Wie drei Mädels zwei Systeme entlarven - Solidarität mit den Pussy Riot

Kommentar. Zwei Jahre Knast für eine Ordnungswidrigkeit . . . Zugegeben, mir gefallen weder die Musik, noch das Outfit der Band. Ich springe auch nicht auf jeden Zug der Medienschlagzeilen auf. Aber hier passiert etwas Besonderes. Es ist der offene Kampf um die Meinungsfreiheit! Während drei „unbedeutende“, maskierte, junge Frauen, weltweit ein Gesicht bekommen, hat Putin seines wieder einmal mehr verloren. Was interessiert es den gesunden Grissly, wenn ein Dackel kläfft?

Während ich die Bilder des Prozesses verfolge, sehe ich Freie in Ketten und Sklaven eines verbrecherischen Systems. Richter, Staatsanwalt, Polizisten und Soldaten im Dienst politischer Unterdrückung, gegen den Aufstand des Gewissens . Was für ein Bild.

Schauprozesse kennen wir Deutschen vom Dritten Reich. Schon Roland Freisler, als Präsidenten des Volksgerichtshofs, stand für kurzfristige Macht bei fehlendem Charakter. Die fortschreitende Geschichtsschreibung hat schon oft abschließend klargestellt, wer tatsächlich schuldig und wer ungerechter Richter ist.
http://www.youtube.com/watch?v=x_bwucQ7l3g

Auch diese Angeklagten haben bereits mehr als einmal Größe bewiesen:

„Eines Tages, so hat es die Angeklagte Maria Aljochina in ihrem Schlusswort vor zehn Tagen angekündigt, wird der Staatsmacht für diesen Prozess noch die Schamesröte ins Gesicht steigen. Das Urteil, das die Richterin Marina Syrowa jetzt im Moskauer Chamowniki-Gericht verlesen hat, war nun der konsequente letzte Akt in einem bizarren Schauspiel.“
http://www.sueddeutsche.de/politik/2.220/pussy-riot-schuldig-gesprochen-russlands-ungenierter-abschied-vom-rechtsstaat-1.1443790

Und die FAZ schreibt:

„Unmittelbar vor dem Urteil hatten die Angeklagten einem Gnadengesuch an Kremlchef Wladimir Putin eine klare Absage erteilt. „Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten“, schrieb die 22 Jahre alte Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa der regierungskritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“. Sie glaube nicht an ein unabhängiges Urteil. „Das ist eine Illusion“, hieß es.“
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nach-protest-gegen-putin-moskauer-gericht-spricht-pussy-riot-schuldig-strafmass-offen-11859064.html

Etwas im Schatten, aber nicht weniger beschädigt ist die russisch-orthodoxe Kirche (hier: Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale).
Eine echte christliche Kirche braucht keinen politischen Schutz. Das schnelle Eingreifen des Sicherheitsdienstes während des 30-60 Sekunden-Auftritts zeigt eine ekelhafte politische Durchdringung der Kirche.

Wieder drängt sich eine Erinnerung auf. Schon damals hatten religiöse Heuchler Jesus aufgefordert seine lautstark kritischen und unbequemen Jünger zum Schweigen zu bringen. Auch das damalige religiöse System hatte um die Gunst der Politik gebuhlt.

Lukas schreibt:
„Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er aber erwiderte ihnen: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!“ (Lk 19,39)

Es will scheinen, als hätten die jungen Frauen das Versagen der Kirche gleich mit demaskiert. Waren sie „schreiende Steine“ in einer kniefällig vor der Politmacht kuschenden Kirche?

Der Mut und die Radikalität der Frauen verdienen meinen aufrichtigen Respekt.

Autor:

Ulrich Wockelmann aus Iserlohn

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