Das Westernhobby-Living History

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Pünktlich wenn die Außentemperaturen angenehm warm werden,die Wiesen saftig in ihrem grün schimmern und die Bäume in voller Blüte stehen beginnt wieder die Freiluftsaison für Living-History-Darstellung,für die Wiederbelebung von geschichtlichen Vorgängen.
Vielen Living Historydarstellern ist es schon ergangen dass sie aufgrund ihres ausgefallenen Hobbys belächelt wurden;…Da gehen sie wieder Indianer spielen….wird man gesagt haben und was es alles für blöde Sprüche gegeben haben mag.
Jeder Hobbyist weiß, was für ihn so faszinierend an seinem Hobby ist und weshalb er gerade das darstellen will, was er darstellt. Auch mich hat die Faszination dieses Hobbys gepackt und ich gebe es gerne zu. Ich schätze die Romantik, die in diesem Hobby zweifellos existiert: eine Nacht in einem Tipi, der Geruch des Lagerfeuers, eine laue Sommernacht – das ist ein Reiz, dem man sich nur sehr schwer entziehen kann.
Ich bin in Deutschland geboren und erzogen worden. Wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich ein weißes Gesicht. Ich habe für mich die Konsequenz daraus gezogen: ein Indianer werde ich nie sein –kann und will ich auch garnicht. Ich muß nicht meine Identität aufgeben, um mich mit diesem Hobby zu beschäftigen. Ich kann in Mokassins gehen, ich kann mir einen Lederwams nähen. Ich kann den Regen nicht beschwören, indem ich eine Rassel mit Rehhufen schüttele und einen Gesang nachahme. Ich bemühe mich um Verständnis; ich bemühe mich das Leben und die Kultur der Plains- und Prärie-Indianer des 19. Jahrhunderts zu verstehen.
Ich will in einem Tipi für ein paar Stunden so leben, wie sie vielleicht damals gelebt haben. Ich kann versuchen durch das Hineinfühlen und Hineindenken in den Alltag der damaligen Zeit diese Menschen zu verstehen.
Deshalb liebe ich mein Hobby.

Bei den ersten Pionieren in Amerika handelte es sich überwiegend um Menschen, die aus einer Not heraus ihre Heimat verließen um in Amerika ihr Glück zu versuchen. Brotlose Handwerker, verarmte Tagelöhner, Kleinbauern und Pächter verließen ihr Land und hofften in der neuen Welt eine Chance zu erhalten ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
So vielfältig die Gründe auch waren, so bunt bot sich das Bild am Kai vor den Auswandererschiffen. Der Tagelöhner mit seinem Flickenkittel und den ausgetretenen Schuhen hatte sein kleines Bündel vor sich abgestellt unmittelbar neben den Gepäckbergen der großen Familie mit ihren Kindern. Eine Gruppe junger Bauernsöhne bot ein farbenprächtiges Bild in ihren Landestrachten. Die kräftigen, kantigen Gesichter waren leicht gerötet und man diskutierte laut. Etwas abseits hockte ein älterer Mann, bekleidet mit einem schäbigen Gehrock auf einer Kiste - wohl ein Handwerker, vielleicht ein Schreiner, Tischler oder Wagenmacher. Daneben ein magerer Mensch in Weste, dem Hemd mit steifen Kragen der wohl gerade erst die Ärmelschoner abgestreift hat - ein Buchhalter wahrscheinlich.

Die ersten Pioniere, die Pilgerväter der Mayflower, gingen in Dreispitz, Hemd mit Rüschen, Kniebundhose, Wadenstrümpfe und Schnallenschuhen. Man trug seine heimatlichen Trachten und Festtagskleidung.

Das Geschirr, das sie mitbrachten, bestand aus Zinn oder Silber. Im 18. Jahrhundert war noch die ursprüngliche Gabel weit verbreitet, die sich aus dem Fleischspieß entwickelt hatte - nämlich die zweizinkige Form; das Messer aus einfachem Stahl mit breiter Spitze. Feuer machte man mit Stahl, Feuerstein und Zunder. Sie brachten ihre alten Karten- und Brettspiele mit, das Spielzeug für die Kinder, die Rezepte zur Zubereitung von Speisen und zum Backen von Brot. Der Ablauf zur Seifenherstellung oder des Kerzenziehens. Die ersten Pioniere in Amerika arbeiteten als Farmer, Siedler, Händler und Fallensteller.

Im Nordwesten Colorados um 1800 erfüllte der Geruch geräucherter frischer Tierhäute die Luft. Auf Spannrahmen sind Felle ausgebreitet, deren Fleischseite gesäubert werden muß. Carro-Schafe, die ältesten Schafe in Amerika, weiden in einer Koppel. Aus dem Horno – dem alten Lehmofen – steigt Rauch. Es war die erste weiße Ansiedlung in einer riesigen Wildnisregion, die von Ute-Indianern beherrscht wurde.

Die Trapper setzten Fallen, häuteten die Biber, reinigten die Häute, machten sie haltbar und pressten sie zu Ballen. Das Leben war ganz schön hart - im Winter aufstehen und sich mit Schnee waschen; es dauert lange, bis das Feuer im Ofen an ist und das Blockhaus wieder warm. Aber man muß raus, nach den Fallen sehen und dann die Felle berarbeiten, solange sie noch nicht steifgefroren sind. Man wird geduldig, man kann Jahreszeiten und Wetter nicht beeinflussen, und davon ist man abhängig, wenn man von der Jagd in der Wildnis lebt.

Der Trapper übte sich in der Geschicklichkeit des Tomahawk-Werfens; er musste von Hand zwischen Steinen Maismehl mahlen; beim Blockhaus mit Grassoden das Dach abdichten; die gepressten Biberbündel auf dem Rücken oft zwei- bis dreihundert Meilen weit zu Fuß tragen; die Fertigung von Werkzeugen zur Jagd, das Schlagen von Pfeilspitzen, die Verarbeitung von erlegten Tieren, die Zubereitung von Mahlzeiten, die Haltbarmachung von Fleisch, die Verwertung von Knochen und Sehnen, die Präparierung von Tierhäuten zur Anfertigung von Kleidungsstücken und Ausrüstungen - all das gehörte zum Tagesablauf im Tapperlager.

Abends saß er mit dem Hund in seinem Blockhaus auf dem Bettgestell aus Holz, das mit einem Bisonfell gepolstert war und betrachtete die letzten Strahlen der untergehenden Abendsonne. Nachdem die Sonne untergegangen war, streckte er sich auf dem Bisonfell aus und zog die Trade Blanket über sich. Er träumte den Traum von Freiheit, Unabhängigkeit und Abenteuer.

Ein Trapper- und Indianerlager
Die Vergangenheit lebt: jedes Jahr im Sommer bewegt sich ein Zug von Menschen zu Treffen, der aus einer lange untergegangenen Zeit zu kommen scheint: Männer und Frauen in hirngegerbtes Wildleder gekleidet, gehüllt in Capote (Mäntel aus bunten Wolldecken); sie tragen Tradecloth-Hemden und an den Füßen Mokassins mit Perlen- und Quilldekorationen. Ihre Kopfbedeckungen sind Pelzkappen, Wollmützen, Schlapphüte und gelegentlich Zylinder.

Die Ankömmlinge schlagen ihr Lager auf: bemalte Tipis, Trapper-Lodges, Marquee- und A-Zelte; sie breiten ihre Hudson’s-Bay Decken aus und stellen ihre Felle und Waffen auf.
Kochfeuer lodern, der würzige Duft von Gegrilltem weht durch das Lager; die Pfeife kreist; es werden Geschichten erzählt; es wird geredet und gelacht und schließlich erklingt Musik von Mundorgeln, Mundharmonikas, Fideln und dazwischen vielleicht ein Dudelsack. Die Indianertrommeln erklingen; es werden Indianerlieder gesunden. Der Kaffee im eisernen Kessel über dem offenen Feuer brodelt, Die gerösteten Brotwürfel in der Pfanne daneben duften knusprig und ein paar wild aussehende Trappergestalten beginnen mit rauen Stimmen zu singen und tanzen um ein Lagerfeuer.

So war es schon vor 200 Jahre – so wird es sein solange es Menschen gibt, die sich als Erben des Gestern sehen. Sie wollen die Gemeinsamkeit mit Gleichgesinnten genießen, Freunde treffen, im Tipi schlafen, durch die Rauchklappen den Sternenhimmel sehen, den Wind und den Regen hören, die Erde unter sich fühlen. Selten trifft man soviel Zufriedenheit und Ruhe wie in diesen historischen Lagern, wo die Teilnehmer zu sich selbst finden und sich einander sehr nahe fühlen. Man fühlt sich danach, Geschichte zum Leben zu erwecken. Viele denken, dass Geschichte nur was mit berühmten Menschen zu tun hat – Geschichte wurde vom einfachen Volk gemacht. Wir möchten erreichen, dass man begreift, dass Geschichte von Menschen wie dir und mir gemacht wurde.

Weitere Infos auf unserer Homepage:http://iyuptala.de.tl/

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