötzlich musste ich lachen. „Lies doch mal die Legende Ruth“, bat ich meine Freundin.

Da stand, dass der Teufel einst mit einem großen Sack voller Steine hier in dieser Gegend unterwegs war, mit dem Ziel damit den Kölner Dom einzuwerfen. Er traf einen Schusterjungen, der ihn sogleich erkannte. Auf seien Frage wie weit es denn noch bis Köln sei, entgegnete der Junge listig: „Schau her, zwölf Paar Schuhe habe ich zerschlissen, denn ich komme her wo du hin willst.“ Der Teufel wurde wütend und warf die Steine an diesen Platz, wo sie heute noch liegen. Ruth und ich lachten. „Ganz schön doof der Teufel“, merkte ich an. Ruth nickte zwar, sah aber ein wenig beklommen aus und so ganz wohl war mir ehrlich gesagt auch nicht in meiner Haut.

So versuchte ich was ich immer in solchen Situationen mache, ich flüchte mich in Schnoddrigkeit. Lachend trat ich in den Steinkreis und legte mich auf einen der länglichen Steine. „Bitte fotografiere mich mal“, bat ich meinen Mann, „ich bin ein Menschenopfer.“ Im gleichen Moment flackerte das Holz hoch auf. Eine ekelhaft riechende gelbe Wolke stieg auf und ein meckerndes Gelächter ertönte. „Ganz recht“, rief triumphierend der Teufel der in dem brennenden Holzstoß stand. „Keiner spottet ungestraft über mich.“ Einen Moment war ich vor Überraschung und Grauen wie gelähmt. Dann versuchte ich aufzuspringen und zu fliehen. Aber es gelang mir nicht.

Ruth und mein Mann kamen zögernd näher. „Das kannst du nicht machen“, empörte sich Ruth mit zittern der Stimme, aber bestimmt. „das ist meine Freundin, die brauche ich noch.“ „Und meine Frau“, sprang meine Mann ihr bei. „Wozu“, wollte der Teufel wissen. „Damit ihr weiter über mich spotten könnt?“ „Oh nein“. Ruth rang flehend die Hände. „Ruth, jeder weiß das der Teufel gerne wettet“, fiel meinem Mann ein. Der Teufel sagte nichts, aber seine Augen begannen zu glänzen. „Ich wette“, sagte mein Mann, „dass Ruth etwas kann was du nicht kannst.“ Ruth schaute erstaunt, sagte aber nichts. „Was ist, gilt die Wette“, hakte mein Mann nach? Der Teufel rieb sich das Kinn. Endlich nickte er. „Es gibt nichts, das ich nicht kann“, behauptete er selbstbewusst. „Die Wette gilt, wenn doch seit ihr frei.“ „Alle“, wollte mein Mann wissen? Mit einem Blick auf mich nickte er bedächtig. „was kann denn nun die Ruth“, fragte er neugierig nach. Ruth kann in einer Woche ein Dutzend Seidenhemdchen für die Engelchen im Himmel nähen“, behauptete mein Mann. Der Teufel hob ein mächtiges Geheul an, er sprang in die Luft und dann verschwand er einfach und das Feuer fiel in sich zusammen. Meine Starre verschwand im gleichen Moment und ich reckte mich, um unsanft auf dem Boden zu landen. Ich war einfach vom Stein geplumpst, auf dem ich scheinbar eingeschlafen war.

Ruth und mein Mann saßen auf der Bank und schauten ebenso wie ich. „Oh weh, ich hatte vielleicht einen Traum“, seufzte Ruth. „Was du auch“, wollte mein Mann wissen. „Ich auch“, flüsterte ich. „Nix wie weg hier.
©By Gitte
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7 Kommentare
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 09.02.2018 | 08:33  
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 09.02.2018 | 09:19  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 09.02.2018 | 09:53  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 09.02.2018 | 12:15  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 09.02.2018 | 13:09  
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Gitte Hedderich aus Herten | 09.02.2018 | 14:14  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 09.02.2018 | 14:46  
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