„Schwangerschaft und Flucht“ in Hilden und Umgebung
Erfolgreiches Modellprojekt beendet

Margret Herbertz, Beraterin in der Hildener donum vitae-Anlaufstelle, und Tatjana Soliman (v.l.) zogen eine positive Bilanz am Ende des dreijährigen Projektes mit der aufsuchenden Beratung.
  • Margret Herbertz, Beraterin in der Hildener donum vitae-Anlaufstelle, und Tatjana Soliman (v.l.) zogen eine positive Bilanz am Ende des dreijährigen Projektes mit der aufsuchenden Beratung.
  • Foto: Michael de Clerque
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Das Modellprojekt „Schwangerschaft und Flucht“ endet nach drei Jahren. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanzierte das Projekt, das von donum vitae auch in Hilden umgesetzt wurde.

Wichtigstes Ziel des Projektes war die aufsuchende Beratung. So sollten die Angebote der deutschen Schwangerschaftsberatung für die Zielgruppe der schwangeren geflüchteten Frauen und zum Schutz ihrer ungeborenen Kinder zugänglich gemacht werden. Die aufsuchenden Beraterinnen hatten dabei eine Lotsenfunktion in das Beratungs- und Gesundheitssystem.

Ausnahmesituation nach Flucht

"Neben lebenspraktischen Fragen zu Geburtsmöglichkeiten und finanzieller Unterstützung ging es in den Beratungsgesprächen angesichts der häufig traumatisierenden Erfahrungen der Frauen verstärkt um psychosoziale Beratung", erklärte Tatjana Soliman, die das Projekt in Hilden leitete. "Die Frauen befanden sich oft in einer Ausnahmesituation, die durch die bestehende Schwangerschaft noch verschärft wurde." Weitere Fragen waren der Schutz vor sexualisierter Gewalt, Informationen zu Verhütung und Familienplanung und Gesundheitsangeboten etwa durch Hebammen und Gynäkologen.
Die aufsuchende Beratungsarbeit übernahm eine wichtige Lotsenfunktion, um Frauen in das Unterstützungssystem zu vermitteln. Viele Frauen aus Somalia, Syrien, Iran, Eritrea, Irak und anderen Ländern kannten aus ihrer Heimat keine Beratungsangebote. Um das deutsche Sozialsystem zu verstehen, müssten sie dort abgeholt werden, wo sie sich gerade aufhalten. "In der Anfangszeit waren dies überwiegend die Sammelunterkünfte. Dies hat sich im Laufe des Projektes zum Teil geändert", sagte Soliman. Inzwischen lebten viele Familien in eigenen Wohnungen.

Sprache ist der Integrationsmotor

Das Thema Sprache sei in der Beratungssituation mit Flüchtlingen extrem wichtig. Daher war die Einbeziehung von Dolmetscherinnen ein Kernstück des Projektes. Diese wurden speziell geschult. "Vor allem alleinerziehende Mütter und Mütter mit kleinen Kindern erhalten noch immer viel zu spät Sprachkurse. Es fehlt an Kursen mit Kinderbetreuung. Dabei spielt die Sprache bei der Integration eine entscheidende Rolle. Leider fallen gerade die Frauen hier durch das Netz und bleiben benachteiligt", bedauert Margret Herbertz, Beraterin von donum vitae in Hilden.
Ein weiteres Problem sei die Gewalt in Deutschland: Bedingt durch Traumata vor oder während der Flucht, fehlende Arbeitsmöglichkeit und das oft lange Warten auf den Asylbescheid entlade sich immer wieder Frust in Gewalt. Den Frauen wurde aufgezeigt, welche Möglichkeiten sie haben, sich und ihre Kinder zu schützen.

Beschneidung von Frauen

Die Problematik weiblicher Genitalbeschneidung (FGM – Female Genital Mutilation) rückte im Verlauf des Projektes zunehmend in den Fokus. Obwohl sie in vielen Ländern verboten ist und als Menschenrechtsverletzung anerkannt ist, wird sie in einigen Herkunftsländern der geflüchteten Frauen von Afrika über Asien immer noch praktiziert. "Die respektvolle Haltung der Beraterin gegenüber den betroffenen Frauen war uns extrem wichtig", betonte Soliman.
Auch in Hilden, einem der 28 Standorte des Projektes, lag ein Schwerpunkt in der Beratung von Frauen, die von weiblicher Genitalbeschneidung betroffen sind. So konnte hier sowohl Aufklärungsarbeit in Hinblick auf die bevorstehende Geburt, auf die rechtliche Situation in Deutschland als auch auf Möglichkeiten der Wiederherstellung des weiblichen Genitals geleistet werden. "Durch die Arbeit der vergangenen Jahre haben wir inzwischen sehr gute Kontakte zu spezialisierten Medizinern aufgebaut", erklärte Herbertz.

Zahlreiche Beratungen

Von Beginn des Projektes im September 2016 bis heute konnten 187 Frauen und deren Familien in ersten Einzelberatungen erreicht werden. Des Weiteren wurden 84 Frauen und ihre Familien sowie minderjährige Flüchtlinge zu Themen wie Werte, Geburtsvorbereitung und „Neu in Deutschland“ beraten. Zusätzlich begleitete Soliman die Betroffenen zu Besuchen bei Ärzten, Behörden oder in Krankenhäuser.

Beratungsstelle weiter Ansprechpartner

"Auch wenn das Projekt im April 2019 endet, so ist die Beratungsstelle weiter zuständig für alle schwangeren Frauen und Mütter mit Kindern bis zu drei Jahren", sagt Herbertz. Die umfassende Beratungsarbeit leiste auch weiter einen wichtigen Beitrag, damit diese und im Besonderen die Neuzugewanderten sich orientieren und integrieren können. Auch viele der durch das Projekt entstandenen Kooperationen mit anderen Trägern blieben erhalten. "Das Projekt war erfolgreich", zog Herbertz eine positive Bilanz. "Inzwischen empfehlen Frauen, die uns kennengelernt haben, auch junge Frauen, die neu nach Deutschland kommen." dh

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