Als Duo wollen Miriam Franke und Bernd Busemann die Geschichte Holzwickedes bewahren
Die schönsten Plätze der Emschergemeinde

Versteckt in einem kleinen Waldstück liegt das Kellerkopfdenkmal im Ortsteil Hengsen.     Foto: Jörg Prochnow
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  • Versteckt in einem kleinen Waldstück liegt das Kellerkopfdenkmal im Ortsteil Hengsen. Foto: Jörg Prochnow
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Fragt man die Bürger unseres Kreises, was sie in Holzwickede kennen, werden die meisten vermutlich das Wasserschloss Opherdicke oder den Emscherquellhof nennen. Das sind mit Sicherheit die bekanntesten Bauwerke der Emschergemeinde, doch gibt es hier noch eine Menge anderer Sehenswürdigkeiten. Die muss man allerdings erst ein wenig suchen.

Fragt man die beiden Holzwickeder Ortsheimatpfleger Bernd Busemann (50) und Miriam Franke (34) nach den Lieblingsplätzen in ihrer Heimatgemeinde, bekommt man überraschende Antworten. Busemann ist Diplom-Architekt. Da ist sein Blick beruflich auf Bauwerke fokussiert. Er ist seit rund zwei Jahren Heimatpfleger. Damals suchte die Gemeindeverwaltung per Zeitungsinserat einen neuen Ortsheimatpfleger.

Miriam Franke studiert zurzeit Geschichte und Philosophie in Bochum und ist darüber hinaus auch Mitglied des Historischen Vereins Holzwickede, der um die 90 Mitglieder hat und über ein umfangreiches Archiv verfügt. Damit liegen Hobby und späterer Beruf für die Studentin nah beieinander.

Die Tour zu den markantesten Plätzen der knapp über 17.000 Einwohner zählenden Gemeinde am östlichen Rand des Ruhrgebiets führt uns zunächst zum Kellerkopfdenkmal an der Stadtgrenze zu Dortmund-Lichtendorf. Das in der Zeit zwischen 1926 und 1929 erbaute Kriegerdenkmal liegt im Ortsteil Hengsen, etwas abseits einer Straße, die Schwerte und Holzwickede verbindet. Eine steile Treppe aus Sandstein, wie er in dieser Gegend häufig verwendet wird, führt hinauf zu einem Krieger aus Stein. Inmitten von Buchen schaut er gen Himmel- eigentlich ein idyllischer Ort zum Verweilen und zum Nachdenken über die Sinnlosigkeit des Krieges. Aber leider auch ein Ort, der dubiose Gestalten magisch anzieht, die sich hier mit Nazi-Schmierereien verewigen. „Stalingrad war wunderbar“ ist da zu lesen, man mag es kaum glauben. An den Ruhebänken liegen Müll und leere Bierflaschen herum. Für Bernd Busemann ist es nicht nachvollziehbar, warum die Gemeinde diesen Zustand einfach toleriert. Auch die Treppe ist vermoost, steil und glatt. Auch gehören seiner Meinung nach hier mehrere Hinweisschilder hin, damit das Denkmal leichter zu finden ist.

Es geht weiter in Richtung Ortsmitte und wir sehen in der Ferne die ehemalige Richtfunkstation der Emscherkaserne, oder besser gesagt: Was davon noch übrig ist. In der Zeit des kalten Krieges war sie von der Autobahn 1 gut sichtbar und man wusste, dass man sich Holzwickede näherte. Heute dient das umzäunte Gelände als Unterstellmöglichkeit für Wohnwagen und Landmaschinen. „Schade“, findet es Bernd Busemann und geht hiermit konform mit Miriam Franke, die es gut fände, diesen geschichtsträchtigen Ort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Apropos „kalter Krieg“: Unsere nächste Station ist das Gelände der früheren Emscherkaserne. Seit Jahren schon überlegte man im Rathaus, wie man das Areal sinnvoll nutzen könne. Am Ende wurden die Gebäude angerissen, um auf dort neuen Wohnraum zu schaffen. Auch dieses Vorhaben stößt bei Bernd Busemann auf Kritik.
„ Die Kasernengebäude waren baulich gesehen in einem guten Zustand. Man hätte sie durchaus in Wohnblocks umwandeln können, wie es andere Kommunen auch getan haben. Hier hat man die militärische Vergangenheit der Kommune gründlich ausgelöscht. Wenigstens das Wachgebäude hätte man erhalten können.“

„Das tut weh“

Bis zum Jahr 1951 war Holzwickede Bergbaustadt. Wo früher das schwarze Gold aus der Tiefe gefördert wurde, stehen heute moderne Wohnblocks. Nur noch das Verwaltungsgebäude, heute einer neuen Nutzung zugeführt und optisch stark verändert, überlebte als Zeuge einer vergangenen Epoche. „ Aus städtebaulicher Sicht gesehen ganz nett“, urteilt Frank Busemann. Trotzdem tut es ihm weh zu sehen, wie die Gemeinde auch hier mit dem Abbruchbagger ihre Geschichte bereinigt hat.
Busemann verweist in diesem Zusammenhang auf andere Städte, in denen die Zechengebäude erhalten wurden und beispielsweise in Gründerzentren umgewandelt wurden.

„Das Gesamtbild der Gemeinde ist geprägt von der Landwirtschaft, dem Bergbau, der Industrie und dem Militär. Zwei dieser Komponenten sind komplett verschwunden.“

Eine in Erwägung gezogene Ortsumgehung würde zudem der Landwirtschaft sehr schaden.

Ein echtes Kleinod ist das Künstlerhaus des Musiker-Paares Uli Bär und Felicitas Stephan gegenüber der katholischen Kirche. Gebaut im Jahr 1750  als Gesindehaus für die Bauern, die für die Schlossherren Opherdicke arbeiteten. Uli Bär erwarb das Fachwerkhaus vor 20 Jahren von der Kirche und renovierte es zwei Jahre lang. Heute wird im Erdgeschoss für bekannte Konzerte wie dem "Celloherbst am Hellweg" oder dem "Jazz am Hellweg" geprobt. Im ersten Obergeschoss befinden sich Schlafräume, im Dachgeschoss eine kleine Notenbibliothek. Namhafte Künstler wie der Literat Wilhelm Genanzino oder Wolf Wondratschek nächtigten hier. Auch die Cellisten Steven Isserlis und Daniel Müller Schott genossen die Gastfreundschaft von Uli Bär. 

An einer Straßenkreuzung östlich der Gemeindemitte steht der Wappenbaum der Gemeinde, der „Hilgenbaum“. Natürlich ist es längst nicht mehr die Eiche, die zum Wahrzeichen der Gemeinde wurde, sondern ein Nachfolger, der irgendwann dort gepflanzt wurde. Um den Baum herum stehen alte Ruhebänke aus Kunststoff, die längst verwittert sind. Auf dem Boden liegt Müll. Auch hier sieht Busemann Handlungsbedarf bei der Gemeinde. In puncto Denkmalpflege geht der Ortsheimatpfleger mit der Gemeindeverwaltung hart ins Gericht, obwohl sich seine Kritik nicht gegen die Bürgermeisterin richtet. Seiner Meinung nach hat die Politik Riesenchancen vertan und er vermisst ein Gesamtkonzept im Erscheinungsbild. Doch gibt es auch die schönen Seiten der Gemeinde, diese liegen aber eher in den beiden ländlich geprägten Vororten. Wir erreichen die evangelische Kirche in Opherdicke. Aus Sandstein erbaut thront sie inmitten des Ortskerns. Als sehr gelungen findet Busemann den Brunnen an der östlichen Gebäuderückseite.

Angeborene Neugier 

Seit ihrer Jugend schon befasste sich Miriam Franke mit der Geschichte ihrer Heimatgemeinde und trat daher schon früh dem Historischen Verein bei. Der Posten in der Ortsheimatpflege reizte sie schon lange. Natürlich gehört zu ihren Lieblingsplätzen unter anderem das Wasserschloss sowie die katholische Kirche in Opherdicke. Den Abriss der Kaserne und den Zustand der ehemaligen Richtfunkstation bedauert sie ebenso wie Bernd Busemann. Ihre Liebe gehört aber der Natur, in der sie sich gerne aufhält. „Vom Stennert in Richtung in Norden zu schauen, ist einfach wunderbar,“ schwärmt sie. Der Stennert ist ein kleines Waldstück zwischen Unna und Opherdicke.

Im Gegensatz zu Bernd Busemann liegen ihre Ziele allerdings auf etwas anderem Gebiet. Sie würde
gerne in die Schulen gehen, um den Jugendlichen die Geschichte Holzwickedes zugänglich zu machen. Oder noch lebende Zeitzeugen nach dem Erlebten befragen. Aus diesem Grund sammelt die Studentin altes Kartenmaterial und auch andere Informationen über die Gemeinde. Wer über solches verfügt, darf sich gerne an Miriam Franke wenden. „Gerne würde ich auch einmal in eine Schule gehen, und dort den Unterricht übernehmen- und zwar so, wie er früher einmal war,“ erklärt sie. „Oder in einer Nachtwanderung mit Jugendlichen die Gewölbe von Schloss Opherdicke erkunden.“ Auch die Kirchengeschichte sollte den Bürgern ihrer Meinung nach näher gebracht werden.

Programm zur Verschönerung der Gemeinde

Zusammen haben sich die beiden Ortsheimatpfleger eine Reihe von Projekten ausgedacht, um bestimmte Punkte in Holzwickede sowohl den Bürgern wie auch Besuchern besser zu präsentieren.
So sollen an einigen der bereits genannten Örtlichkeiten Panoramatafeln oder Info-Stelen stehen, die den Weg dorthin weisen und dem Betrachter Hintergrundinformationen übermitteln. Auch die Errichtung von Aussichts- und Erholungspunkten ist ein Teil der Projekte. Gut fänden beide auch einen historischen Wanderweg zu den schönsten Punkten der Emschergemeinde, die zwar klein ist, aber doch viel zu bieten hat.

Autor:

Jörg Prochnow aus Kamen

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