Marc Baumann – Richter Ahnungslos (BÜCHERKOMPASS-Rezension)

Rezension:

„Wie ich unfreiwillig Schöffe wurde und was ich dabei über Recht und Unrecht gelernt habe.“ - Marc Baumann ist es mit seinem Büchlein „Richter Ahnungslos“ gelungen eine Brücke zu schlagen zwischen normalen Alltagsbürgern und einer dunklen Macht, der Justiz.

In zwölf Kapiteln skizziert er einige seiner Erfahrungen als Schöffe bei einem Münchner Amtsgericht aus den Jahren 2009-2013. Sein Schreibstil ist erfrischend einfach, sehr leicht verständlich und dabei hat sein Thema doch einen durchaus ernsten Hintergrund. Baumann berichte in wenigen Szenen über seine Erfahrungen mit Richtern, Angeklagten und Staatsanwälten.

Es klingt etwas davon durch mit welchen Herausforderungen Richter und Staatsanwälte tagtäglich zu tun haben, wenn sie vorurteilsfrei entscheiden sollen und doch in vielen Detailfragen nur unzureichende Kenntnis haben. Baumann stellt den Wert des Schöffenamtes heraus, als wertvolles Bindeglied zwischen Akteneinsicht und Lebenswirklichkeit. Schöffen können aktiv Einfluss nehmen auf die Wahrheitsfindung und sogar auf das Strafmaß und sind keinesfalls darauf reduziert wie kleine „Wackeldackel“ brav neben dem Berufsrichter zu sitzen und fortwährend dessen Vortrag abzunicken.

Besonders wichtig ist ihm die Erwähnung einer hohen Quote an Fehlverurteilungen:
„In Bayern wurden im Jahr 2009 130 Menschen entschädigt, weil sie unschuldig einsaßen, für 2011gibt die Statistik 515 in ganz Deutschland fälschlich festgehaltene Personen an, im Schnitt für 80 Tage. Ralf Eschelbach, Richter am Bundesgerichtshof, hat die Zahl der Fehlurteile in Deutschland auf ein Viertel geschätzt, berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel im Jahr 2012.“
(S. 83 und 140)
spiegel.de

Rezension 2: A. Sch.:

In dem Roman " Richter Ahnungslos" von Marc Baumann wird man auf leichte, menschliche Art, aus der Sicht eines unfreiwilligen Schöffen, in die deutsche Justiz entführt.

In 11 Kapiteln erzählt der Autor mit vielen kleinen Geschichten detailgetreu über den Alltag im Gericht. Über den Spielsüchtigen der stiehlt, den Jugendlichen mit Drogenmissbrauch oder dem Familienvater der für seine Kinder Sozialleistungsbetrug begeht und die Haft antreten muss.

Es ist ein leicht zu lesendes, anschauliches Buch auch ohne das man Jura studiert haben muss. Es hat mich sehr informativ, näher an das deutsche Rechtssystem gebracht. Man hinterfragt an vielen Stellen im Buch und es macht neugierig auf mehr Wissen über das Leben eines Schöffen.

Autor:

Ulrich Wockelmann aus Iserlohn

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