"Kriminellen auf den Füßen stehen"
Kriminalitätsstatistik 2018 weist auch im Märkischen Kreis in positive Richtung

Manfred Kurzawe und Michael Kuchenbecker (re.), leitender Direktor der Kreispolizeibehörde, konnten sinkende Zahlen bei den Straftaten und eine höhere Aufklärungsquote vermelden. Foto: Goor
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Weniger Straftaten, mehr aufgeklärte Fälle – die aktuelle Kriminalitätsstatistik weist sowohl für den Märkischen Kreis insgesamt als auch für Iserlohn und Hemer in eine positive Richtung.

Von Hilde Goor-Schotten

Iserlohn/Hemer. 21477 Fälle registrierte die Kreispolizeibehörde 2018 im Kreis, 2017 waren es noch 24218. In Iserlohn ging die Zahl der Straftaten von 6447 auf 5496 zurück, in Hemer von 1775 auf 1763. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote kreisweit auf 55,9 Prozent.
Die Kriminalstatistik zeigt aber nur die polizeilich bekannt gewordenen Straftaten an. Darauf wies Manfred Kurzawe, Direktionsleiter der Kripo, bei der Vorstellung der Zahlen in Iserlohn hin: „Wir können nur aufnehmen, was uns angezeigt wird.“ Das Dunkelfeld bleibt außen vor. Und das ist vor allem bei den Straftaten zum Nachteil älterer Menschen groß, sprich dem Enkeltrick und der Abzocke durch falsche Polizeibeamte.
Erneut warnten Kurzawe und der leitende Direktor der Polizeibehörde MK, Michael Kuchenbecker, vor den Betrügern, die Senioren anrufen, sich als Verwandte ausgeben, verzweifelt eine Notsituation schildern und dringend um Geld bitten. Oder die sich als Polizeibeamte melden, vor einem Betrug warnen und sicherheitshalber Geld oder Schmuck abholen wollen. 37 Betrugsfälle dieser Art gab es 2017, daneben 540 Versuche. Im vergangenen Jahr war diese Masche bei 83 Senioren erfolgreich, 1156 Versuche wurden angezeigt. „Wir gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus“, sagte Kurzawe: „Solche Anrufe werden oft nicht gemeldet, wenn nichts passiert ist. Und die Scham, wenn Geld übergeben wurde, ist sehr groß.“
Angerufen wird in der Regel aus Callcentern im Ausland, Mittäter sind vor Ort einsatzbereit. „Die Anrufer sind sprachlich brillant geschult. Die könnten sogar einem Wüstenscheich Sand verkaufen“, warnte Kuchenbecker. Der hohe Einsatz der Betrüger lohne sich leider: Die Schadenssummen bewegen sich meist im fünf- und sechsstelligen Bereich.
Anders als bei dieser Betrugsmasche sind die Fallzahlen bei vielen anderen Straftaten rückläufig. Eine scheinbare Ausnahme – die Zahl der Sexualdelikte stieg von 236 auf 269 – hat vor allem einen statistischen Grund: Sexuelle Belästigungen wie das Begrapschen von Frauen werden erst seit zwei Jahren als Straftat erfasst. Die Zahl der Vergewaltigungen und schweren sexuellen Nötigung ging kreisweit von 55 auf 40 Fälle, des Missbrauchs von Kindern von 64 auf 53 zurück.
Zugenommen hat kreisweit die Zahl der Auto-Diebstähle, 105 waren es 2018 (2017: 85). Vor allem hochwertige Fahrzeuge sind das Ziel. Die Polizei vermutet, dass zunehmend Funksignale der Schlüssel für den Diebstahl abgefangen werden. „Das ist schwer nachweisbar, aber vier Fälle haben wir auf jeden Fall“, so Kurzawe.
Insgesamt ist die Zahl der Diebstähle jedoch deutlich zurückgegangen: von 8050 auf 6653 kreisweit, in Iserlohn von 2414 auf 1985, in Hemer von 643 auf 476. Mit 484 Fällen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche kreisweit auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Mit der ebenfalls gesunkenen Aufklärungsquote ist man bei der Kreispolizeibehörde jedoch nicht zufrieden.
Leicht gestiegen ist die Zahl der Körperverletzungen: um 22 Fälle auf 2787 kreisweit (Iserlohn: 757; Hemer: 220). Um ein Viertel reduziert haben sich dagegen die Taschendiebstähle: kreisweit 287. Die Rauschgiftdelikte sind um ein Fünftel auf 1302 gesunken. In Iserlohn und Hemer sind sie um 40 Prozent zurückgegangen, auf 255 bzw. 64 Fälle. Ebenfalls abgenommen hat die Straßenkriminalität: in Iserlohn von 1630 auf 1283 Fälle, in Hemer von 501 auf 444. Entgegen dem Kreistrend hat es aber mehr Raubdelikte gegeben: in Iserlohn 61 Fälle, in Hemer 15.
2018 war ein bewegtes Jahr mit insgesamt guten Zahlen, blickte Polizei-Chef Kuchenbecker zurück. Die seien jedoch nicht vom Himmel gefallen, lobte er die Arbeit seiner Kollegen. Die müssten mit immer weniger Leuten mehr leisten. „Das Personal schmilzt dahin wie der Schnee in der April-Sonne.“ Die Bürger interessiere das nicht, die wollen sicher leben. „Wir werden auch 2019 alles dafür geben“, so Kuchenbecker. Den Kriminellen empfahl er, sich einen anderen Kreis zu suchen: „Hier werden wir ihnen auf den Füßen stehen.“

Autor:

Christoph Schulte aus Hemer

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