Corona-Schock mit Langzeitfolgen
Wie Dragan und Svenja Pecalj nach unterschiedlichen Krankheitsverläufen in die Zukunft blicken

Dragan und Svenja Pecalj entspannen die meiste Zeit auf der Terrasse. Große Anstrengungen sind zumindest für den 44-Jährigen aktuell undenkbar.
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  • Dragan und Svenja Pecalj entspannen die meiste Zeit auf der Terrasse. Große Anstrengungen sind zumindest für den 44-Jährigen aktuell undenkbar.
  • hochgeladen von André Günther

Dragan und Svenja Pecalj befinden sich in der Blütezeit ihres Lebens. Ende 2019 kaufte sich das Paar ein Haus in Lössel, 2020 folgte im Juni die standesamtliche Hochzeit. Aber ein Tag änderte das Leben der Beiden grundlegend.

Es war der 19. März 2021. Das Paar war bei Dragan’s Bruder und seiner Schwägerin zu Besuch. Zwei Haushalte, mit zusätzlich drei Kindern. Eine der wenigen Treffen in dieser Zeit, welches das Paar genoss. Als es am Samstagabend nach Hause ging, war die Welt noch in Ordnung, und auch der Sonntag verlief ohne besondere Vorkommnisse. Am Montagmittag riss ein Anruf das Paar aus ihrem normalen Alltag. „Meine Schwägerin rief mich auf der Arbeit an und sagte mir, dass sie Symptome hat, die auf Covid-19 hinweisen. Ich bin dann direkt zu meiner Frau nach Hause gefahren, die dort im Home Office gearbeitet hat und wir haben noch am Nachmittag einen Schnelltest im Sauerlandpark gemacht, der allerdings negativ war“, berichtet Dragan.
Der Test beruhigte zunächst die Beiden, doch schon am kommenden Tag war klar, dass es das Paar wohl doch erwischt hatte. „Es ging schlagartig bei Beiden gleichzeitig los mit Glieder- und Kopfschmerzen, leichtem Fieber und Husten. Wir haben dann direkt einen PCR-Test machen lassen und bekamen donnerstags das Ergebnis – Positiv mit B.117“, erinnert sich die 34-Jährige an die Nachricht.
Eine Woche lagen beide flach mit den gleichen Symptomen in der gleichen Ausprägung. Dazu gab es regelmäßig die entsprechenden Medikamente. „Mir ging es insgesamt zehn Tage gleichmäßig schlecht und von einem Tag auf den anderen war es dann schlagartig besser. Alle zwei Tage kamen meine Eltern vorbei und haben uns die Einkäufe gebracht. Der Korbwechsel fand dann vor der Haustür statt. Auch Freunde haben uns toll unterstützt. Sie haben Medikamente besorgt oder Kuchen für uns gebacken. Nach Ablauf der 14-tägigen Quarantäne konnte ich schon im Home Office wieder arbeiten“, berichtet Svenja.
Ganz anders entwickelte sich die Krankheit bei ihrem Mann. Der 44-Jährige registrierte an seinem Messgerät, dass die Sauerstoffsättigung von Tag zu Tag in den Keller ging. Am neunten Tag der Krankheit musste dann der Notarzt kommen. „Ich habe keine Luft mehr bekommen und hatte fast 40 Fieber. Nach Absprache mit meinem Hausarzt Dr. Andreas Hartmann wurde dann ein RTW für mich bestellt. Der kam allerdings erst eineinhalb Stunden später, weil kein Krankenhausplatz für mich gefunden wurde. In Iserlohn war alles voll, so dass ich dann nach Lüdenscheid musste.“ Direkt im Wagen bekam Dragan schon Sauerstoff eingeflößt, doch in Lüdenscheid angekommen, musste er noch eine halbe Stunde im Krankenwagen verbringen. „Ich war der siebte oder achte Coronapatient an dem Tag. Die haben sogar noch eine vierte Station für die Infizierten aufmachen müssen, so dass insgesamt, ausgenommen der Intensivstation, 120 Patienten mit Corona behandelt werden konnten.“
Während der erste Tag im Klinikum Hellersen für ihn noch ganz ok verlief, ging es ihm in den kommenden Tagen immer schlechter. „Fünf Tage lang hatte ich bis zu 40 Grad Fieber und Durchfall. Dazu hatte sich noch eine schwere Lungenentzündung entwickelt. Erst nach sieben Tagen konnte ich wieder etwas essen. Nach zehn Tagen wurde ich dann wieder entlassen, obwohl ich immer noch positiv war“, meint Dragan.
Als die Strapazen überwunden schienen, kam dann aber der richtige Schock. „Ich habe die Ergebnisse aus den Untersuchungen zugeschickt bekommen. Die Blutwerte waren eine Katastrophe und es hatten sich Schatten auf der Lunge gebildet. Als ich nach der einwöchigen Quarantäne und der überstandenen Lungenentzündung zu einem erneuten CT-Termin bin, habe ich die Auswertungen mit meinem Hausarzt besprochen. Was mir Dr. Hartmann da gesagt hat, hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Es sei der schlimmste Coronabefund, den er in den Händen gehalten hätte, mit Vernarbungen in beiden Lungenflügeln.“ Eine Katastrophe für den Sportbegeisterten, der in seiner Freizeit gerne mit seinem Mountainbike in den Wäldern unterwegs ist und regelmäßig an Hindernisläufen, wie der „Tough Mudder Serie“, teilnimmt.
Die neue Realität sah für ihn allerdings anders aus. Zwei bis drei Monate konnte Dragan Pecalj nicht mal spazieren gehen. Völlige Ruhe war angesagt. Mit seiner neu angeschafften Smartwatch kontrolliert er seitdem ständig seinen Pulsschlag. „Ich habe nach wie vor eine Herzmuskelentzündung, die den Puls bei der kleinsten Bewegung rasen lässt. Wenn ich nur aus dem Bett aufstehe, um mir aus der Küche etwas zu trinken zu holen, habe ich bereits den Richtwert von 110, den ich versuchen soll, nicht zu überschreiten. An Sport ist auch in den kommenden Monaten nicht zu denken, weil ich mich auch körperlich noch viel zu schwach fühle.“ Gerade für ihn, der ansonsten fast jeden Tag Sport treibt, eine große Geduldsprobe: „Ich drehe noch durch.“
Aber vielleicht ist ja bald eine Besserung in Sicht. Ende Juli geht es für fünf Wochen zur Reha an den Königssee. Danach hofft Dragan, endlich wieder mit seinem Fahrrad, zumindest eine Runde, um den Seilersee fahren zu können. Svenja geht es da schon wesentlich besser. Sie reitet schon wieder regelmäßig und hat auch schon Pläne für die Zukunft. „Da unter diesen Umständen unsere Hochzeitsfeier auch 2021 nicht stattfinden wird, hoffe ich, dass wir das im kommenden Jahr endlich nachholen können. Mein Brautkleid hängt jedenfalls einsatzbereit im Gästezimmer.“

Dragan und Svenja Pecalj entspannen die meiste Zeit auf der Terrasse. Große Anstrengungen sind zumindest für den 44-Jährigen aktuell undenkbar.

Mit seiner Smartwatch versucht Dragan den Puls zu kontrollieren, jede kleinste Bewegung führt dazu, dass das Herz anfängt zu rasen.
Autor:

André Günther aus Iserlohn

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