Chefarzt der Hildener Capio Klinik neue Leistungen
Fettabsaugung bei Lipödem wird Kassenleistung

Dr. med. Horst Peter Steffen, Chefarzt der Capio Klinik im Park, plädiert für die Übernahme der OP-Kosten bei Lipödemen.

Liposuktion bei Lipödem wird Kassenleistung. Das teilt die Capio Klinik mit. Dicke Beine können viele verschiedene Ursachen haben. Sie reichen von einer Venen- bis hin zu einer Herzschwäche.

 In den vergangenen Monaten rückte das Lipödem verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Dr. med. Horst Peter Steffen, Chefarzt der Capio Klinik im Park, behandelt Frauen, die unter den krankhaft veränderten Fettzellen leiden. Im Gespräch erläutert er die Ursache der Krankheit, Behandlungsmöglichkeiten und aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitspolitik.

Gesunde Ernährung und ausreichend Sport – warum hilft dies beim Lipödemnicht?

Dr. Steffen: Beim Lipödem, das fast ausschließlich Frauen betrifft, sind Fettzellen krankhaft verändert. Diese Fettpolster, die symmetrisch an den Beinen, manchmal auch an den Armen auftreten, werden im Gegensatz zu anderen Fettreserven vom Körper nicht abgebaut. Im Gegenteil: Bei hormonellen Veränderungen, etwa mit Beginn der Pubertät, bei einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren wachsen diese Polster. Das Lipödem lässt sich nicht weghungern, auch entwässernde Medikamente sind völlig fehl am Platz.
Woran lässt sich ein Lipödem erkennen?

Dr. Steffen: Es gibt keinen Laborwert, anhand dessen das Lipödem diagnostiziert werden kann. Eine ganzheitliche Untersuchung ist wichtig, um andere Krankheiten, wie zum Beispiel Adipositas, auszuschließen. Das Lipödem tritt symmetrisch auf, es sind also immer beide Beine oder beide Arme gleichermaßen betroffen. Bei einem schlanken Oberkörper kann es zu voluminösen Beinen kommen. Viele Patientinnen leiden unter starkem Druckschmerz bei Berührungen, oft bilden sich schon bei geringen Berührungen blaue Flecken. Zunächst ist die Hautoberfläche noch glatt, in fortgeschrittenen Stadien wird sie uneben. In Stadium drei ist das Lipödem schließlich so ausgeprägt, dass das Gewebe der Arme beziehungsweise Beine wulstartig über die Übergange zu Händen beziehungsweise Füßen lappt. Füße und Hände dagegen behalten ihre ursprüngliche Form. Viele Patientinnen haben das Gefühl, der untere Teil ihres Körpers gehöre nicht zu ihnen.

Wie wird das Lipödem behandelt?

Dr. Steffen: Bis heute ist nicht abschließend geklärt, was das Lipödem auslöst. Eine Behandlung der Ursache ist deshalb nicht möglich. Ziel ist stattdessen die Besserung oder – im Idealfall – die Beseitigung der Befunde und Beschwerden. Manuelle Lymphdrainage hilft Patienten, bei denen sich zusätzlich Lymphflüssigkeit im Ödem angesammelt hat. Kompressionstherapie kann die Erfolge dieser Behandlung über längere Zeit sichern. Eine sorgfältige Hautpflege, Bewegung und gesunde Ernährung sind ebenfalls wichtig. Nicht selten leiden die Patientinnen zudem unter Essstörungen, begleitende Psychotherapie kann hier helfen. Wenn all diese Maßnahmen erfolglos bleiben, kann die Liposuktion, also die operative Entfernung der krankhaft
veränderten Fettzellen, eine Behandlungsalternative darstellen.

Wie unterscheidet sich die Liposuktion bei Lipödem von einer klassischen Schönheits-OP?

Dr. Steffen: Ziel der Liposuktion ist die dauerhafte Verringerung des krankhaften Unterhautfettgewebes an Armen und Beinen. Die Schmerzen sollen so verringert und Beinfehlstellungen, die durch das Lipödem verursacht wurden, korrigiert werden. Die Operationsmethode ist etabliert und risikoarm, das Endergebnis ist aufgrund der OP-bedingten Schwellungen aber erst nach einigen Monaten zu sehen. Bei einer gesunden Lebensführung können die Befundbesserungen über viele Jahre bestehen bleiben. Oft sind mehrere Operationen notwendig. Die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Ab Januar 2020 soll sich dies für Patientinnen in Stadium 3 ändern.

Was raten Sie Betroffenen?

Dr. Steffen: Die Kostenübernahme für Patientinnen mit weit fortgeschrittenem Lipödem ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sind derzeit viele Fragen noch ungeklärt: Wer finanziert zum Beispiel die Folge-OPs? Nach einer Liposuktion eines Stadium-3-Lipödems bleibt überschüssige Haut zurück, die ebenfalls operativ entfernt werden muss. Patientinnen in Stadium 3 sind oft ausgebrannt. Die Belastung durch das Lipödem im Alltag ist erheblich und reicht von Immobilität – gehen ist meist unmöglich – bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Genauso wichtig wie eine möglichst schnelle Diagnose wäre es daher, dass die Krankenkassen bei medizinischer Notwendigkeit auch die Operationskosten von Lipödemen in einem früheren Stadium übernehmen. Nicht zuletzt wären dann die Folgekosten deutlich geringer.

Herr Doktor Steffen vielen Dank für das Gespräch.

Autor:

Lokalkompass Langenfeld - Monheim - Hilden aus Monheim am Rhein

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