Ehrenamtlicher Einsatz für Natur und Mensch
Junge Menschen packen an beim Bergwaldprojekt im Märkischen Kreis

Hier werden sogenannte Hordengatter gebaut – Zäune aus Holzelementen, die Setzlinge vor Wildverbiss schützen.
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  • Hier werden sogenannte Hordengatter gebaut – Zäune aus Holzelementen, die Setzlinge vor Wildverbiss schützen.
  • Foto: Alexander Bange/Märkischer Kreis
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Sie kommen aus dem Ruhrgebiet, aus Mainz, Stuttgart, selbst aus Kiel oder aus Frankfurt/Oder. Nach Neuenrade. Nicht zum Urlaub machen, sondern, um sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Sie packen an. Gemeinsam. Im Wald. Das Bergwaldprojekt macht's möglich.
Die Sonne scheint, es ist angenehm warm, die Aussicht ist bestens. Die Stille wird nur von Vogelgezwitscher unterbrochen. Nichts erinnert hier, an dieser Kahlfläche einer ehemaligen Fichten-Monokultur im Gemeindewald Neuenrade, daran, dass vor wenigen Tagen ein Starkregen ungeahnten Ausmaßes über den Märkischen Kreis und auch über Neuenrade niedergegangen ist. Die jungen Menschen, die hier sind, wissen selbstverständlich vom Unwetter. Sie spüren die Auswirkungen. Die Anreise aus Kiel, aus Stuttgart oder aus dem Ruhrgebiet gestaltet sich schwierig. Bahngleise sind zerstört, Straßen weggespült. Aber sie sind da. Spät, übermüdet, aber angekommen - im SGV-Wanderheim Wiehardt in Plettenberg. Nicht zum Urlaub machen. Zum Anpacken. Zum Aufbäumen im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Einsatz für Natur und Mensch.
Zwölf junge Menschen machen beim Bergwaldprojekt mit. Neu ist das Projekt nicht. Seit 2008 findet es regelmäßig in Werdohl statt. Seitdem sind dort mehr als 30.000 Laubbäume gepflanzt worden. 2020 macht Corona der Aktionswoche einen Strich durch die Rechnung. 2021 findet das Projekt dagegen wieder statt - erstmals in Kooperation zwischen dem Verein Bergwaldprojekt und dem Märkischen Kreis. Erstmals in Neuenrade am Imberg. Hier werden sogenannte Hordengatter gebaut - Zäune aus Holzelementen, die Setzlinge vor Wildverbiss schützen. Gepflanzt wird dann im Oktober. Dann ist das Bergwaldprojekt erneut am Imberg.
Wiederaufforstung ist wichtig für die Regeneration des Waldökosystems. Auch im Märkischen Kreis sorgen Hitze, Dürre oder Schädlinge wie der Borkenkäfer für erhebliche Waldschäden. Seit 2018 mussten etwa 6.500 Hektar Wald im Kreisgebiet abgeholzt werden, weil Fichten abgestorben sind. Für dieses Jahr rechnet das Forstamt Märkisches Sauerland mit weiteren 4000 Hektar Wald - betroffen von Unwetter-Ereignissen und Borkenkäfer-Befall. Nachhaltig bewirtschaftet ist der Wald aber auch Teil der Lösung, wenn es darum geht, Folgen der Klimaveränderungen abzumildern. Die Projektteilnehmer aus allen Ecken Deutschlands sind ein wichtiges Puzzleteil. Sie arbeiten ehrenamtlich zum Schutz und Erhalt der heimischen Ökosysteme. Warum?
"Ich möchte meine Komfortzone verlassen. Ich bin gerne in der Natur, möchte meinen Horizont erweitern", sagt eine Teilnehmerin aus Düsseldorf. "Es ist ein spannendes Projekt, das Riesenspaß macht. Der Teamspirit ist großartig. Wir tun Gutes mitten in der Natur", ergänzt Luna Vera Steinbusch, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Märkischen Kreis macht.
Für den ehrenamtlichen Einsatz gibt es viel Anerkennung. "Sie leisten ganz wichtige Arbeit, denn unser Wald ist fester Bestandteil unserer Heimat, Kultur und Identität", sagt Landrat Marco Voge, der sich gemeinsam mit Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper, Dr. Kerstin Heyl aus dem Fachdienst Natur- und Umweltschutz sowie mit der Kreistagsabgeordneten Ulrike Wolfinger (SPD) vor Ort ein Bild des Projekts macht. Im Dezember 2019 hatte der Kreistag beschlossen, das Projekt in Kooperation mit dem Verein Bergwaldprojekt zu veranstalten - eigentlich in 2020, was aber aufgrund von Corona ausfiel. Revierförster Frank Bossong und Regionalforstamtsleiter Jörn Hevendehl loben die ehrenamtlichen Teilnehmer: "In den Hängen zu arbeiten, ist anstrengend und herausfordernd. Was die jungen Menschen hier leisten, ist super." Und sie geben einen realistischen Blick auf die aktuelle Situation des Waldes: "Wir sind hier in einem Kalamitäts-Hotspot in ganz Europa und stehen vor einer landschaftshistorischen Aufgabe."
Projektleiter Adrian Braemer zieht eine positive Bilanz nach fünf arbeitsreichen, aber spannenden und verbindenden Tagen: "Das war eine rundum gelungene Projektwoche. Danke an den Märkischen Kreis, dass wir das Projekt hier durchführen dürfen."

Hier werden sogenannte Hordengatter gebaut – Zäune aus Holzelementen, die Setzlinge vor Wildverbiss schützen.
Zäune aus Holzelementen schützen die Setzlinge vor Wildverbiss.
Autor:

Lokalkompass Iserlohn-Hemer aus Iserlohn

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